Szenarien für Zukunft Afghanistans Kompletter US-Abzug nach 2014?

Stand: 09.01.2013 04:32 Uhr

Wenige Tage vor einem Treffen mit Afghanistans Staatschef Hamid Karsai hat US-Präsident Barack Obama den vollständigen Abzug der US-Truppen vom Hindukusch nach 2014 nicht ausgeschlossen.

Archivaufnahme aus Afghanistan (Bildquelle: dapd)
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Die USA haben noch 66.000 Soldaten in Afghanistan. Wie es nach dem offiziellen Ende der Kampfmission weitergeht, ist unklar.

Obamas stellvertretender Sicherheitsberater Ben Rhodes sagte, der Präsident erwäge auch, dass kein US-Soldat nach dem offiziellen Ende der Kampfmission in Afghanistan stationiert bliebe: "Wir wollen keine Optionen ausschließen", sagte er. Es ist das erste Mal, dass die US-Regierung darüber öffentlich nachdenkt.

Rhodes betonte aber, bis zu einer Entscheidung über die US-Truppenstärke nach dem geplanten Ende des Kampfeinsatzes vergingen aber noch Monate. Sie hänge vor allem von den beiden wichtigsten US-Zielen in dem Land am Hindukusch ab: Al Kaida dürfen dort keinen sicheren Unterschlupf mehr finden und die Afghanen müssten selbst für ihre Sicherheit sorgen können.

Die USA und ihre NATO-Verbündeten haben mit der afghanischen Regierung vereinbart, dass alle ausländischen Kampftruppen bis Ende 2014 das Land verlassen. Nach der vollständigen Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die einheimischen Kräfte sollen einem zwischen den Regierungen in Washington und Kabul geschlossenen Partnerschaftsabkommen zufolge US-Soldaten aber weiterhin afghanische Truppen ausbilden und in den Kampf gegen Extremisten eingreifen. Über die weitere US-Präsenz am Hindukusch wird derzeit verhandelt.

Karsai wird Ende der Woche in Washington erwartet

Obama und der afghanische Präsident Karsai wollen am Freitag in Washington über den Übergangsprozess und die künftige Stärke der US-Truppen beraten. Thema dürften auch die Aussöhnungsbemühungen in Afghanistan und die Einbeziehung der radikal-islamischen Taliban-Rebellen sein.

In den vergangenen Tagen hatten US-Medien über eine Reihe von Szenarien berichtet, darunter auch der vollständige Rückzug aus Afghanistan. Dem "Wall Street Journal" zufolge erarbeitete das Pentagon auf Wunsch des Weißen Hauses Vorschläge für eine deutlich stärkere Truppenreduzierung als ursprünglich angedacht. Die USA könnten demnach 3000, 6000 oder 9000 Soldaten im Land belassen. Der US-Oberkommandierende in Afghanistan, General John Allen, habe dagegen eine Truppenstärke von 6000 bis 15.000 Soldaten empfohlen, hieß es.

Derzeit sind noch rund 66.000 US-Soldaten in Afghanistan stationiert. Hinzu kommen etwa 34.000 Soldaten aus anderen NATO-Ländern.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 9. Januar 2013 um 16:00 Uhr.

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