Der Rauch eines Kohlekraftwerkes kommt vor der Kulisse des Capitol in Washington (USA) aus einem Schornstein.  | Bildquelle: picture alliance / dpa

Von Behörden veröffentlicht US-Klimareport widerspricht Trump

Stand: 04.11.2017 04:06 Uhr

Die Regierung von Donald Trump versucht alles, um die Rolle des Menschen beim Klimawandel herunterzuspielen. Der jüngste offizielle US-Klimaschutzbericht widerspricht dem nun entschieden. Das Weiße Haus ließ den Report trotzdem passieren.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Beim Klimawandel ist die Trump-Regierung skeptisch. Wichtige Regierungsvertreter bezweifeln, dass es ihn überhaupt gibt - oder zumindest glauben sie nicht, dass die Menschheit darauf einen großen Einfluss hat. Klimaschutz hat darum keinen Platz auf ihrer Agenda. Präsident Donald Trump sagte im September, die USA seien aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ausgetreten, um die amerikanische Industrie und die Arbeitnehmer zu schützen - das Abkommen vernichte Arbeitsplätze.

Da ist es bemerkenswert, dass Regierungswissenschaftler zu einem anderen Resultat kommen: Der Klimawandel ist real und die Menschheit ist der Auslöser.

Klimawandel ist menschengemacht

Ein Gesetz schreibt vor, dass die US-Regierung alle vier Jahre einen umfassenden Bericht zum Klimawandel vorlegen muss. Hunderte Wissenschaftler von 13 Behörden werteten dafür 1500 Studien aus. Obwohl ihre Ergebnisse der Politik von Präsident Trump widersprechen - die Autoren betonen, die Regierung habe nicht versucht, den Bericht vor der Veröffentlichung zu verändern.

Die Wissenschaftler sagen, es sei extrem wahrscheinlich, dass die Menschheit das Klima maßgeblich beeinflusst - mit einer Sicherheit von 95 bis 100 Prozent. Die Erde erwärme sich, weil wir CO2 in die Atmosphäre blasen. Es gebe dafür keine andere, überzeugende Erklärung. Der Anteil könnte sogar noch höher sein - natürliche Ereignisse wie etwa Vulkanausbrüche würden die Erde nämlich abkühlen.

Große Veränderungen, große Sorgen

Radley Horton ist Klimawissenschaftler an der Columbia-Universität. Er sagt, es gebe viele Gründe für Pessimismus: "Egal, ob wir über die Signale von der Regierung sprechen oder über die beunruhigenden Aspekte der Klimaforschung: Das Klima wandelt sich schneller als wir gedacht haben, wir sind verletzbarer als gedacht."

In dem Report werden zahlreiche Folgen des Klimawandels aufgelistet: Der Meeresspiegel sei im Vergleich zum Jahr 1900 um 20 Zentimeter angestiegen. Und er wird weiter steigen. Es gibt mehr und stärkeren Regen, mehr Überflutungen, mehr Hitzewellen. Die größte Sorge: Der Klimawandel könnte dazu führen, dass wichtige Wettersysteme wie der Golfstrom verändert und abgeschwächt werden.

Initiativen abseits der Regierung

Klimaforscher Horton sagte, es gebe in dem Bericht auch Hoffnungsschimmer. Es gebe Chancen, den CO2-Ausstoß schnell zu senken: "Wir sehen Hinweise für ein Einpegeln der CO2-Belastungen - obwohl die Wirtschaft wächst." Die Preise für erneuerbare Energien würden dramatisch sinken. "Vielleicht ist das ein Signal für Unternehmen und Investoren, zu fordern, dass Unternehmen die Klimafrage stellen."

Das ist die Hoffnung von Klimaschützern in den USA: Dass, wenn die Regierung von Präsident Trump nichts unternimmt, dann andere auf den Klimawandel reagieren. Der frühere Vizepräsident Al Gore sagte, Bundesstaaten, Städte, Unternehmen und Bürger würden handeln.

Klimareport von US-Behörden steht im Widerspruch zu Trumps Haltung
Jan Bösche, ARD Washington
04.11.2017 07:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. November 2017 um 04:58 Uhr.

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