US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: AFP

Trotz Belästigungsvorwürfen Trump unterstützt Kandidat Moore

Stand: 22.11.2017 05:56 Uhr

Fast täglich werden in den USA neue Vorwürfe sexueller Belästigung gegen prominente Männer in Film, Medien oder Politik bekannt. Mitten in dieser Debatte erklärte Präsident Trump seine Unterstützung für Senatskandidat Moore, der Mädchen sexuell belästigt haben soll.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Lange hatte US-Präsident Donald Trump zu den Vorwürfen gegen Roy Moore geschwiegen. Der ultrakonservative Ex-Richter und bekennende Trump-Anhänger sah bis vor kurzem wie der sichere Sieger der Senatswahl am 12. Dezember in Alabama aus.

Doch dann gingen mehrere Frauen an die Öffentlichkeit und beschuldigten Moore der sexuellen Belästigung. Sie seien damals noch minderjährige Teenager gewesen, Moore dagegen schon älter als 30. Auch wenn die Vorfälle lange zurückliegen, die Schilderungen der Frauen waren so detailliert und glaubwürdig, dass führende Republikaner im Kongress Moore aufforderten, seine Kandidatur für den Senatssitz in Washington zurückzuziehen.

Nicht so US-Präsident Donald Trump. Kurz vor seinem Abflug in den Thanksgiving-Urlaub nach Florida unterstützte er den umstrittenen Moore: "Roy Moore hat die Vorwürfe doch bestritten. Er hat sie vollkommen zurückgewiesen. All das ist 40 Jahre her, eine lange Zeit, in der dies nie hochkam."

Empörte Reaktionen, Kritik von Trumps Tochter

Auf die Frage, ob er auch für Moore Wahlkampf in Alabama machen wolle, sagte Trump, das werde er nächste Woche bekanntgeben. Trump ging damit bewusst auf Distanz zu führenden Republikanern wie Paul Ryan und Senator Mitch McConnell.

Während diese bereits über einen republikanischen Gegenkandidaten zu Moore nachdenken, warnte Trump vor einem drohenden Wahlsieg des demokratischen Kandidaten: "Wir brauchen da keinen linksliberalen Demokraten, der schwach im Kampf gegen Kriminalität und für sichere Grenzen ist und schlecht fürs Militär und schlecht für unser Recht auf Waffenbesitz."

Roy Moore | Bildquelle: AP
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Moore wird vorgeworfen, er habe Mädchen sexuell belästigt.

Trumps Aussage stieß auf empörte Reaktionen in liberalen Medien und bei vielen Frauen. Tenor: offensichtlich sei es dem Präsidenten lieber, wenn ein der Pädophilie angeklagter Erzkonservativer in den Senat einziehe als ein Demokrat.

Mit seiner Unterstützung für Roy Moore setzt sich Trump auch über die Bedenken seiner Tochter Ivanka hinweg. Sie hatte die Vorwürfen gegen Moore mit den Worten kommentiert: für Leute, die sich an Kindern vergreifen gebe es "einen speziellen Platz in der Hölle".

"Viele Dinge kommen ans Licht"

Trump dagegen bereiten die Umfragewerte in Alabama größere Sorgen. Derzeit liegt der demokratische Kandidat Doug Jones vor Roy Moore. Die ohnehin knappe Mehrheit der Republikaner im Senat könnte also bald auf eine Stimme schrumpfen und so die Verabschiedung von Trumps großer Steuerreform gefährden.

Trump fühlt darüber hinaus eine gewisse Seelenverwandtschaft mit Roy Moore. Schließlich hatten auch ihn im Präsidentschaftswahlkampf mehr als ein Dutzend Frauen der sexuellen Belästigung beschuldigt. Dass es derzeit fast täglich neue Enthüllungen über sexuelle Belästigung in den USA und eine breite Debatte in den Medien darüber gibt, finde er dennoch richtig, betonte Trump: "Frauen sind etwas ganz Besonderes. Und dies ist eine ganz besondere Zeit. Viele Dinge kommen ans Licht. Und das ist gut für unsere Gesellschaft. Und sehr sehr gut für Frauen."

Trump unterstützt US-Senatskandidat Roy Moore
Martin Ganslmeier, ARD Washington
22.11.2017 13:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. November 2017 um 07:38 Uhr.

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