Robert Mercer (Archivbild 2014) | Bildquelle: Getty Images

"Breitbart"-Mäzen Mercer "Mehr Nerd als Politiker"

Stand: 09.03.2017 17:11 Uhr

Ohne ihn wäre der rechtspopulistische "Breitbart"-Nachrichtendienst längst pleite. Und ohne ihn hätte es Trump wahrscheinlich nicht geschafft, US-Präsident zu werden: Hedgefonds-Milliardär Mercer. Ein Porträt über den wohl wichtigsten Finanzier der Rechtspopulisten.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Robert Mercer scheut die Öffentlichkeit. Der 70-jährige Milliardär lehnt Interviewanfragen grundsätzlich ab. Doch dank seiner Millionen-Spenden gilt er heute als einer der mächtigsten politischen Strippenzieher in Trumps Amerika. Für zehn Millionen Dollar erwarb Mercer vor sechs Jahren fast die Hälfte der Anteile von "Breitbart News".

Er förderte Stephen Bannon, der mit Mercers Millionen "Breitbart News" zur führenden Plattform der Rechten machte. Und es war Mercer, der Donald Trump davon überzeugte, nach dem missglückten Parteitag der Republikaner seinen Wahlkampfmanager zu feuern, um dafür Bannon und Kellyann Conway zu holen.

Stephen Bannon | Bildquelle: AP
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Bannon begeisterte Mercer früh.

"Ein Computernerd"

"Dabei ist Mercer das Gegenteil eines politischen Menschen", sagt Keach Hagey vom "Wall Street Journal": "Mercer ist ein Zahlen-Mensch, ein stiller Computernerd, der schon früh Computer programmierte, bei IBM begann und dann den Hedgefond "Renaissance Technologies" mitbegründete und Millionen verdiente."

Mercers Hedgefonds entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten in den USA. Der Mathematiker verlässt sich nicht auf Analysen von Wirtschaftsexperten. Stattdessen sammeln seine Computer Tausende Daten, die berechnen, wann und bei welchen Unternehmen es sich lohnt, Aktien zu kaufen oder zu verkaufen. Frühere Kollegen beschreiben Mercer als brillanten Kopf mit exzentrischen Zügen.

In seinem Domizil an der Atlantikküste bei New York ließ der bekennende Waffennarr im Keller eine Schießanlage einbauen, außerdem eine Spielzeugeisenbahn für knapp drei Millionen Dollar. Als ihm die Vereinigung für Computerlinguistik vor drei Jahren einen Preis verlieh, gestand Mercer in einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte, seine einstündige Rede sei mehr als er normalerweise in einem ganzen Monat rede.

Lieber Computer als Menschen

Bei seinem Auftritt wurde damals deutlich, dass sich Mercer unter Computern wohler fühlt als unter Menschen: "Ich liebte wirklich alles an Computern. Die Einsamkeit in einem Computerlabor spät in der Nacht. Den Geruch der Klimaanlage. Ich liebte die Geräusche der Disks und der klappernden Drucker."

Als Mäzen ultrarechter Anliegen engagiert sich Mercer erst seit 2010. Nachdem der Oberste Gerichtshof die Schranken für politische Spenden kippte, unterstützten er und seine Tochter Rebekah libertäre und rechtspopulistische Ziele mit Millionenbeträgen. Die Mercers befürworten eine radikale freie Marktwirtschaft, leugnen den Klimawandel und sie hassen die Clintons, den Staat, die US-Notenbank und vor allem die politische Elite.

"Sie sind eher daran interessiert, Washington aufzumischen und all die korrupten Politiker bei Demokraten und Republikanern rauszuschmeißen, als eine bestimmte Person zu unterstützen", so Hagey vom "Wall Street Journal". Das erklärt, warum Mercer früh von Bannon begeistert war. Das erklärt auch, warum er zum wichtigsten Mäzen von Trump wurde, nachdem er zunächst den texanischen Senator Ted Cruz unterstützt hatte.

Mercer zieht Fäden im Hintergrund

Mercer spendete Millionen für Clinton-kritische Bücher und Filme. Und nach Trumps Wahlsieg gilt Mercer als die reiche Spinne im Netz, die heimlich die Fäden zwischen Trump, Bannon, "Breitbart News" und den Rechtspopulisten zieht. Nach Insider-Berichten waren es Mercer und seine Tochter, die Trump überredeten, den Außenseiter Jeff Sessions zum Justizminister zu machen und den Mainstream-Republikaner Mitt Romney als Außenminister zu verhindern.

Robert Mercer: Der Milliardär, der Breitbart finanziert
M. Ganslmeier, ARD Washington
09.03.2017 00:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. März 2017 um 05:37 Uhr

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