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USA wollen afghanische Armee nur noch "unterstützen"
Ein wenig mehr Klarheit für die US-Truppen
Im Frühjahr - also einige Monate eher als geplant - sollen die afghanischen Truppen die Verantwortung für die Sicherheit in ihrem Land übernehmen. Das teilte US-Präsident Obama nach dem Treffen mit seinem afghanischen Kollegen Karsai mit. Was heißt das für die US-Truppen? Das ist noch nicht so ganz klar.
Von Rüdiger Paulert, WDR-Hörfunkkorrespondent Washington
Das Treffen zwischen Präsident Barack Obama und seinem Amtskollegen Hamid Karsai aus Afghanistan war ergiebiger als so manches zuvor. Nachdem die beiden drei Stunden lang im Weißen Haus beraten hatten, präsentierten sie die Ergebnisse im "East Room" des Weißen Hauses - das macht Obama längst nicht mit jedem politischen Gast.
"Unsere Truppen werden dann einen anderen Auftrag haben"
Zuerst ergriff dabei der Hausherr das Wort und erklärte, dass die afghanischen Truppen die Verantwortung für die Sicherheit in ihrem ganzen Land bereits im Frühling übernähmen - und damit ein gutes Vierteljahr früher als bisher angestrebt. Dies habe weitreichende Konsequenzen für die im Moment noch dort stationierten 66.000 US-Soldaten, fügte Obama hinzu: "Unsere Truppen werden dann einen anderen Auftrag haben, nämlich die Ausbildung, Beratung und Unterstützung der afghanischen Kräfte."
Dies bedeute aber nicht, dass US-Soldaten dort zukünftig keine Kampfeinsätze mehr hätten, warnte Obama vor zu großem Optimismus. Aber es seien dann Einsätze, die von afghanischen Sicherheitskräften geführt würden.
US-Truppen sollen künftig nur noch Unterstützerrolle übernehmen
tagesthemen 21:45 Uhr, 11.01.2013, Tina Hassel, ARD Washington
Weitere Forderung Karsais erfüllt
Angesichts der Stimmung in den USA ist Obama sehr daran gelegen, seine Soldaten aus Afghanistan so früh wie möglich zurückzuholen. Ob dies durch die vorgezogene Übergabe der Verantwortung möglich wird, wollte er noch nicht sagen. Erst einmal wolle er die Empfehlung seiner Militärs abwarten, erklärte er und bot dann seinem Gast die Bühne, um ebenfalls einen Erfolg in einer anderen umstrittenen Frage zu verkünden.
"Wir haben uns auf die vollständige Rückgabe der Gefängnisse und der Insassen in afghanische Gewalt verständigt", sagte Hamid Karsai. Dies werde schon bald nach seiner Rückkehr nach Afghanistan umgesetzt. Neben dem Abzug ausländischer Truppen aus den Dörfern Afghanistans wird damit eine weitere Forderung Karsais erfüllt.
Zudem werden die Taliban ein offizielles Büro in Doha, der Hauptstadt Katars bekommen - und damit als Verhandlungspartner im Aussöhnungsprozess in Afghanistan gestärkt.
Noch keine Einigung gab es dagegen über eine etwaige Stationierung von US-Truppen im Land am Hindukusch nach 2014. Ihre Aufgabe wäre nach Obamas Worten allein auf die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte und auf gezielte Angriffe gegen Mitglieder der Terrororganisation Al Kaida beschränkt.
Obama weicht Nachfrage nach Truppenstärke aus
Zur Truppenstärke erwarte er eine Empfehlung des Pentagons, wich Obama einer Nachfrage eines Journalisten aus und betonte, dass eine solche Stationierung überhaupt nur denkbar sei, wenn den am Hindukusch verbleibenden US-Soldaten Immunität gewährt werde. Erstmals äußerte Präsident Karsai dafür Verständnis. "Wenn alle anderen Probleme gelöst sind, kann ich meinem Volk gegenübertreten und mich für die Immunität amerikanischer Soldaten in Afghanistan einsetzen", sagte der afghanische Präsident.
Es wäre übertrieben, aus den Absprachen von Washington gleich auf die Lösung aller Meinungsverschiedenheiten zwischen Obama und Karsai zu schließen. Näher gekommen sind sie sich in ihren Standpunkten bei ihrem Treffen im Weißen Haus aber allemal.
Zukunft Afghanistans: Karsai und Obama gehen aufeinander zu
R. Paulert, WDR Washington
12.01.2013 03:40 Uhr
Stand: 12.01.2013 03:37 Uhr
