Minuteman-Rakete auf der Minot Luftwaffenbasis (USA) | Bildquelle: picture alliance/AP Photo

Neue US-Strategie Kleinere Sprengköpfe - mehr Abschreckung?

Stand: 03.02.2018 08:27 Uhr

Die US-Regierung möchte "kleinere Atomwaffen" haben. Das soll der Abschreckung dienen - vor allem gegenüber Russland. Kritiker halten die Pläne für gefährlich. Droht ein neues Wettrüsten?

Die US-Regierung von Präsident Donald Trump will die Entwicklung neuer Atomwaffen mit einer geringeren Sprengkraft vorantreiben. Die Veränderungen sollten vor allem der Abschreckung gegenüber Russland dienen, heißt es in einem Bericht zur neuen Nuklearstrategie, den das Pentagon am Freitag veröffentlichte.

Die Strategie solle sicherstellen, "dass Russland versteht, dass jeder Einsatz von Atomwaffen - egal wie begrenzt - inakzeptabel ist", schreibt das Verteidigungsministerium. Der Bericht geht aber auch auf die "unberechenbare" Bedrohung durch Nordkorea ein.

Die Regierung will nach eigenen Angaben eine "kleine Zahl" existierender Atomsprengköpfe von U-Boot-gestützten Langstreckenraketen umrüsten, um über eine Variante mit geringerer Sprengkraft zu verfügen. Auf lange Sicht soll zudem ein atombestückter Marschflugkörper entwickelt werden, der ebenfalls U-Boot-gestützt ist.

US-U-Boot USS Tennessee | Bildquelle: REUTERS
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U-Boote wie die USS Tennessee sind mit Langstreckenraketen ausgerüstet - ein Teil der Sprengköpfe soll verkleinert werden.

Was heute als klein gilt

Das Pentagon lässt in dem Papier offen, wie groß die Sprengkraft der neuen Typen sein soll. Auch "kleine Atomwaffen" ("mini nukes") verfügen über ein gewaltiges Zerstörungspotential. Darunter fallen solche mit einer Sprengkraft von bis zu 20 Kilotonnen. Zum Vergleich: Auch die Atombomben, die die USA über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten, lagen beide unter 20 Kilotonnen.

Das Pentagon argumentiert, dass die Schwelle für den Einsatz von Atomwaffen durch die Veränderungen nicht sinke, sondern im Gegenteil erhöht werde. Man brauche die Waffen mit geringer Sprengkraft, um über eine "glaubwürdige Abschreckung" zu verfügen.

Kritiker der Strategie warnen dagegen vor fatalen Folgen. Sie fürchten, dass dies ein neues Wettrüsten auslösen könnte. "Es ist ein massiver Versuch, Atomwaffen aus den Bunkern zu holen und aufs Schlachtfeld zu verlegen", schrieb die Direktorin der Kampagne für atomare Abrüstung (ICAN), Beatrice Fihn, auf Twitter. Die USA verfolgten nun nicht mehr eine Strategie, bei der der Einsatz von Atomwaffen möglich sei, sondern eine, bei der er wahrscheinlich sei.

Russische Raketen vom Typ S-400 während einer Militärparade in Moskau | Bildquelle: AFP
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Russlands Atomstrategie wird von der Trump-Administration zunehmend kritisch gesehen.

Vorwürfe gegen Russland, China und Nordkorea

Zentralen Raum nimmt in dem Pentagon-Papier die Frage ein, wie die US-Regierung auf die militärischen Strategien von Russland und China reagieren sollte. Während die USA die Anzahl und den Stellenwert ihrer Atomwaffen verringert hätten, hätten andere, "darunter Russland und China, sich in die entgegengesetzte Richtung bewegt", heißt es in dem Bericht. Sie hätten ihren Arsenalen "neue Typen von nuklearen Fähigkeiten hinzugefügt" und legten "ein zunehmend aggressives Verhalten an den Tag, darunter im Weltraum und im Cyberspace".

Auch auf das nordkoreanische Atomprogramm geht der Bericht ein. Nordkorea stelle eine "dringliche und unberechenbare" Bedrohung für die Vereinigten Staaten und seine Verbündeten dar.

Nordkoreas Machthaber Kim sieht einer Militärübung mit einer Rakete zu. | Bildquelle: AFP
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Auch in Nordkoreas Atomwaffen sehen die USA eine massive Bedrohung.

Einsatz nur unter "extremen Umständen"

Mehrere Regierungsvertreter unterstrichen bei einer Pressekonferenz, dass die USA Atomwaffen nur unter "extremen Umständen" einsetzen würden. Man sei aber zu dem Schluss gekommen, dass man flexiblere Typen von Atomwaffen brauche, um die Strategie der Abschreckung zu untermauern.

Die Veränderungen würden nicht gegen bestehende Verträge zur Waffenkontrolle verstoßen, sagte der stellvertretende Verteidigungsminister Patrick Shanahan. In dem Bericht erklärt die US-Regierung, dass sie hinter diesen Verträgen stehe. Zugleich äußert sie sich wenig optimistisch, was den Abschluss neuer Abkommen angeht.

Alte Verträge verpflichten zur Reduzierung

Am Donnerstag hatte das US-Außenministerium erklärt, die USA und Russland erfüllten beide ihre Verpflichtungen zur atomaren Abrüstung im Zuge des Vertrages New START. Dieser war am 5. Februar 2011 in Kraft getreten. Darin verpflichten sich die beiden größten Atommächte der Welt, ihre Kapazitäten binnen sieben Jahren deutlich zu verringern. Der Stichtag ist am kommenden Montag.

Trump hatte das Pentagon nach seinem Amtsantritt vor einem Jahr angewiesen, die nukleare Strategie der USA zu überprüfen. Seit 1994 ist es in den USA üblich, dass Präsidenten einen solchen "Nuclear Posture Review" vorlegen. Der nun vom Pentagon vorgelegte Bericht ist aber nur eine Zusammenfassung; das eigentliche Dokument wird als geheim eingestuft.

Trumps Atomstrategie - Neue "Mini Nukes" zur Abschreckung
Marc Hoffmann, ARD Washington
03.02.2018 08:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. Februar 2018 um 09:00 Uhr.

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