U-Bahn in New York | Bildquelle: Kai Clement

Baufällige New Yorker U-Bahn Mit den Ratten im Waggon

Stand: 17.10.2015 14:03 Uhr

Schon seit über 100 Jahren bringt sie die New Yorker von A nach B: Doch ihr Alter macht der Subway immer öfter zu schaffen. Züge bleiben stehen oder entgleisen. Jetzt rächt sich, dass in die U-Bahn lange nicht investiert wurde.

Von Kai Clement, ARD-Hörfunkstudio New York

Am 10. September im G-Train im Stadtteil Brooklyn passierte es, gegen halb elf nachts, erzählt Passagierin Katie Laura: "Es war so ein quietschendes, metallisches Schleifen - dann hielt die Bahn, und lehnte sich etwas zur Seite."

Der Zug entgleiste, weil sich Betonteile von der Decke gelöst hatten und auf den Gleisen lagen. Rund 80 Passagiere mussten durch den Tunnel zur nächsten Station laufen. Ernsthaft verletzt wurde zum Glück niemand.

Paul Navarro war für die Gewerkschaft der Transport-Mitarbeiter vor Ort: "Wasserschäden von Hauptwasserleitungen, die Rammarbeiten von den Baustellen - das fordert seinen Tribut von einer 100 Jahre alten U-Bahn."

U-Bahn in New York | Bildquelle: Kai Clement
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Auf mehr als 1000 Streckenkilometern unterwegs: Die New Yorker U-Bahn.

Seit 100 Jahren im Einsatz

Am 27. Oktober 1904 wurde die New Yorker U-Bahn eröffnet, Jahrzehnte später gefeiert von Jazz-Legende Duke Ellington und in unzähligen Filmen. Heute wird sie von der staatlichen Metropolitan Transportation Authority (MTA) betrieben. Sie bedient mehr als 1000 Streckenkilometer in New York.

Sie ist unverzichtbar - aber mehr schlecht als recht, beschwert sich der Verband der Fahrgäste, namentlich Nick Sufuentes. "Die Menschen ärgern sich über Verspätungen, dass sie stundenlang im Tunnel stecken bleiben, und über gefährlich überfüllte Bahnsteige. Und was wir immer wieder hören: mangelnde Informationen", sagt er.

6383 U-Bahn-Waggons befördern Tag für Tag Millionen Passagiere - an einem durchschnittlichen Werktag sind es inzwischen rund fünfeinhalb Millionen, rund das Dreifache der Hamburger Bevölkerung.

34th Street, Hudson Yards: Neue U-Bahnstation in New York | Bildquelle: AFP
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Sie ist neu - und damit eine Rarität unter New Yorks U-Bahn-Stationen: Die Haltestelle 34th Street, Hudson Yards.

"Über Jahre keine Reparaturen"

Für die Bürgerbewegung "Citizens Budget Commission" trägt die New Yorker U-Bahn schwer an ihrer Vergangenheit: "Die MTA hatte in ihrer Geschichte in den 1970ern und 80ern kaum Mittel. Da haben sie kaum investiert. Sie hatten gar keine andere Wahl. Manche U-Bahn-Station sahen über Jahre keine Reparaturen. Manche Renovierungen, die zuletzt passierten oder jetzt im Kapitalplan stehen sind die ersten nennenswerten seit Bau der Stationen", so ein Sprecher der Bürgerbewegung.

Immerhin: Gewalt und der schlimmste Schmutz sind aus der Subway verschwunden. Alles andere aber braucht noch viel Geduld. Wenn so investiert wird wie bisher - so hat es die Kommission gerade erst berechnet - wird es noch ein halbes Jahrhundert dauern, bevor alle 469 Stationen in einem guten Zustand sind.

Finanzplan erst nach langem Gezerre verabschiedet

Die U-Bahn ist das Rückgrat der dicht besiedelten Metropole New York. Über ihre Finanzierung aber gibt es Streit zwischen Stadt und Staat um Hunderte von Millionen Dollar. Und der Kapitalplan 2015 bis 2019 gilt zwar seit Jahresanfang, wurde aber gerade erst nach langem Gezerre verabschiedet.

Da kann sich MTA-Chef Thomas Prendergast schon mal in Rage reden: "Man kann das System nicht ohne Geld betreiben, nicht ohne ein vernünftiges Reparaturprogramm, nicht ohne Ausbau, wenn man seinen Status als einer der Nummer-Eins-Städte in der Welt erhalten will. So weit ist mein Frust inzwischen." 

Gerade hat MTA den ersten neuen U-Bahnhof seit mehr als 25 Jahren eröffnet, die Hudson Yards Station. Der Unterschied zum Alltagserlebnis ist himmelschreiend - großzügig, sauber, glänzend und klimatisiert ist die Station. Ansonsten: Bröselnde Anstriche, defekte Fliesen und Regenschauer auch schon mal unterirdisch. So sagt auch dieser Fahrgast frustriert: "Ist hier irgendetwas gemacht oder sauber? Nichts dergleichen."

Vernachlässigungen und Verspätungen, Verfall und Versagen - da kann es sogar schon mal vorkommen, dass es die New Yorker Rattenplage bis in einen fahrenden U-Bahn-Zug hinein schafft.

Der kaputte Riese - Serie zur US-Infrastruktur

Brücken brechen zusammen, Wasserleitungen bersten, tiefe Schlaglöcher: In einer Serie berichten die ARD-Studios in Washington, New York und Los Angeles über die marode Infrastruktur in den USA.

Noch fährt sie, aber wie lange noch - die New Yorker Subway
K. Clement, ARD New York
17.10.2015 11:06 Uhr

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