Donald Trump | Bildquelle: AP

Trump auf dem G20-Gipfel Alles uninteressant außer Putin?

Stand: 03.07.2017 05:11 Uhr

US-Präsident Trump ist kein Fan multilateraler Veranstaltungen. Nachdem er schon in Sizilien beim G7-Gipfel wegen seiner Klimapolitik am Rand stand, ist der G20-Gipfel eine lästige Pflichtübung. Wäre da nicht sein erstes Treffen mit Russlands Präsident Putin.

Von Martin Ganslmeier, ARD Washington

Die Erwartungen der Trump-Regierung an das G20-Treffen in Hamburg sind nicht sehr groß. Im Gegenteil: Man hofft, dass keine weitreichenden Beschlüsse gefasst und kontroverse Themen wie der Klimaschutz in der Abschlusserklärung ausgeklammert werden.

Für Charles Kupchan, Professor für Internationale Beziehungen an der Georgetown University, steht fest: So isoliert wie in Hamburg war die Supermacht USA im Kreis der führenden Wirtschaftsnationen der Welt noch nie. "Im Vorfeld von Hamburg stehen die USA als Außenseiter da", sagt Kupchan. "Und Trump könnte alleine und schlecht gelaunt dastehen - so ähnlich wie es beim NATO-Treffen in Brüssel und beim G7-Treffen in Sizilien war."

G7-Staats- und Regierungschefs in Taormina | Bildquelle: dpa
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Beim G7-Treffen in Taormina war Trump Außenseiter - wegen seiner Klimapolitik.

Angela Merkel und Donald Trump auf dem NATO-Gipfel in Brüssel | Bildquelle: dpa
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Und auch auf dem NATO-Gipfel im Mai ließ die Stimmung zu wünschen übrig.

Charles Kupchan weiß, wovon er spricht. Er hat vor einem Jahr den letzten G20-Gipfel in China vorbereitet: als außenpolitischer Sonderberater des damaligen Präsidenten Barack Obama. Im Weißen Haus konnte er damals aus nächster Nähe verfolgen, dass es insbesondere zwischen der Obama-Regierung und der Bundesregierung eine enge Abstimmung gab.

Es ist kompliziert - schon vor dem Treffen in Hamburg

"Ich kann gar nicht genug betonen, wie eng die Zusammenarbeit zwischen Weißem Haus und Kanzleramt sowie State Department und Auswärtigem Amt war", erinnert sich Kupchan an die Vorbereitungen zum Gipfel im vergangenen Jahr. Er persönlich oder einer seiner Mitarbeiter seien fast täglich telefonisch, per E-Mail oder Videokonferenz mit ihnen in Kontakt gewesen.

Die Abstimmungen vor dem G20-Gipfel in Hamburg waren deutlich komplizierter. Bei Schwerpunktthemen wie Klimaschutz, Einwanderung oder freiem Handel vertritt die Trump-Regierung andere Positionen als die gastgebende Bundesregierung und viele andere Staaten. Beim Klimaschutz steht die Trump-Regierung nach ihrem Ausstieg aus dem Klimaschutzabkommen von Paris isoliert da.

Kommt ein Bekenntnis zum freien Welthandel?

Umso spannender findet Charles Kupchan, wie in Hamburg die Diskussion um den freien Handel laufen wird. "Trump trat sein Amt als Protektionist an. Doch bisher hat er schlimmer gebellt als gebissen. Wir wissen aber nicht, was noch kommt." Bundeskanzlerin Merkel wolle keinem G20-Treffen vorstehen, bei dem die Welt in Protektionismus zurückfalle.

Genau dies müsse jedoch befürchtet werden, sorgt sich Kupchan: Wenn der amerikanische Präsident die US-Wirtschaft durch Einführung einer Importsteuer schützen wolle oder die amerikanische Stahlindustrie vor ausländischen Wettbewerbern abschotte, dann würden auch China und die EU Gegenmaßnahmen treffen. Die Folge seien Handelskriege statt freien Welthandels, und dies werde allen Ländern schaden.

Wenn sich US-Präsident Trump in Hamburg zum freien Welthandel bekennt, könnte dies Bundeskanzlerin Merkel als Erfolg verbuchen. Wichtige Argumente hatte Merkel bereits bei ihrem Antrittsbesuch in Washington Mitte März geliefert, so dass sich Trump bei der anschließenden Pressekonferenz entgegenkommender zeigte: "Ich bin kein Isolationist. Ich bin für freien Handel. Aber ich bin auch für fairen Handel."

Treffen zweier Seelenverwandter?

Auf ein deutlich größeres Interesse stößt in den US-Medien die erste Begegnung zwischen Trump und Russlands Präsident Putin. Auch wenn Trump eine gewisse Seelenverwandtschaft zu Putin verspürt, wird es wohl kaum dazu kommen, dass die beiden Arm in Arm durch Hamburg schlendern.

US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: AFP
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Beim G20-Gipfel in Hamburg treffen US-Präsident Trump ...

NBC Putin-Interview
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... und der russische Präsident Putin das erste Mal aufeinander.

Wegen der Untersuchungen rund um die Russland-Connection von Trumps Wahlkampfteam muss der US-Präsident vorsichtig sein, wie er Putin gegenüber auftritt. Hinzu kommen die jüngsten Konflikte zwischen beiden Ländern - in Syrien und in der Ukraine-Krise.

Auch Trumps Besuch in Warschau vor dem G20-Gipfel dürfte Putin kaum gefallen haben - nicht nur wegen Trumps Bekenntnis zur NATO. Sondern mehr noch, weil Trump den mittel- und osteuropäischen Ländern künftig amerikanisches Flüssiggas liefern will - um sie unabhängiger von russischem Erdgas zu machen. Putins Freude über Trump im Weißen Haus dürfte mittlerweile Ernüchterung gewichen sein.

Trump reist mit geringen Erwartungen nach Hamburg
Martin Ganslmeier, ARD Washington
03.07.2017 06:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. Juli 2017 um 10:00 Uhr.

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