Eine Frau wird in einem Seniorenpflegeheim in ihrem Bett in ihrem Zimmer von einer Pflegerin betreut.  | Bildquelle: dpa

Neue Alzheimer-Studie Junges Blut in alten Gehirnen

Stand: 01.11.2017 21:00 Uhr

Das Blutplasma junger Männer soll gegen das schnelle Altern von Gehirnzellen bei Alzheimer-Patienten helfen. Eine erste Studie aus den USA zeigt nur sehr mäßige Erfolge. Trotzdem sind Wissenschaft und Pharmaindustrie elektrisiert.

Von Tilman Wolff, WDR

In Boston, USA, wird in dieser Woche eine einzigartige Studie vorgestellt. 18 Demenz-Patienten bekamen über einige Wochen Blutplasma verabreicht. Forscher hatten es zuvor aus dem Blut von 18- bis 30-jährigen Männern gewonnen. Trotz der geringen Teilnehmerzahl wurde die Blut-Plasma-Studie mit großem Interesse verfolgt, denn nach einem Medikament gegen Demenzen - wie die tödlich verlaufende Alzheimer-Erkrankung - wird seit Jahrzehnten geforscht.

Pharmaindustrie hochgradig interessiert

Die Aussicht, Blutplasma - also körpereigene Stoffe - zur Stärkung und zum Erhalt der betroffenen Gehirnzellen einsetzen zu können, elektrisiert nicht nur die Wissenschaft. Auch die Pharmaindustrie ist hochgradig interessiert.

Vor drei Jahren haben zwei der an der Studie beteiligten Forscher, Karoly Nikolich und Tony Wyss-Coray, deshalb auch eine eigene Firma im kalifornischen San Carlos gegründet, die sie "Alkahest" nannten - was so viel wie "Lebenselixier" oder "Jungbrunnen" bedeuten soll.

Verträglichkeit des Blutes

Konkret ging es bei der jetzt vorgestellten Studie zunächst nur um die Verträglichkeit des eingesetzten Blutplasmas bei den 18 Patienten, die alle unter einer leichten Alzheimer-Erkrankung litten. Das eingesetzte Blutplasma enthielt etwa 400 bis 500 verschiedene Proteine, die Nervenzellen stärken und möglicherweise sogar verjüngen können. Das sagen jedenfalls die beteiligten Wissenschaftler im Team der Alzheimer-Forscher Wyss-Coray und Nikolich. Zwei der Patienten mussten den Test abbrechen.

Neben der Verträglichkeit des Blutplasmas testeten die Forscher in bis zu 15 standardisierten Tests den Zustand ihrer Patienten vor, während und nach der Plasmatransfusion. Bei gerade einmal zwei der 15 Alzheimertests ergab sich eine messbare Verbesserung des Zustands der Patienten, so die Forscher.

Und sie warnen selbst davor, den Erfolg der Behandlung zu überschätzen. Dazu sei die Studie viel zu klein und die erhobenen Daten zum Verlauf der Krankheitsentwicklung bei den Alzheimer-Patienten beruhten teilweise auf subjektiven Einschätzungen des medizinischen Personals.

Jungbrunnen für Mäuse

Doch bereits in einer Vorgänger-Studie konnten die Forscher um Wyss-Coray zeigen, dass Proteine aus sehr jungem Blutplasma im Tierversuch die kognitiven Fähigkeiten sogenannter Alzheimer-Mäuse verbessern konnten. Noch wissen die Forscher nicht, welche Proteine den verjüngenden Effekt bei Gehirnzellen haben.

Zwar haben sie schon ein bestimmtes Protein in Verdacht - und auch schon als Patent angemeldet - aber sie gehen jetzt davon aus, dass es auf das Zusammenspiel verschiedener Proteine ankommt.

Negative Wirkungen verhindern

Im Blut gibt es zudem auch Proteine, die sich eher negativ auf das Zellwachstum auswirken können, indem sie beispielsweise Entzündungen auslösen. In zukünftigen Arbeiten werde es darum gehen, diese negativen Wirkungen zu verhindern und gleichzeitig die Wirkung der Proteine zu stärken, die der Fitness der Gehirnzellen nutzen, so Nikolich. Inwiefern diese Ergebnisse dann auf den Menschen übertragbar sind, muss in klinischen Studien noch erforscht werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. November 2017 um 16:36 Uhr.

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