US-Außenminister John Kerry | Bildquelle: AP

Gespräche über Syrien-Konflikt USA schließen Iran nicht mehr aus

Stand: 28.10.2015 07:32 Uhr

Neben Russland gehört der Iran zu den engsten Verbündeten des syrischen Machthabers Assad. An Krisengesprächen zum Syrien-Konflikt war der Iran aber bislang nicht beteiligt - auf Druck der USA. In Washington denkt man nun aber offenbar um.

Keine bewaffneten Bodeneinsätze in Syrien, keine Beteiligung des Iran an den internationalen Krisengesprächen: An diesen Grundsätzen will die US-Regierung offenkundig nicht länger festhalten. Grund dürfte die festgefahrene Lage in dem Bürgerkriegsland sein - und die Stärke der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

Der Iran wird nach US-Angaben voraussichtlich bei den Gesprächen über ein Ende des Bürgerkrieges in Syrien dabei sein. "Wir gehen davon aus, dass der Iran zum bevorstehenden Treffen in Wien eingeladen wird", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Washington. Ob die Iraner erscheinen, hänge jedoch von der iranischen Führung ab.

USA erwägen neue Strategie im Kampf gegen IS
tagesschau, 20:00 Uhr, 28.10.2015, S. Niemann, ARD Washington

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Das Ziel: eine Regierung ohne Assad

Bei dem Treffen Ende der Woche in Wien gehe es darum, wie ein politischer Übergang in Damaskus gelingen könne. Demnach sollen die Vertreter von etwa einem Dutzend Ländern an dem Treffen teilnehmen, auch aus Deutschland. Ziel sei eine Regierung, an der der syrische Staatschef Bashar al-Assad nicht mehr beteiligt sei.

Für die USA nehme Ressortchef John Kerry teil. Dieser telefonierte erneut mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow, wie das Außenministerium in Moskau mitteilte. Beide seien sich einig, dass alle wichtigen Regierungen in der Region eingebunden werden müssten.

Da der Iran neben Russland einer der engsten Verbündeten des syrischen Präsidenten Assad ist, den die USA wiederum zum Abtritt zwingen wollen, hatte Washington eine Teilnahme des Iran an den Krisengesprächen bislang ausgeschlossen.

Gespräche über das iranische Atomprogramm in Genf | Bildquelle: AP
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Vorbild Atomabkommen: US-Außenminister Kerry mit Irans Außeminister Sarif im Juni in Wien.

Iran schickte Militärberater

Irans Präsident Rouhani bei seiner Ansprache nach der Atom-Einigung | Bildquelle: AP
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Der Iran, hier Präsident Rouhani, stützt Syriens Machthaber Assad.

Die schiitisch geführte Islamische Republik spielte zuletzt in Syrien eine wichtige Rolle: Erst am Dienstag hatte die Führung der Revolutionsgarden bestätigt, dass sie mehr Militärberater nach Syrien geschickt habe, um Damaskus zu unterstützen. Auch kämpft die vom Iran unterstützte libanesische Hisbollah an der Seite Assads.

Zuletzt hatte Russland mit massiven Luftangriffen zugunsten von Assad in den Konflikt eingegriffen und dem syrischen Präsidenten militärische Erfolge beschert. Die verstärkten Kämpfe trieben gleichzeitig nach Schätzung der Vereinten Nationen allein im Oktober weitere 120.000 Menschen in die Flucht, die meisten davon innerhalb Syriens.

Notfalls mit US-Bodentruppen gegen IS

Auch die USA und ihre Verbündeten fliegen seit Monaten in Syrien - ebenso wie im Irak - Luftangriffe, gerichtet gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat". Diese militärische Offensive gegen den IS soll nun ausgeweitet werden, wie US-Verteidigungsminister Ashton Carter im Senat ankündigte. Ins Visier genommen werden sollen vor allem die IS-Hochburgen Rakka in Syrien und Anbar im Irak.

Auch Bodentruppen sind offenbar nicht mehr ausgeschlossen. Die USA würden nicht davor zurückschrecken, Verbündete bei Attacken gegen den IS zu unterstützen oder solche Einsätze selbst auszuführen, sagte er - "ob durch Angriffe aus der Luft oder direkte Handlungen am Boden".

Die US-Streitkräfte fliegen an der Spitze einer internationalen Koalition Luftangriffe gegen die Dschihadisten, der Einsatz von Bodentruppen stand bislang aber nicht zur Debatte.

Für die Menschen in Syrien ist die Lage katastrophal. Wer kann, flieht. 13,5 Millionen Menschen sind laut UN auf Hilfe angewiesen, darunter sechs Millionen Kinder. Binnen zehn Monaten habe sich die Zahl um 1,2 Millionen erhöht, sagte der Beauftragte für humanitäre Angelegenheiten, Stephen O'Brien. "Das ist die größte Vertreibungskrise der Moderne", sagte er. Rund 4,2 Millionen Syrer seien inzwischen außer Landes.

Zivilisten gehen durch die Ruinenlandschaft von Aleppo. | Bildquelle: REUTERS
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Wer kann, flieht: Zivilisten in der Ruinenlandschaft von Aleppo.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. Oktober 2015 um 09:00 Uhr.

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