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US-Wahlkampf
Virtueller Wahlkampf um Stimmen
Ohne digitale Hilfe ist heute keine Wahl mehr zu gewinnen in den USA. Beide Seiten, Republikaner und Demokraten, werben mit Apps um Wählerstimmen und Spenden. Dabei haben, wie schon vor vier Jahren, die Demokraten um Präsident Obama die Nase vorn.
Von Martin Ganslmeier, NDR-Hörfunkstudio Washington
Vor vier Jahren war Barack Obama der erste Politiker, der mit E-Mails, SMS und coolen Internet-Angeboten ganz neue Wählerschichten für sich gewann. Eher altbacken wirkte damals der republikanische Kandidat John McCain, als er gestand, nicht einmal E-Mails zu schreiben. Vier Jahre später ist der digitale Wahlkampf nicht nur bei hippen Jungwählern, sondern mitten im Volk angekommen. Und eine wichtige Unterstützung für die Partei-Basis: "Wenn Du helfen willst, dass der Präsident gewinnt, musst Du diese App herunterladen!", werben die Demokraten für die App "Obama for America".
Die Obama-App bietet Videoclips aus Reden des Präsidenten, aktuelle Infos zu seinen Standpunkten und Veranstaltungstipps - alles auf die Region des Smartphone-Nutzers zugeschnitten: "Alle Fakten, die Du brauchst, lokalisiert für Dich!"
Obamas und Romneys digitaler Kampf um Wähler
M. Ganslmeier, NDR Washington
11.10.2012 17:18 Uhr
Wer der Obama-App seinen Standort verrät, dem öffnet sich eine Karte von Google-Maps. Darauf lauter blaue Fähnchen an Haushalten, die den Demokraten nahestehen, weil sie Obama mit Geld unterstützt haben oder sich als Demokraten registrieren ließen. Das Feedback ihrer Hausgespräche können die Wahlhelfer mit der App direkt an die Datenbank von Obamas Wahlkampfzentrale in Chicago schicken. Klemmbrett und Formulare sind nicht mehr nötig.
Wahlkampf mit dem Smartphone wird in wenigen Jahren Alltag sein, ist Michael Scherer, der Washington-Korrespondent vom "Time Magazine" überzeugt: "Man spendet Geld mit dem Smartphone. Man registriert sich als Helfer und telefoniert damit", so Scherer.
Besonders interessant findet der Korrespondent den Spende-Button der Obama-App. Wer einmal seine Kreditkarten-Infos eingegeben hat, kann weitere Spenden zwischen 10 und 1000 Dollar mit einem einfachen Tasten-Klick auslösen. "Das hat enormes Potential", sagt Scherer: "Man muss die Kreditkarten-Angaben nicht neu eingeben, sondern nur die Tastatur des Smartphones bedienen."
Auch die Republikaner machen digitalen Wahlkampf
Auch mit der Romney-Ryan-App kann man spenden, allerdings etwas umständlicher. Wie überhaupt die App der Republikaner weniger interaktiv, sondern text- und infolastiger ist.
Romney setzt eher auf das traditionelle Medium Fernsehen, sagt der Washington-Korrespondent vom "Time Magazine". Dort investiert er große Summen in Werbespots: "Romney ist einfach nicht der Typ, der Leute motiviert, eine App herunterzuladen, um damit Klinken zu putzen, es sei denn, sie gehören zu seinem Wahlkampfteam".
Auch wenn Romney aufgeholt hat - Barack Obama ist immer noch Meister des digitalen Wahlkampfes. Romneys Vorsprung bei Großspendern gleicht Obama durch Millionen Kleinspender aus. 20 Millionen folgen Obamas Botschaften auf Twitter. Romney hat nur eine Million Follower.
Was passiert mit den Daten?
Auch für diejenigen, die sich keinem Kandidaten zugehörig fühlen, gibt es nützliche Wahlkampf-Apps: zum Beispiel "Polltracker", eine App, die aktuelle Umfragen abbildet oder eine App namens "Ad Hawk" - zu deutsch "Werbungs-Falke". "Diese App nimmt den Ton eines Wahlspots vom Fernsehen auf", erklärt Tom Lee von der "Sunlight"-Stiftung für mehr Transparenz, "und gleicht ihn dann mit tausenden Spots in unserer Datenbank ab".
Die App funktioniert also wie Apps, die Musiktitel erkennen. Daran werden auch Datenschützer keinen Anstoß nehmen. Wohl aber an den Apps von Obama und Romney. Denn was mit den vielen Daten später mal geschieht, das wollen sie kritisch beobachten.
Stand: 14.10.2012 13:25 Uhr
