Rex Tillerson | Bildquelle: REUTERS

Wechsel im US-Außenamt Tillerson muss gehen, Pompeo kommt

Stand: 13.03.2018 17:51 Uhr

Der Entlassung von US-Außenminister Tillerson durch Präsident Trump geht ein tiefes Zerwürfnis voraus. Nicht nur im Iran-Atomdeal vertraten sie unterschiedliche Positionen.

Von Marc Hoffmann, ARD-Studio Washington

Sichtlich angeschlagen trat Rex Tillerson vor die Presse, einige Stunden nach Trumps Entlassungs-Tweet.

OT Tillerson 1 received call

Der US-Präsident habe ihn aus dem Flugzeug angerufen, so Tillerson. Das war zu einem Zeitpunkt, da hatte Trump bereits mit Washintons Journalisten über seine überraschende Personalrochade gesprochen und mitgeteilt, dass Außenamtschef Tillerson und er unterschiedliche politische Auffassungen hätten.

OT 2

Er werde bis zum Ende des Tages die Amtsgeschäfte an seinen Stellvertreter John Sullivan übergeben. Tillerson bedankte sich bei seinen Mitarbeitern. Allerdings kein Wort zu seinem Chef Präsident Trump. Tillerson betonte, Verlässlichkeit, sich gegenseitig ehrlich und mit Integrität und Respekt zu behandeln, solche Werte seien wichtig. Tillerson verabschiedete sich außerdem mit einer Warnung an Russland aus dem Amt.

OT Tillerson 3

Viel Arbeit bleibe, was das beunruhigende Verhalten und das Handeln seitens der russischen Regierung angehe. Wenn Moskau so weitermache, drohte Tillerson, führte dies nur zu mehr Isolation.

Künftig dürfte sich nun der bisherige CIA-Direktor Mike Pompeo mit Moskau auseinandersetzen. Der loyale Geheimdienstler Pompeo gilt als stramm konservativer Hardliner, in vielen außenpolitischen Fragen auf Trumps Linie.

OT trump

Pompeo habe eine herausragende Energie, lobte der Präsident Trump. Mit Pompeo sei er auf einer Wellenlänge. Ein Mann ganz im Sinne Trumps und seiner Amerika First-Überzeugung. Der 54jährige Pompeo hatte sich etwa auch mehrfach für ein Ende des Atomabkommens mit dem Iran stark gemacht. Unklar ist, welche Rolle er in möglichen Verhandlungen mit Nordkorea einnehmen wird.

In dieser außenpolitischen Krise lagen Trump und der bisherige Außenminister Tillerson immer wieder öffentlich im Widerspruch. Tillerson hatte mehrfach moderatere Töne angeschlagen und setzte auf diplomatische Schritte, Trump dagegen hatte immer wieder seinen Krieg der Worte gegen Diktator Kim Jong Un befeuert. Deshalb mache jetzt auch ein Wechsel im US-Außenministerium Sinn, so der republikanische Kongressabgeordnete Mark Meadow bei FOX News.

OT

Das sei der richtige Zeitpunkt, für ein Wechsel in der Mannschaft, die die Gespräche mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jon Un vorbereiten und führen soll, Er unterstütze den Präsidenten in der seiner Entscheidung.

Doch bevor sich Mike Pompeo an die Arbeit machen kann, hat der Senat noch ein Wörtchen mitzureden und muss dem Personalwechsel zustimmen. Bis zum Ende des Monats bleibt Rex Tillerson formal im Amt.

OT Tillerson

Er kehre nun ins Privatleben zurück, erklärte der 65jährige Tillerson, sichtlich gefasst. Dann nahm er sein Manuskript, sichtlich gefasst und verließ den Raum, ohne weitere Journalistenfragen zu beantworten.  

US-Außenminister Rex Tillerson galt schon seit langem als einer der Rücktritts-Kandidaten in Trumps Regierungsmannschaft. Dass ihn US-Präsident Donald Trump jedoch ausgerechnet in der Phase wichtiger Verhandlungen mit Nordkorea entlassen hat, sorgte in Washington für Überraschung und Bestürzung.

Tillerson galt als "Stimme der Vernunft" in der Trump-Regierung. Nach Informationen der "Washington Post" hat Trump seinen Außenminister bereits am Freitag zum Rücktritt aufgefordert. Deshalb habe Tillerson seinen Afrika-Besuch vorzeitig abgebrochen.

US-Präsident Donald Trump besteigt die Air Force One. | Bildquelle: AFP
galerie

US-Präsident Donald Trump: Meinungsverschiedenheiten mit Tillerson

Dank via Twitter

Trump dankte Tillerson zunächst nur über Twitter mit einem kurzen Satz für dessen Arbeit. Vor dem Abflug nach Kalifornien äußerte sich Trump zu den Gründen:

"Wir hatten Meinungsverschiedenheiten zum Beispiel beim Iran-Atomdeal. Ich finde den fürchterlich. Er findet den okay. Ich wollte den Deal platzen lassen. Er war anderer Meinung."

Auch in anderen Themen vertrat der frühere Chef des Ölkonzerns Exxon Mobil andere Positionen als Trump. Tillerson war gegen einen Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen und gegen die Zölle auf ausländischen Stahl und Aluminium. Auch im Nordkorea-Konflikt warb Tillerson stets für eine Doppelstrategie aus Sanktionen und Diplomatie, während Trump vom Pentagon militärische Optionen anforderte.

Großes Zerwürfnis

Tragische Ironie für Tillerson: In die jüngste diplomatische Entscheidung des Präsidenten, sich mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un zu treffen, war der Außenminister nicht eingebunden. "Nein, ehrlich gesagt habe ich mit ihm darüber nicht viel diskutiert", sagte Trump gegenüber Journalisten, "diese Entscheidung habe ich selbst getroffen."

Trump entlässt Außenminister Tillerson
tagesschau 20:00 Uhr, 13.03.2018, Stefan Niemann, ARD Washington

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Auch die Umstände der Entlassung Tillersons deuten auf ein Zerwürfnis zwischen Tillerson und Trump. Ein hochrangiger Mitarbeiter im Außenministerium betonte, Tillerson habe die Absicht gehabt, im Amt zu bleiben. Bisher habe Trump auch nicht mit Tillerson über die Gründe für seine Entlassung gesprochen.

Mike Pompeo | Bildquelle: AFP
galerie

Scharfer Kritiker des Iran-Atomabkommens: Mike Pompeo

"Idioten" genannt

Die Chemie zwischen Trump und Tillerson stimmte seit langem nicht mehr. Im vergangenen Sommer soll Tillerson den Präsidenten in einer Sitzung im Pentagon einen "Idioten" genannt haben, eine Äußerung, die Tillerson anschließend weder bestätigen noch dementieren wollte. Mit Mike Pompeo, dem bisherigen CIA-Direktor, habe er sich dagegen auf Anhieb gut verstanden, sagte Trump den Journalisten.

"Er hat eine enorme Energie und eine enorme Intelligenz", sagte Trump. "Wir sind immer auf der gleichen Wellenlänge." Das Verhältnis sei sehr gut und das brauche er bei seinem Außenminister, so Trump. Pompeo gehört zu den stramm konservativen Republikanern und gilt ebenso wie Trump als scharfer Kritiker des Iran-Atomabkommens. Der 54-Jährige zählt außenpolitisch zu den Falken in seiner Partei, auch gegenüber Russland. Seine bisherige Stellvertreterin bei der CIA, Gina Haspel, wird nun seine Nachfolgerin und damit die erste Frau an der Spitze des Auslandsgeheimdienstes.

Trump begründet Entlassung von Tillerson
Martin Ganslmeier, ARD Washington
13.03.2018 16:07 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. März 2018 um 18:00 Uhr.

Darstellung: