Wladimir Putin | Bildquelle: AP

Beeinflussung der US-Wahl Es war Putin - sagen die US-Geheimdienste

Stand: 07.01.2017 03:02 Uhr

Die Einschätzung der US-Geheimdienste ist deutlich: Russlands Präsident Putin persönlich soll die Beeinflussung der US-Wahl befohlen haben, um die Siegchancen der Demokratin Clinton zu schmälern. Sieger Trump sieht das anders und zweifelt eher an den US-Diensten.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat nach Einschätzung der US-Geheimdienste eine Kampagne angeordnet, um den Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahl zu beeinflussen. Zu dieser Einschätzung kommen CIA, FBI und NSA in einem Bericht, der jetzt veröffentlicht wurde.

Russland habe das Ziel verfolgt, den Glauben der Öffentlichkeit in den demokratischen Prozess der USA zu untergraben, die demokratische Kandidatin Hillary Clinton zu verunglimpfen und ihre Chancen auf einen Wahlsieg zu schmälern, heißt es darin. Die russische Regierung habe eine "klare Präferenz" für den republikanischen Kandidaten Donald Trump gehabt.

Russlands Bemühungen um eine Beeinflussung der Präsidentschaftswahl stellten den jüngsten Ausdruck für Russlands langjährigen Wunsch dar, die von den USA angeführte liberale und demokratische Grundordnung zu untergraben, hieß es in der Einschätzung der Geheimdienste weiter. Das Ausmaß der russischen Aktivitäten sei deutlich größer gewesen als bei vorherigen Operationen.

Trump und Clinton während einer Debatte im Oktober | Bildquelle: REUTERS
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Trump statt Clinton: Russland habe eine "klare Präferenz" gehabt, sagen CIA, FBI und NSA.

Die Version des Reports war freigegeben worden, nachdem der künftige Präsident Trump eine längere, geheime Fassung davon erhalten hatte. Auch der scheidende US-Präsident Barack Obama sowie mehrere führende Vertreter des Kongresses waren über die Informationen der Geheimdienste unterrichtet worden.

Obama zeigt sich besorgt

Obama zeigte sich beunruhigt über das Ergebnis des Berichts. Russland habe vorgehabt, sich in den politischen Prozess der USA einzumischen und dies auch getan, sagte der Präsident in einem Interview mit dem Sender ABC. Er sei aber auch sehr besorgt über republikanische Fachleute und TV-Kommentatoren, die mehr Vertrauen in den russischen Präsidenten Wladimir Putin hätten als in amerikanische Mitbürger. "Das kann nicht sein."

... und Trump zweifelt

Trump hingegen hatte mehrfach Zweifel darüber geäußert, ob Russland wirklich für die Angriffe verantwortlich war, durch die vor der Wahl Interna aus dem Team seiner demokratischen Gegnerin Clinton nach außen gedrungen waren. Zudem hatte er die Arbeit der US-Geheimdienste kritisiert. Die russische Führung wies die Vorwürfe ebenfalls zurück.

Trump blieb auch nach dem Treffen mit Geheimdienstdirektor James Clapper, CIA-Chef John Brennan und FBI-Direktor James Comey, bei dem über den Bericht gesprochen wurde, grundsätzlich bei seiner Einschätzung: Zwar seien die USA das Ziel ständiger Cyberattacken etwa aus China und Russland, erklärte er. Es habe dabei aber "absolut keine Auswirkungen auf das Ergebnis der Wahl gegeben".

Russische Cyberangriffe auch nach der Wahl

Nach dem Regierungswechsel will Trump allerdings ein Sofortprogramm zur Abwehr von Cyberangriffen umsetzen. Dies solle in den ersten 90 Tagen seiner Amtszeit geschehen, sagte Trump.

Die US-Geheimdienste gehen von russischen Cyberangriffen auch nach der US-Wahl aus. Schon unmittelbar nach der Abstimmung im November habe der russische Geheimdienst eine Spear-Pishing-Kampagne gegen US-Regierungsbeamte gestartet, heißt es in dem Report.

Auch Einzelpersonen aus dem Umfeld amerikanischer Denkfabriken oder Nichtregierungsorganisationen in Tätigkeitsfeldern wie nationaler Sicherheit, Verteidigung und Außenpolitik seien betroffen gewesen. Bei Spear-Phishing handelt es sich um Versuche, über gefälschte Webseiten, E-Mails und Kurznachrichten vertrauliche Daten von Internetnutzern abzugreifen.

US-Geheimdienstler erklärten, diese Attacken könnten Moskau mit neuem Material für künftige Einflussversuche versorgen oder Informationen über Ziele und Pläne der künftigen Regierung von Donald Trump liefern.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Januar 2017 gegen 01:14 Uhr.

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