USA sparen durch Truppenreduzierung in Europa Weit und breit kein Feind in Sicht

Stand: 25.03.2013 19:31 Uhr

Von einst Hunderttausenden Soldaten der US-Army in Europa sind knapp 40.000 übrig geblieben - Tendenz sinkend. Die USA müssen sparen und fragen sich, warum sie noch Truppen in Europa haben - schließlich gebe es dort ja keine Feinde mehr. Der neue Kommandeur verwaltet vor allem den Sparzwang.

Von Christian Thiels, SWR, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Don Campbell kennt Deutschland gut: In den 80er-Jahren war der Generalleutnant in Bad Kreuznach stationiert, seine Tochter machte Jahre später ihren Highschool-Abschluss in Heidelberg.

Don Campbell
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Deutschland-Kenner Campbell muss seinen Soldaten die Sparmaßnahmen erklären.

Seit ein paar Monaten hat Campbell das Kommando über alle Soldaten des US-Heeres in Europa: knapp 40.000. Auf den ersten Blick eine gewaltige Zahl, doch einst waren Hunderttausende US-Soldaten auf dem Alten Kontinent stationiert. Im Kalten Krieg demonstrierte Washington auch durch schiere Masse seine Macht in Europa - Geld spielte keine große Rolle.

Für Campbell ist das anders: Das Budget der US-Streitkräfte wird drastisch zusammen gestrichen, bis 2017 soll seine Streitmacht auf 30.000 Frauen und Männer sinken - die USA engagieren sich lieber stärker in Asien.

Campbells Hauptaufgabe ist die Mangelverwaltung

Nach dem Ende des Kalten Krieges erscheint eine massive US-Truppenpräsenz in Europa anachronistisch. Auf Campbells militärischer Agenda steht deshalb auch die Mangelverwaltung ganz vorne: "Wir müssen unseren Soldaten und deren Familien erklären, warum der Gürtel enger geschnallt wird", sagt er bei seinem ersten Pressegespräch seit der Kommandoübernahme.

Campbell sitzt in einem schmucklosen Seitenraum der Cafeteria in der Wiesbadener Clay-Kaserne. Wenn man die Lage gut erkläre, dann verstünden die Leute das auch, erklärt der General. Draußen vor dem Kasernentor sind in diesen Tagen reichlich Möbelwagen zu sehen - gerade ziehen Hunderte Soldatenfamilien aus Heidelberg nach Wiesbaden. Das dortige Hauptquartier wird aufgelöst - auch aus Kostengründen.

USA wollen in Europa 112 Millionen Euro sparen

Neben Heidelberg werden auch die Garnisonen in Mannheim und Darmstadt geschlossen, 112 Millionen US-Dollar soll das sparen. Für Amerika ist die Präsenz in Europa zwar strategisch wichtig, weil etwa die Luftwaffenbasis Ramstein eine wichtige Logistik-Drehscheibe für Einsätze in Nahost ist. Dass über Ramstein auch große Teile des Nachschubs für den Irak-Krieg abgewickelt wurden, hat hierzulande immer wieder für Proteste gesorgt. Andererseits wird angesichts der mehr als angespannten Haushaltslage in Washington immer häufiger gefragt, warum die USA über Ramstein hinaus signifikante Truppenkontigente in Deutschland und Europa stationiert haben - wo doch dort weit und breit kein Feind mehr sei.

Elvis Presley als US-Soldat | Bildquelle: ASSOCIATED PRESS
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Von den Hunderttausenden US-Soldaten in Deutschland war er sicher der berühmteste: 17 Monate diente Elvis Presley in Friedberg.

In Europa zu sparen liegt für viele US-Politiker also auf der Hand. Niemand habe ernsthaft damit rechnen können, dass der Etat für das Militär immer weiter steigen werde. Man sei also vorbereitet gewesen, erklärt auch General Campbell: "Zurzeit haben wir ausreichende Mittel, um die Ausbildung unserer Soldaten sicherzustellen." Immer wieder spricht er von der brillanten Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern, vor allem den Deutschen.

Aber er betont auch, dass Innovation und Kreativität notwendig seien, um sich auf die neuen - auch finanziellen - Rahmenbedingungen einzustellen. Konkret müsse man mehr auf Echtzeit-Computer-Simulation setzen und bei gemeinsamen Übungen genau prüfen, welche militärischen Aufgabe womöglich eine andere NATO-Nation übernehmen könnte.

Jeder spart für sich allein

Doch das ist gar nicht so einfach, denn auch die europäischen Partner müssen angesichts von Euro- und Haushaltskrise sparen. Eine Absprache, welche Nation an welcher Ecke weniger für Kriegsgerät ausgibt, gibt es bislang allerdings kaum. Jeder spart weitgehend für sich allein - allen politischen Bekenntnissen zum "sharing and pooling" (teilen und zusammenführen) von militärischen Fähigkeiten zum Trotz. Das gilt auch für Deutschland, wo SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück erst kürzlich für seine Vision einer gemeinsamen Marine wenigstens der Ostseeanrainer heftig gescholten wurde.

US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein | Bildquelle: dpa
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Über den US-Stützpunkt Ramstein wurde während des Irak-Kriegs Nachschub geliefert.

Nationale Eifersüchteleien sind in der NATO an der Tagesordnung, das kennt auch Campbell. Doch in Wiesbaden hält er sich an die offizielle Sprachregelung und verteilt Artigkeiten an die europäischen Bündnispartner, deren Bekenntnis zum Nordatlantikpakt "ganz außerordentlich" sei.

In Afghanistan habe man gemeinsam viel gelernt - über schnelles Eingreifen, kulturelle Sensibilitäten und militärische Zusammenarbeit. Diese Stand müsse man erhalten, sagt Campbell: "Aber wir müssen uns fragen: 'Müssen wir wirklich jedes mal so lang und so hart trainieren, um das gleiche Ergebnis zu erzielen?'"

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