Der sudanesischstämmige NBA-Spieler Luol Deng | Bildquelle: AP

Wen trifft das Einreiseverbot? Sportler, Stars und Stewardessen

Stand: 29.01.2017 11:21 Uhr

Das US-Einreiseverbot betrifft vor allem viele Notleidende. Und wen noch? Das fragen sich viele Touristen, Sportler, Politiker oder Filmstars. Fünf Beispiele, die die große weltweite Verunsicherung zeigen.

Doppelstaatler:

Omid Nouripour | Bildquelle: dpa
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Der Grünen-Abgeordnete Nouripour findet die USA grundsätzlich "großartig" - einreisen darf er aber trotzdem nicht mehr.

Der Einreisestopp trifft weltweit zahllosen Menschen, die freiwillig oder unfreiwillig eine doppelte Staatsbürgerschaft haben. Ein prominenter Fall aus Deutschland ist der außenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Omid Nouripour - der auch stellvertretender Vorsitzender der deutsch-amerikanischen Parlamentariergruppe und Mitglied weiterer transatlantischer Vereinigungen ist.

Nouripour ist Deutscher und hat auch den iranischen Pass - weil sein Geburtsland niemanden aus der Staatsangehörigkeit entlässt. Der Erlass betreffe 70.000 weitere Deutsch-Iraner, sagt er im Gespräch mit hessenschau.de. "Ich bin überzeugter Atlantiker, die USA sind ein großartiges Land" betont Nouripour. Aber zwei für die kommenden Monate geplante US-Reisen werde er wohl absagen müssen.

Ebenfalls vom Einreisestopp betroffen ist Golineh Atai, die TV-Korrespondentin der ARD in Moskau. Sie wurde 1974 ebenfalls in Teheran geboren und kam 1980 nach Deutschland.

Golineh Atai @GolinehAtai
My parents had to leave Iran in 1980, hoping to find in the West: Freedom. Women's rights. Safety from tyranny. Day 2 of my US entry ban.

Auch ein britischer Abgeordneter der regierenden Konservativen kritisierte, dass das Einreiseverbot für ihn gelte. Er und seine Frau dürften trotz britischer Pässe nicht in die USA reisen, "da wir beide im Irak geboren wurden", schrieb Nahim Zahawi bei Twitter: "Ein sehr, sehr trauriger Tag, an dem man sich als Bürger zweiter Klasse fühlt! Ein trauriger Tag für die USA."

Nadhim Zahawi @nadhimzahawi
I'm a British citizen & so proud to have been welcomed to this country. Sad to hear ill be banned from the USA based on my country of birth
Nadhim Zahawi @nadhimzahawi
@timothy_stanley What if you are British of Iraqi origin, as I am? A sad sad day to feel like a second class citizen! Sad day for the USA.

Unternehmen:

Google beorderte zahlreiche Mitarbeiter in die USA. "Es ist schmerzlich zu sehen, wie sich diese Anordnung persönlich auf unsere Kollegen auswirkt", sagte Google-Chef Sundar Pichai. Die Aufforderung, in die USA zurückzukehren, betrifft demnach mehr als 100 Google-Angestellte, die sich derzeit beruflich oder privat im Ausland aufhalten und aus muslimischen Ländern stammen. Es ist unklar, ob und wenn ja wie viele von ihnen einreisen können.

Ähnlich äußerte sich andere Tech-Konzerne: Apple-Chef Tim Cook schrieb seinen Mitarbeitern, die Anordnung entspreche "nicht der Politik, die wir unterstützen". Man habe sich schon an das Präsidialamt gewandt und die negativen Auswirkungen dargestellt. Microsoft-Chefjustiziar Brad Smith erklärte, man glaube an ein starkes Einwanderungssystem, über das qualifizierte Arbeitskräfte ins Land gelangten. Netflix-Chef Reed Hastings sprach von "einer traurige Woche". Es sei an der Zeit, sich zusammenzutun und die amerikanischen Werte zu schützen.

Film:

Die Oscar-Academy kritisierte, dass ein iranischer Star-Regisseur wohl nicht mehr an der Auszeichnungsgala teilnehmen kann. "Als Unterstützer von Filmemachern und Menschenrechten weltweit finden wir es extrem beunruhigend, dass Asghar Farhadi (...) mit seinen Schauspielern und seiner Crew (...) die Einreise wegen ihrer Religion oder ihres Herkunftslandes verboten werden könnte", teilte die Academy mit. Farhadis "The Salesman" ist für einen Oscar in der Kategorie bester fremdsprachiger Film nominiert.

Der iranische "The Salesman"-Star Taraneh Alidoosti hatte schon ankündigt, die Gala aus Protest gegen Trumps "rassistische" Politik zu boykottieren.

Internationaler Flugverkehr:

Der erste A350 XWB für Qatar Airways | Bildquelle: dpa
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Viele Flugesellschaften müssen jetzt ihre Crews umbauen, mit denen sie in die USA fliegen wollen.

Der Luftfahrtverband IATA hat sich besorgt über die Auswirkungen des Einreisestopps gezeigt. Die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde habe darüber informiert, dass Besatzungen aus Staaten wie dem Iran und dem Irak künftig nicht mehr in die USA gelassen würden, ging aus einer IATA-E-Mail an ihre Mitglieder hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Die IATA sei sehr kurzfristig informiert worden.

Fluggesellschaften müssen nun ihre Crews zum Teil umstellen und können nicht mehr alle Passagiere befördern. Auf den Internet-Seiten der Fluglinien Emirates, Etihad Airways und Qatar Airways hieß es etwa, Reisende benötigten eine Green Card oder ein Diplomaten-Visum, um in die USA einzureisen. Der Erlass könnte auch Einbußen für die Fluggesellschaften zur Folge haben: Allein im Jahr 2015 sind nach Angaben der US-Heimatschutzbehörde 35.000 Besucher aus dem Iran in die USA geflogen.

Sport:

Der sudanesischstämmige NBA-Spieler Luol Deng | Bildquelle: AP
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Der LA-Lakers-Spieler Luol Deng ist US-Amerikaner und Sudanese. Die NBA wüsste gern, was das für seine Reisen bedeutet.

Auch die nordamerikanische Basketball-Liga NBA will Klarheit über die Situation für ihre möglicherweise betroffenen Spieler. "Wir haben beim Außenministerium angefragt und sammeln Informationen, wie dieses Dekret auf unsere Spieler aus den betroffenen Ländern angewendet wird", sagte NBA-Sprecher Mike Bass. Die NBA sei "eine globale Liga" und "stolz darauf, die besten Spieler aus der ganzen Welt anzuziehen".

Thon Maker von den Milwaukee Bucks und Luol Deng von den Los Angeles Lakers stammen aus dem Sudan und besitzen eine doppelte Staatsbürgerschaft. Maker hatte nach Angaben seines Coaches Jason Kidd keine Probleme bei der Rück-Einreise aus Kanada vom Auswärtsspiel bei den Toronto Raptors.

Trumps Einwanderungs-Stopp: Richterin hebt Verbot teilweise auf
Jan Bösche, ARD Washington
29.01.2017 08:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. Januar 2017 um 11:00 Uhr.

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