Seitenueberschrift

TV-Duelle in den USA seit 1960

Wie das Fernsehen einen Ganoven schuf

Nur selten entscheiden TV-Duelle die Präsidentenwahl in den USA. Doch wer Fehler macht, hat schnell verloren. Das bekam schon Richard Nixon bei der Premiere der Fernsehduelle zu spüren, als er unfreiwillig ein gaunerhaftes Image verstärkte. Doch auch andere Kandidaten leisteten sich fatale Patzer.

Von Anna Engelke, NDR-Hörfunkstudio Washington

In der ersten Fernsehdebatte in der Geschichte der USA ist Richard Nixon schlicht zu hässlich. Geh' nie ungeschminkt vor die Kamera, heißt eine eiserne Regel, die das neue Medium vorschreibt. In dem TV-Duell gegen seinen demokratischen Herausforderer John F. Kennedy hat Nixon aber auf Make-Up verzichtet. Und sieht nicht nur blass aus. Er schwitzt im heißen Scheinwerferlicht. Sein Bartschatten gibt ihm etwas Gaunerhaftes. Das bestätigt in den Augen der Zuschauer sein mieses Image als "Tricky Dick", also als durchtriebener Ganove. Der braungebrannte Kennedy gewinnt die Debatte und die Wahl.

John F. Kennedy und Richard Nixon beim Fernsehduell der Präsidentschaftskandidaten 1960
galerie

John F. Kennedy und Richard Nixon traten 1960 zum ersten TV-Duell an.

Richard Nixon beim TV-Duell mit John F. Kennedy 1960
galerie

Nixon schwitzte, sah blass und hässlich aus - und verlor die Wahl.

Reagan kontert Angriffe meisterlich

Als wahrer Meister der Präsidentschaftsdebatten entpuppt sich 20 Jahre später Ronald Reagan - der ehemalige Schauspieler und Gouverneur von Kalifornien. Mit einem lässigen "Jetzt fangen Sie schon wieder damit an" lächelt der Republikaner Reagan die Attacke von Jimmy Carter weg, dem 1980 amtierenden demokratischen Präsidenten. Reagan gewinnt die Wahl. Nicht wegen der Debatten, aber sie haben seinen Umfragewerten gut getan.

Vier Jahre später: Reagan ist schon 73 - der älteste US-Präsident, der wieder gewählt werden will. Auf eine entsprechende Frage antwortet Reagan, er wolle das Alter nicht zum Wahlkampfhema machen. "Ich werde mir die Jugend und Unerfahrenheit meines Herausforderers nicht politisch zu Nutze machen." Da muss auch der 56-jährige Walter Mondale lachen. Der Demokrat will Ronald Reagan gerne aus dem Weißen Haus verdrängen. Vergeblich.

Jimmy Carter und Ronald Reagan beim TV-Duell 1980
galerie

Ronald Reagan überzeugte beim TV-Duell 1980 gegen Jimmy Carter ...

Ronald Reagan und Walter Mondale
galerie

... ebenso wie vier Jahre später gegen Walter Mondale mit knackigen, lockeren Sprüchen

TV-Duelle seit 1960
A. Engelke, NDR Washington
03.10.2012 14:40 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Al Gore hat es vergeigt

Ein lockerer Witz, eine knackige Bemerkung - das kommt an. Auf die Uhr gucken wie es George Bush Senior 1992 während einer Debatte gemacht hat, dagegen nicht. Besserwisserei und ständiges Unterbrechen wie Al Gore im Jahr 2000 geht den Amerikanern ebenfalls auf den Wecker. Al Gore verliert in den Debatten gegen George W. Bush und auch äußerst knapp die Wahl.

Gore gegen Bush ist neben dem Duell Nixon gegen Kennedy eine der wenigen Präsidentschaftsdebatten in der US-Geschichte, die tatsächlich den Ausgang der Wahl beeinflusst hat. Üblicherweise verändern TV-Duelle kaum etwas - haben Meinungsforscher festgestellt.

Eins steht aber auch fest: Die beiden Konkurrenten des Jahres 2012 werden besser aussehen als im richtigen Leben. Romney nicht wie 65 und Obama nicht wie ein Mann, dem vier Jahre Präsidentschaft zugesetzt haben. 52 Jahre nachdem Richard Nixon für das neue Medium Fernsehen nicht schön genug war.

Dieser Beitrag lief am 2. Oktober 2012 um 06:00 Uhr im Morgenecho auf WDR5.

Stand: 03.10.2012 12:45 Uhr

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

8 Kommentare zur Meldung. Kommentierung der Meldung beendet.

Darstellung: