Weißes Haus in Washington | Bildquelle: AFP

Europa in der Krise Amerikas Sorge um den alten Freund

Stand: 19.02.2016 05:11 Uhr

Die Flüchtlingskrise, der drohende EU-Austritt der Briten - die Amerikaner haben viele Gründe, um sich um ihren alten Freund Europa Sorgen zu machen. Nun hat die Obama-Regierung sich dazu geäußert. Und die Republikaner nutzen das umgehend für ihren Wahlkampf.

Von Sabrina Fritz, ARD-Studio Washington

Amerika macht sich Sorgen um seinen alten Freund Europa. Und der deutsche Botschafter in den USA, Peter Wittig, hat wenig Worte zur Beruhigung. Zum EU-Gipfel sagte er dem amerikanischen Radiosender NPR: "Dies ist eine Krise von historischem Ausmaß und es ist wahrscheinlich der härteste Test für Deutschland und Europa seit dem zweiten Weltkrieg."

Es ist nicht nur die Flüchtlingskrise. Es ist die Nähe zum Rivalen Russland, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in vielen EU-Ländern und jetzt auch noch der drohende Austritt der Briten. Die US-Regierung hält sich offiziell bei diesem Thema ziemlich bedeckt. Präsident Barack Obama hatte vergangenes Jahr angedeutet, man fände es schon besser, wenn die Briten in der EU blieben: "Das Vereinigte Königreich in der EU gibt uns viel mehr Vertrauen in die Stärke der transatlantischen Union", hatte der US-Präsident gesagt. "Deren Eckpfeiler sind die Institutionen, die nach dem zweiten Weltkrieg errichtet wurden und wir möchten, dass die Briten dort weiterhin Einfluss haben".

Obama bei einer Sitzung | Bildquelle: AP
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US-Präsident Obama wünscht sich, dass Großbritannien in der EU bleibt.

Sein Handelskommissar, Michael Froman, fand deutlichere Worte, was ein Austritt für die Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern bedeuten würde: "Wir haben kein Freihandelsabkommen mit Großbritannien sondern mit der EU", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. "Wenn Großbritannien die EU verlässt, gelten für das Land die gleichen Zölle, Tarife und Vorschriften wie zum Beispiel für China oder Brasilien." Das könnte für die Briten teuer werden, denn die USA sind nach Europa ihr wichtigster Markt.

"Was in Deutschland passiert, ist wahnsinnig"

Die Republikaner, die gerade im Wahlkampfmodus sind, haben die Stellungnahme der Obama-Regierung als unangemessene Einmischung in fremde Angelegenheiten kritisiert. Bei ihnen steht Europa derzeit ohnehin nicht hoch im Kurs. Präsidentschaftsbewerber Jeb Bush zum Beispiel behauptet, in Frankreich würde man nur drei Tage in der Woche arbeiten: "Was denkst Du, ist der US-Senat eine französische Arbeitswoche, wo man nur drei Tage die Woche anwesend sein muss?", fragte er in einer der vielen Fernsehdebatten.

Jeb Bush | Bildquelle: dpa
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Bei einer Fernsehdebatte behauptete Präsidentschaftsbewerber Jeb Bush, man würde in Frankreich nur drei Tage in der Woche arbeiten.

Europa mit seinen vielen sozialen Errungenschaften war den Republikanern schon immer ein Dorn im Auge. Seit Deutschland seine Grenzen für Menschen in Not geöffnet hat, hält Präsidentschaftsbewerber Donald Trump die deutsche Bundeskanzlerin für verrückt: "Ich dachte, Angela Merkel ist eine große Führerin. Aber was in Deutschland passiert, ist wahnsinnig. Es ist verrückt."

"Merkel hat eine sehr mutige Haltung eingenommen"

Dass mehr als eine Million Menschen jetzt in Europa Schutz suchen, wird in den USA mit einer Mischung aus Befürchtung und Bewunderung begleitet. Präsident Obama hatte Angela Merkel öffentlich zu ihrer Politik gratuliert. "In Europa haben Menschen wie Kanzlerin Merkel eine sehr mutige Haltung eingenommen." Doch im gleichen Atemzug verschärft seine Regierung die Visabestimmungen für Besucher, die aus Europa kommen und vorher in Syrien oder dem Irak waren. Die Angst, dass Attentäter über Europa in die USA einreisen könnten, sitzt tief und wird durch den Wahlkampf noch geschürt.

Botschafter Wittig wünscht sich jedenfalls ein bisschen mehr Unterstützung von den Verbündeten in Washington: "Wir würden uns auf jeden Fall freuen, wenn die USA mehr tun würden." Doch bei diesem Thema halten sich die Vereinigten Staaten die Ohren zu.

USA besorgt über Lage in Europa
S. Fritz, ARD Washington
19.02.2016 04:17 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 19. Februar 2016 um 05:19 Uhr im Deutschlandfunk.

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