US-Deutschlandbild: Wirtschaftslokomotive und Polit-Zwerg

Deutsche und US-Flagge auf einem Auto (Bildquelle: dpa)

Das Deutschlandbild der Amerikaner

Wirtschaftsriese und Politzwerg

Gutes Essen, schöne Landschaften und schnelle Autos: Das Deutschlandbild der US-Amerikaner ist überwiegend positiv. Nur mehr politische Verantwortung sollte die Wirtschaftslokomotive Europas ihrer Ansicht nach übernehmen.

Von Martin Ganslmeier, NDR-Hörfunkstudio Washington

Für Präsident Obama ist die Berlin-Visite der angenehme Teil seines Europa-Besuchs: Deutschland gilt in den USA als Erfolgsgeschichte und als ebenso stabiler wie zuverlässiger Bündnispartner. Obama sieht Deutschland in mancher Hinsicht sogar als Vorbild.

Seine Landsleute bewundern vor allem die Wirtschaftskraft Deutschlands, meinen aber auch, dass Deutschland politisch noch mehr Verantwortung übernehmen sollte. Wenn man Amerikaner nach ihrer Meinung über Deutschland fragt, bekommt man Antworten wie die von Dave Mullins, einem Piloten aus Atlanta, der voller Überzeugung sagt: "Ich liebe Deutschland! Gute Leute, gutes Essen, gute Landschaften!"

Die 21-jährige Studentin Mary aus Washington lobt "Innovation und Einfallsreichtum" der Deutschen - und eine kulinarische Spezialität: das Schnitzel. Bob, der als junger Mann seine Militärzeit in Deutschland verbracht hat, schwärmt von deutschen Autos und der Autobahn: "Die Geschwindigkeit und die Präzision: Und bloß nicht in der linken Spur hängen bleiben!"

Das Deutschlandbild in den USA
M. Ganslmeier, NDR Washington
18.06.2013 20:52 Uhr

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Nur Großbritannien und Kanada schneiden besser ab

Kaum ein Land hat solch ein gutes Image in den USA wie Deutschland. Nur Großbritannien und Kanada schneiden noch ein bisschen besser ab. Die Deutsche Botschaft in Washington ermittelt das alle zwei Jahre in einer repräsentativen Studie. Danach ist die Zahl der US-Bürger, die einen ausgezeichneten oder guten Gesamteindruck von Deutschland haben, in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen: von 42 auf 55 Prozent.

Montage im Mercedes-Werk in Sindelfingen. (Bildquelle: AP)
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Montage im Mercedes-Werk in Sindelfingen: Die Amerikaner schätzen deutsche Wertarbeit und deutsche Autos.

Und zwei von drei Amerikanern bewundern die Wirtschaftsleistung der Deutschen. So wie Rentner Bill O'Brian: "Die Deutschen wissen, wie man Dinge herstellt. Und trotz ihrer hohen Löhne sind sie mit ihren Produkten sehr erfolgreich."

Auch Obama hat in mehreren seiner Reden Deutschland als Vorbild genannt: beim Gesundheitssystem, bei neuen Umwelttechnologien oder bei hochwertigen Industriejobs. So denken viele Amerikaner, sagt Charles Kupchan, Politik-Professor an der Georgetown-University: "Der Mittelstand, die duale Berufsausbildung - Deutschland hat eine sehr wettbewerbsfähige Industrie. Amerika muss davon lernen."

"Fels in der Brandung" der Eurokrise

Wirtschaftliche Stärke und Zuverlässigkeit - für die US-Regierung ist Deutschland nach der Eurokrise eine Art "Fels in der Brandung" geworden, meint Kupchan. Auch mangels Alternativen: "Italiens Regierung ist schwach, die französische Regierung ist schwach. Die britische Regierung ist chaotisch und will sich aus Europa zurückziehen." Auch deshalb sehnt sich Amerika nach mehr politischer Führung aus Deutschland.

Das wirtschaftliche "Powerhouse" Europas fährt politisch noch zu sehr mit angezogener Handbremse auf. Politisch "sehen sich die Deutschen immer noch als eine größere Schweiz", kritisiert Zanny Minton Beddoes vom renommierten Wirtschaftsmagazin "Economist".

Projekt einer transatlantischen Freihandelszone

Unter US-Bürgern ist dies einer der ganz wenigen Kritikpunkte an Deutschland: "Wirtschaftlich ist Deutschland ein dicker Brummer", sagt der 63-jährige Mike. Aber "ein bisschen mehr könnte Deutschland für Verteidigung ausgeben", meint Mike, "um so Amerikas Lasten mitzutragen".

Obama wird es bei Bundeskanzlerin Merkel diplomatischer formulieren. Denn noch wichtiger ist ihm ein Projekt, bei dem er mit Merkel am gleichen Strang zieht: eine transatlantische Freihandelszone. Von einem gemeinsamen Wirtschaftsraum zwischen Nordamerika und der EU versprechen sich Obama und Merkel Zehntausende neuer Jobs - auf beiden Seiten des Atlantiks.

Dieser Beitrag lief am 18. Juni 2013 um 05:12 Uhr im Deutschlandfunk.

Stand: 18.06.2013 21:37 Uhr

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