Ein Mann tippt auf einer Computer-Tastatur | Bildquelle: REUTERS

Politikanalyse in den USA Computer helfen beim Faktencheck

Stand: 16.03.2017 11:59 Uhr

Nicht erst seit der Amtsübernahme von US-Präsident Trump haben Faktenprüfer viel zu tun. Sie untersuchen die Aussagen von Politikern auf ihren Wahrheitsgehalt hin - zunehmend mithilfe von Computersystemen. Doch die stoßen an ihre Grenzen.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Fakten-Prüfer haben Konjunktur in den USA. Nicht erst seit dem hitzigen Wahlkampf gibt es zahlreiche Angebote, die Aussagen von Politikern auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen und erklären, welche Fakten es gibt und welche stimmen. Bei der Veranstaltung "South by Southwest" im texanischen Austin wurde darüber diskutiert, wie Computersysteme dabei helfen könnten, mehr zu überprüfen.

Fakten ohne Belege

Bill Adair ist Gründer von "PolitiFact", eine preisgekrönte Seite in den USA: "Wir machen Fortschritte: Entscheidende Dinge sind schon erledigt, aber wir sind noch weit entfernt vom völlig automatisiertem Fakten-Checken", sagte er. Der britische Dienst "Full Fact" arbeitet an mehreren Software-Lösungen, die das Fakten-Überprüfen erleichtern. Ein Dienst verfolgt, wann und wo eine falsche Behauptung auftaucht. Dafür wertet er Internetseiten aus, aber auch Fernseh-Untertitel.

Mevan Babakar von "Full Fact" erklärte den Dienst am Beispiel der Behauptung, im britischen Verteidigungs-Budget klaffe ein Milliarden Pfund großes Loch. Darüber wurde wochenlang debattiert, es gab aber keine Belege. "Wir gaben das in unser System ein und fanden heraus, dass über die Hälfte der Vorfälle von einem Mann stammten", sagte Babakar. "Mein Job war plötzlich nicht mehr, jeden Vorfall zu finden, sondern mit dem Mann zu sprechen und zu sagen: Stopp!"

Computer nicht intelligent genug

An der Universität von Texas wurde der Dienst "Claimbuster" entwickelt. Er analysiert Reden und findet Tatsachen-Behauptungen, erklärte Chengkai Li: "Wir habe ein System, das jeden Satz danach bewertet, ob er es wert ist, dass seine Fakten überprüft werden." Dadurch könnten Fakten-Prüfer dann entscheiden, wo sie mit der Arbeit anfangen.

Alle diese Dienste erleichtern die Arbeit, aber sie erledigen sie nicht. Adair zufolge sind die Computer-Systeme dafür noch nicht intelligent genug: "Sie können eine Vielzahl von Dokumenten durchsuchen und Dinge oder Zusammenhänge finden, für die Menschen nicht die Geduld haben. Die meiste Analyse ist aber noch zu komplex und nuanciert für Computer." Darum gibt es zwar schon Systeme, die in Echtzeit Trumps Rede vor dem Kongress mit Analysen von Fakten-Prüfern verknüpfen - diese Analysen müssen aber vorher von Menschen geschrieben worden sein.

"Sie lieben uns, wenn es ihnen passt"

Präsident Trump hält die Fakten-Prüfer in den USA ziemlich auf Trab: "Donald Trump mag Fakten-Prüfer, wenn es ihm nützt", sagte Adair. "Im Wahlkampf war er auf unserer Seite, als wir auf Clintons Fehler hinwiesen. Den Rest der Zeit beschimpfte er uns. Er ähnelt anderen Politikern: Sie lieben uns, wenn es ihnen passt."

Gleichzeitig bedauerte er, dass es viele Leute gebe, die sich weigerten, die Ergebnisse der objektiven Fakten-Prüfer anzuerkennen. Darum wollten sie versuchen, mit neuen Diensten ihre Ergebnisse weiter zu streuen. Auch dabei sollen automatisierte Systeme helfen.

In Zeiten von "Fake-News": Faktenchecker setzen auf Automatismus
J. Bösche, MDR Washington
21.03.2017 11:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. März 2017 um 08:08 Uhr.

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