Kreml in Moskau | Bildquelle: AFP

US-Vorwurf zu Hackerangriff Der Kreml wittert eine "Hexenjagd"

Stand: 09.01.2017 20:34 Uhr

Das Urteil der US-Geheimdienste war eindeutig: Russlands Präsident Putin persönlich habe die Hackerattacken im US-Wahlkampf befohlen. Und genauso scharf kommt nun das Dementi aus Moskau. Die Wortwahl des Kremlsprechers dürfte dabei kein Zufall sein.

Russland hat einen US-Geheimdienstbericht zurückgewiesen, der die Regierung in Moskau als Drahtzieherin der Hackerangriffe während der US-Wahl bezeichnet. Die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage, seien "amateurhaft" und "der professionellen Arbeit von Weltklasse-Geheimdiensten nicht würdig", kritisierte Kremlsprecher Dmitri Peskow. "Langsam machen sich Ermüdungserscheinungen bezüglich dieser Vorwürfe breit."

Und weiter betonte der Kremlsprecher: "Das erinnert wirklich an eine Hexenjagd." Damit griff er eine Äußerung des künftigen US-Präsidenten Donald Trump auf. Dieser hatte sich bezüglich des Geheimdienstberichts selbst skeptisch gezeigt und ebenfalls von einer "politischen Hexenjagd" gesprochen. Die Geheimdienste CIA, FBI und NSA hatten vergangene Woche in Teilen ihren Bericht an den scheidenden US-Präsidenten Barack Obama und seinen Nachfolger Donald Trump zu der vermuteten Cyper-Kampagne im US-Wahlkampf veröffentlicht. Darin kommen sie zu dem Schluss, dass die Kampagne vom russischen Präsidenten Wladimir Putin persönlich angeordnet worden sei, um die Wahl zugunsten von Trump zu beeinflussen und dessen Rivalin Hillary Clinton zu diskreditieren.

WikiLeaks-Gründer fordert Beweise

Auch WikiLeaks-Gründer Julian Assange zweifelte den US-Bericht erneut an. Dieser sei "ein politischer Angriff" auf Trump. "Nirgendwo in dem Bericht wird ein Beweis für irgendetwas geliefert", erklärte Assange. WikiLeaks hatte während des US-Präsidentschaftswahlkampfs E-Mails der Demokratischen Partei und von Clintons Wahlkampfmanager John Podesta veröffentlicht. Die Enthüllungsplattform habe die Dokumente aber nicht von der russischen Regierung erhalten, betonte Assange.

Wladimir Putin | Bildquelle: AP
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"Persönliche Anordnung Putins" - die US-Geheimdienste erheben schwere Vorwürfe gegen den russischen Präsidenten.

Trump plant Programm gegen Cyberangriffe

Trumps zukünftiger Stabschef Reince Priebus hatte nach der Veröffentlichung des Berichts betont, der neu gewählte Präsident akzeptiere die Schlussfolgerung der US-Geheimdienste, dass die Angriffe ihren Ursprung in Russland gehabt hätten. Priebus ließ dabei offen, ob damit auch die direkte Verantwortung Putins gemeint sei. Nach seiner Vereidigung will Trump ein Sofortprogramm zur Abwehr von Cyberangriffen umsetzen.

Moskau hofft auf Trump

Kremlsprecher Peskow sagte, der öffentlich zugängliche Teil des US-Dokuments sei Putin von den russischen Behörden vorgelegt worden. Der Präsident hofft mit dem künftigen US-Präsidenten Trump auf eine Verbesserung des Verhältnisses zu den USA. Trump tritt am 20. Januar sein Amt an. Der Kreml stehe bislang nicht in direktem Kontakt mit Trumps Team, betonte Peskow. Ein Treffen zwischen Putin und dem Republikaner werde nicht vor Trumps Vereidigung geplant.

Litauen legt Bau eines Datenzentrums auf Eis

Aus Sorge vor russischen Hackerangriffen legte Litauen Pläne für den Bau eines gigantischen privaten Datenzentrums auf Eis. Seine Behörde sei über die Verbindungen von Aktionären des Betreibers mit dem russischen Geheimdienst FSB besorgt, sagte der Chef der Abteilung für Staatssicherheit, Darius Jauniskis. Nach Angaben eines Sicherheitsvertreters könnten russische Spione über das geplante Glasfaserkabel Zugriff auf die Daten des Zentrums bekommen.

Kreml-Sprecher: Vorwürfe zu Hacker-Angriffen erinnern an "Hexenjagd"
M. Sambale, ARD Moskau
09.01.2017 18:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. Januar 2017 um 17:03 Uhr

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