Fragen und Antworten

Schild mit der Aufschrift "Vote here" (Archivbild: 19. Februar 2008) | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

Die wichtigsten Ereignisse Wie funktionieren die US-Vorwahlen?

Stand: 01.03.2016 03:07 Uhr

Caucus, Primary, Super-Tuesday - die US-Vorwahlen sind komplex und ziehen sich über Monate hin. Wer wählt wen und nach welchem Modus? Und was bedeutet das für die Kandidaten? tagesschau.de gibt einen Überblick über die wichtigsten Ereignisse.

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Was ist ein Caucus?

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Vorwahlen: Caucus und Primary. Diese dienen dazu, den Präsidentschaftskandidaten einer Partei zu bestimmen. Beim Caucus treffen sich in der Regel Parteimitglieder zu kleinen Versammlungen in Schulen, Kirchen und sogar Privathäusern im ganzen Staat. "Ein normaler Caucus läuft ungefähr so ab: 30 bis 40 Menschen sitzen zusammen und diskutieren, wer der beste Kandidat ihrer Partei wäre, um der nächste Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Dann wird abgestimmt", berichtet ARD-Korrespondentin Sabrina Fritz.

Republikaner wählen geheim, Demokraten offen

Die Versammlungen werden von den Parteien organisiert und nicht von der Wahlkommission. Bei den Republikanern versammeln sich die Parteimitglieder, hören sich kurze Reden von Unterstützern der verschiedenen Anwärter an und füllen dann die Stimmzettel aus - die Wahl ist also geheim. Die abgegeben Stimmen werden proportional auf die 30 Delegierten verteilt, die Iowa zum Parteitag der Republikaner schickt, bei dem dann der Präsidentschaftskandidat nominiert wird.

Bei den Demokraten bilden die Parteimitglieder bei jedem ihrer rund 1000 Treffen Unterstützergruppen für die einzelnen Kandidaten - es ist also keine geheime Stimmzettelwahl. Die so abgegebenen Stimmen werden dann ebenfalls proportional auf die 44 Delegierten für den demokratischen Parteitag verteilt.

Iowa als Trendsetter

Traditionell fand der erste Caucus in Iowa statt. Der Bundesstaat hat nur drei Millionen Einwohner, die Wähler sind zum überwiegenden Teil weiß und sehr religiös. "Nicht gerade ein Querschnitt der gesamten Vereinigten Staaten", resümiert ARD-Korrespondentin Fritz. Dennoch geht von dem Bundesstaat eine wichtige Signalwirkung aus. Bei den Demokraten war in den letzten drei Vorwahlen der Sieger aus Iowa letztlich auch der Präsidentschaftskandidat der Partei. 2008 hatte Barack Obama überraschend gegen Hillary Clinton gewonnen - und wurde später auch Präsident. 2016 setzte sich bei den Demokraten Hillary Clinton mit knappem Vorsprung vor Bernie Sanders durch - bei den Republikanern siegte Ted Cruz in Iowa vor Donald Trump.

Wie funktionieren die Primaries?

Die meisten der US-Staaten entscheiden jedoch nicht per Caucus, sondern per Primary. Dieser wird von dem jeweiligen Bundesstaat organisiert. Deshalb entfällt das Diskutieren - wie es in Iowa üblich ist - vor der Abstimmung. Im Gegensatz zu den meisten Caucus-Staaten dürfen hier meist alle registrierten Wähler in geheimer Wahl abstimmen.

Open vs. Closed Primary

Es gibt zwei Arten von Primaries: Zum einen die Open Primary, bei der Wähler für alle Kandidaten - auch die der anderen Partei - stimmen können. Man kann allerdings nur einmal abstimmen. Bei einer Closed Primary dürfen Wähler, die etwa Mitglied einer Partei sind, nur für ihre Partei abstimmen.

Das System der Vorwahlen ist insgesamt recht komplex im Vergleich zu anderen Wahlsystemen. Überall gleich ist aber, dass damit auf einzelne Kandidaten eingeschworene Delegierte gewählt werden. Diese fahren dann zu den Nominierungsparteitagen beider Parteien im Sommer und müssen dort in den meisten Fällen ihrem Auftrag gemäß abstimmen.

Superdelegierte

Ausnahme sind die sogenannten Superdelegierten, die bei den Nominierungsparteitagen stimmberechtigt sind, aber nicht über das Caucus- oder Primary-System entsandt wurden. Dabei handelt es sich oft um ehemalige Parteigrößen, wie Ex-Präsidenten oder -minister.

Was verbirgt sich hinter dem Super-Tuesday?

Nach dem Start in Iowa und New Hampshire folgen die Vorwahlen in dichtem Takt. Am sogenannten Super-Tuesday stimmen mehr als ein Dutzend Bundesstaaten gleichzeitig ab. Die meisten davon liegen im Süden des Landes, wie Texas, Alabama, Georgia. Insgesamt werden dabei mehr als 1000 Delegiertenstimmen vergeben - der Tag ist also enorm wichtig für die Kandidaten.

Es gibt aber noch Dutzende weitere Tage, an denen Vorwahlen stattfinden. Insgesamt zieht sich der Prozess bis in den Juli.

Infografik: Fahrplan der US-Vorwahlen
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Die meisten Bundesstaaten stimmen im März ab

Wahlen oft dienstags

Dass Wahlen in den USA häufig auf einen Dienstag fallen - auch Kongresswahlen, die sogenannten Midterm-Elections, finden traditionell am ersten Dienstag im November statt - hat historische Gründe: Der US-Kongress hatte den Dienstag im Jahr 1845 einheitlich für die Wahl der Wahlmänner von Präsident und Vizepräsident der damals erst 28 vereinigten Staaten festgelegt.

Den Sonntag schloss man 1845 als Wahltag aus, weil dies der Tag des Herrn sei. Der Montag galt als Anreisetag, denn damals gab es nur ein Wahllokal in der jeweiligen Bezirkshauptstadt. Der Donnerstag fiel gänzlich aus, weil an dem Tag die damals ungeliebten Briten ihr Parlament wählten. Der Freitag galt als ungünstig, weil man sich auf den Samstag, den Markttag, vorbereiten musste. So entschied man sich für den Dienstag.

Wie laufen die Nominierungsparteitage ab?

Der letzte Schritt der Vorwahlen sind die Nominierungsparteitage - die sogenannten Conventions. Dabei küren die Delegierten aus allen Bundesstaaten den Kandidaten ihrer Partei. Die Zahl der Vertreter, die jeder Staat zum Wahlparteitag entsenden darf, hängt vor allem von seiner Bevölkerungsstärke ab. Die meisten Delegierten sind in ihrem Abstimmungsverhalten an die Vorwahlergebnisse aus ihrem Heimatstaat gebunden.

In vielen Staaten bekommt der Gewinner der Vorwahl alle Delegierten des Bundesstaats für den Parteitag zugesprochen. In manchen allerdings werden die Delegierten auch prozentual den Kandidaten zugesprochen.

Parteitage Ende Juli

Die Republikaner halten ihren Parteitag vom 18. bis 21. Juli in Cleveland ab, es kommen etwa 2500 Delegierte zusammen. Beobachter rechnen mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Donald Trump, dem erzkonservativen Ted Cruz und dem Sohn und Bruder zwei ehemaliger Präsidenten, Jeb Bush. Kurz danach, vom 25. bis 28. Juli, treffen sich gut 4700 Demokraten in Philadelphia. Hier läuft alles auf einen Zweikampf zwischen Hillary Clinton und dem Linken Bernard Sanders hinaus.

Nach der Nominierung beginnt die "heiße Phase" des Präsidentschaftswahlkampfes - nun treten der demokratische und der republikanische Kandidat direkt gegeneinander an. Unter anderem treffen sie in drei Fernsehduellen am 26. September, 9. Oktober und 19. Oktober aufeinander. Am 8. November 2016 findet die Präsidentschaftswahl statt.

Was sind die Swing States?

Für die Präsidentschaftswahl sind die sogenannten Swing States von besonderer Bedeutung. So bezeichnet man die Bundesstaaten, die nicht eindeutig einem der beiden politischen Lager zuzuordnen sind. Darunter sind etwa Nevada, Florida, Pennsylvania - und auch Iowa. Diese Staaten sind ausschlaggebend für den Erfolg bei den Präsidentschaftswahlen.

Gekürt wird das Staatsoberhaupt der USA nicht nach Prozentanteilen, sondern nach Wahlmännerstimmen, welche die Kandidaten in den einzelnen Bundesstaaten erringen müssen. Der Sieger muss mindestens 270 der insgesamt 538 Wahlmänner auf sich vereinen. In fast allen Bundesstaaten gilt die Regel: "The winner takes it all" - der dortige Sieger bekommt alle Wahlmänner zugeteilt.

Mit Informationen von Sabrina Fritz, ARD-Studio Washington

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