Hintergrund

Besucher betrachten Waffen bei einer NRA-Veranstaltung | Bildquelle: REUTERS

Waffenrecht in den USA 300 Millionen Waffen, 30.000 Tote

Stand: 03.10.2017 01:53 Uhr

Nach jedem Massaker ähnelt sich die Diskussion - und auch nach Las Vegas wird sie wieder geführt werden: Warum kann in den USA praktisch jeder eine Waffe kaufen? Versuche, das zu ändern, gab es schon viele. Georg Schwarte blickt zurück - und auf einige Zahlen.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Das Second Amendement - der zweite Verfassungszusatz: Seit dem 15. Dezember 1791 ist dort für jeden Amerikaner verfassungsrechtlich garantiert, eine Waffe besitzen zu dürfen. Und seit Präsident Donald Trump im Weißen Haus regiert, ist es klarer denn je, dass sich daran - komme was wolle - nichts ändert.

"Der achtjährige Angriff auf dieses Verfassungsrecht, er ist vorbei", prahlte Trump im Wahlkampf vor der amerikanischen Waffenlobby, der National Rifle Association (NRA). 43 Prozent aller Amerikaner leben in einem Haushalt mit mindestens einer Schusswaffe. 300 Millionen Waffen,  Pistolen, halbautomatische Sturmgewehre gibt es in den USA.

Prof. Christian Lammert, Freie Universität Berlin, zur Waffenkultur in den USA
Brennpunkt, 03.10.2017

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Fast so viele Waffengesetze wie Opfer

Und das Land hat fast so viele Waffengesetze wie es jedes Jahr Tote durch Schusswaffen gibt: 20.000 unterschiedliche Gesetze, 30.000 Tote pro Jahr durch Schusswaffen. Alle zwei Jahre also sterben in den USA insgesamt so viele Menschen durch Schusswaffen, wie einst amerikanische Soldaten im Vietnamkrieg. Aber die wenigsten scheint das zu irritieren.

Trump bei einer Veranstaltung der Waffenlobby NRA | Bildquelle: REUTERS
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Trump pflegt gute Kontakte zur Waffenlobby NRA.

Nie werde er das Recht antasten, Waffen tragen zu dürfen, sagt Trump bis heute. Bei der NRA ist die Philosophie eindeutig: "Der einzige Weg, einen bösen Kerl mit Knarre zu stoppen, ist ein guter Kerl mit Knarre", sagt Wayne La Pierre, der Präsident der NRA. Als im Jahr 2012 in Newtown im Bundesstaat Connecticut 28 Menschen - überwiegend Kinder einer Grundschule - bei einem Massaker starben, forderte er bewaffnete Wachen, Polizisten und bewaffnete  Lehrer als Antwort. "Nennt mich verrückt, wenn ich für bewaffnete Wachen und Polizisten in der Schule bin. Die Amerikaner finden es verrückt, dass wir sie nicht haben."

Auch Reagan-Gesetz später kassiert

Präsident Barack Obama weinte damals öffentlich um die Kinder und mit den Eltern. Und er setzte per Exekutivorder durch, dass psychisch Kranke nicht wie bisher weiter Waffen besitzen und kaufen dürfen. Aber selbst diese Regelung hat Obamas Nachfolger Trump umgehend aufgehoben.

Ein Kunde in einem Waffengeschäft in Parker, Colorado. | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Überall in den USA gibt es Waffengeschäfte - wie hier in Parker, Colorado.

Zahlreiche Versuche, die Waffengesetze zu verschärfen, sind immer wieder gescheitert. Nach dem Attentat auf Präsident Ronald Reagan verabschiedete der Kongress das Brady-Gesetz, benannt nach dem Pressesprecher Reagans. Es sah vor, dass keine Magazine mit mehr als zehn Schuss mehr verkauft werden dürfen, jeder Käufer binnen fünf Tagen überprüft wird und seine Waffe erst danach ausgehändigt bekommt. Vier Jahre später schon kassierte der Supreme Court auch dieses Gesetz.

Der Ort des jetzigen Massakers, Las Vegas, er liegt im Waffenparadies Nevada. Dort gibt es die laxesten Waffengesetze - praktisch keine. Jeder darf dort Sturmgewehre kaufen, kein Limit für Magazingrößen, niemand muss sich registrieren, niemand wird überprüft, jeder kann an jeden Waffen verkaufen. 

Kleine Geschichte des amerikanischen Waffenrechts
Georg Schwarte, ARD New York
03.10.2017 00:58 Uhr

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Über dieses Thema berichteten der Brennpunkt am 02. Oktober 2017 um 20:15 Uhr.

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