Seitenueberschrift
Haushaltsstreit in den USA
Es bleiben noch ein paar Stunden
Im US-Haushaltsstreit gibt es Anzeichen für einen Kompromiss in letzter Minute. Präsident Obama will sich in Kürze äußern. Wenn sich Republikaner und Demokraten bis zum Abend nicht einigen, treten automatisch Steuererhöhungen in Kraft. Den Verhandlungsführern läuft die Zeit davon.
Von Ralph Sina, WDR-Hörfunkstudio Washington
Bis tief in die Nacht haben die Chefunterhändler der Demokraten und Republikaner miteinander telefoniert. Theoretisch kann die Haushaltsklippe noch umschifft werden: Wenn sich die beiden Senatoren Harry Reid und Mitch McConell unter Mithilfe des US-Vizepräsidenten Joe Biden heute Mittag Ortszeit noch auf einen Kompromiss einigen, der anschließend vom Senat akzeptiert wird und dem dann bis Mitternacht auch das Repräsentantenhaus zustimmt.
Trotz Bidens Mithilfe noch keine Einigung
R. Sina, WDR Washington
31.12.2012 16:04 Uhr
Doch danach sieht es nicht aus: Denn der Demokrat Reid und der Republikaner McConnell haben noch keine Formel gefunden, die Steuererleichterungen für den Mittelstand vorsieht, höhere Abgaben für Spitzenverdiener und die Aussichten hat, von ihren Parteifreunden in beiden Kammern des Kongresses akzeptiert zu werden.
Definitionssache
Noch nicht einmal bei der Definition des Jahresgehalts, von dem an die Steuererhöhungen greifen sollen, sind sich beide Seiten einig: höhere Steuern ab einem Jahreseinkommen von 400.000 Dollar oder erst ab einer halben Million Dollar? Noch immer sind die entscheiden Details unklar. So läuft alles auf das Kliff zu: Die Steuern für Amerikas Durchschnittsverdiener werden massiv steigen und der wichtigste Arbeitgeber des Landes - nämlich die Regierung - wird ihre Ausgaben massiv kürzen müssen.
Für diesen Fall kündigte US-Präsident Barack Obama bereits an, dass er am 4. Januar dem neugewählten Kongress seinen alten Gesetzesvorschlag präsentieren wird, die Steuererleichterungen für den Mittelstand rückwirkend ab dem 1. Januar wieder einzuführen.
Der Absturz über die Klippe würde dann zu genau jenem Kompromiss führen, den Republikaner und Demokraten aus eigener Kraft nicht schaffen: Die Superreichen müssten mehr Steuern bezahlen, der Mittelstand bliebe von höheren Abgaben verschont. Doch die automatische Bremse für die Staatsausgaben bliebe voraussichtlich in Kraft - und damit drohten massive Schäden auch für die Welt und für die deutsche Exportwirtschaft.
Demokraten und Republikaner streiten weiter über Steuerpolitik
tagesschau 16:33 Uhr, 31.12.2012, Alexandra Fleskes, ARD Washington
Stand: 31.12.2012 19:05 Uhr
