Trudeau und Trump | Bildquelle: REUTERS

Handel Eskalation zwischen den USA und Kanada?

Stand: 26.04.2017 04:04 Uhr

Droht ein Handelskrieg zwischen den USA und Kanada? Bereits am Montag hatte das US-Finanzministerium einen Strafzoll auf kanadische Holz-Importe angekündigt, Kanadas Premier Trudeau drohte nun seinerseits mit einer harten Reaktion.

Die Handelsstreitigkeiten zwischen den Nachbarn USA und Kanada drohen zu eskalieren. "Kanada ist sehr grob zu den USA", sagte US-Präsident Donald Trump in Washington bei der Unterzeichnung eines Dekrets zur Agrarpolitik. Auf die Frage, ob er sich vor einem Handelskrieg mit Kanada fürchte, sagte er: "Nein."

Die USA hatten zuvor angekündigt, einen Strafzoll von 20 Prozent auf kanadische Weichholz-Importe zu erheben. US-Handelsminister Wilbur Ross warf Kanada vor, Handelsvereinbarungen verletzt zu haben. Dabei geht es um den Vorwurf unzulässiger Subventionen für die kanadische Holzwirtschaft.

Die kanadische Regierung widersprach den Vorwürfen scharf. Premierminister Justin Trudeau drohte mit einer harten Reaktion. "Ich bin höflich, aber ich bin auch sehr entschlossen, wenn es um die Verteidigung der kanadischen Interessen geht", sagte er in einem Fernsehinterview. US-Präsident Trump kritisierte seinerseits, Kanada sei in den Handelsangelegenheiten "sehr grob" mit den USA umgegangen. Das sei der Grund für den "sehr hohen" Zoll auf die Hölzer.

Trump kündigte Ausbau der Handelsbeziehungen an

Damit droht nun ein regelrechter Handelskrieg zwischen den beiden Nachbarländern, die sehr enge wirtschaftliche Beziehungen unterhalten. Bei einem Besuch Trudeaus im Februar hatte US-Präsident Trump die Handelsbeziehungen zu Kanada noch als "sehr überragend" gepriesen und ihren Ausbau angekündigt.

Am Montag fachte seine Regierung dann aber den Jahrzehnte alten Streit um die kanadischen Importe von Nadelbaumhölzern neu an. Das US-Finanzministerium teilte mit, es werde Strafzölle zwischen drei und 24 Prozent auf diese Hölzer verhängen, die unter anderem für Fußbodenbeläge und Holzverkleidungen verwendet werden. Gespräche über eine gütliche Einigung seien gescheitert.

Die USA werfen Kanada bereits seit mehr als drei Jahrzehnten vor, die Nadelholzexporte unter Verstoß gegen faire Handelspraktiken zu subventionieren und damit der US-Holzbranche zu schaden. Der Wert dieser aus Kanada in die USA exportierten Holzarten belief sich laut US-Finanzministerium im vergangenen Jahr auf 5,66 Milliarden US-Dollar (5,2 Milliarden Euro).

"Gegenstandslos und unbegründet"

Die kanadische Regierung bezeichnete den Vorwurf, die Holzexporte würden in unerlaubter Form subventioniert, als "gegenstandslos und unbegründet". Kanada werde die Interessen seiner Nadelholzindustrie "energisch verteidigen", auch auf juristischem Weg, kündigten Außenministerin Chrystia Freeland und der Minister für Naturressourcen, Jim Carr, an.

Trump heizte den Handelsstreit mit dem nördlichen Nachbarn zudem weiter an, indem er eine Reaktion auf die neu erlassenen kanadischen Restriktionen für den Import von Milchprodukten ankündigte. Kanada habe damit das Geschäft für die Milchbauern in Wisconsin und anderen an Kanada angrenzenden US-Bundesstaaten "sehr schwierig" gemacht. "Wir werden dem nicht tatenlos zuschauen. Passt auf!", schrieb Trump auf Twitter.

Am Abend telefonierten Trump und Trudeau. Der Anruf sei "sehr freundschaftlich" verlaufen, teilte das Weiße Haus mit. Die kanadische Regierung erklärte hingegen, Trudeau habe "die unbegründeten Vorwürfe widerlegt". Kanada "wird weiterhin seine Interessen verteidigen", hieß es mit Blick auf die Milchproduktion.

Kanada und die USA sind zusammen mit Mexiko seit 1994 in dem Freihandelsabkommen Nafta zusammengeschlossen. Der US-Präsident sieht sein Land jedoch durch das Abkommen eklatant benachteiligt, weshalb es auf sein Drängen hin neu verhandelt werden soll.

Über dieses Thema berichteten am 25. April 2017 Inforadio um 22:59 Uhr und am 26. April 2017 die tagesschau um 05:25 Uhr sowie um 09:00 Uhr.

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