Screenshot des Augenzeugenvideos | Bildquelle: Reuters

Schwarzer in South Carolina erschossen Was wäre ohne Video gewesen?

Stand: 08.04.2015 18:35 Uhr

Nach tödlichen Schüssen auf einen Schwarzen im US-Staat South Carolina muss sich ein mittlerweile entlassener weißer Polizist wegen Mordes verantworten. Wäre das auch passiert, wenn die Tat nicht zufällig auf Video aufgenommen worden wäre? Der Fall löst eine neue Diskussion über Rassismus aus.

Von Sabrina Fritz, MDR-Hörfunkstudio Washington

Proteste in Charleston | Bildquelle: dpa
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In North Charleston gab es nach den tödlichen Schüssen friedliche Proteste.

In der Innenstadt von North Charleston versammeln sich die ersten Demonstranten. "Wir reagieren nicht auf ein Video, wir reagieren auf unsere Alltagssituation. Es wird Zeit, dass die Situation in North Charleston in die Öffentlichkeit kommt", rufen sie vor dem Rathaus.

Die Stadt North Charleston hat 100.000 Einwohner. Rund die Hälfte davon ist schwarz. Doch bei der Polizei sind die Verhältnisse anders. Dort sind nur knapp 20 Prozent der Polizisten Afroamerikaner.

Die schwarzen Bewohner klagen über ungerechte Behandlung. In den letzten Jahren wurden über 200 Schusswechsel bei der Polizei untersucht, es gab nicht eine Anklage - bis heute. Der Polizist, der Scott Walker erschoss sitzt im Gefängnis und ist des Mordes angeklagt. Möglich wurde dies durch ein Video, das ein Passant über die Schießerei filmte.

Acht Mal von hinten geschossen

In den USA wird jetzt die Frage diskutiert. Was wäre passiert, wenn es dieses Video nicht gegeben hätte? Wäre der Polizist dann auch zur Rechenschaft gezogen worden? Der Vater von Scott Walker sagte dazu im amerikanischen Fernsehen: "Es wäre niemals an die Öffentlichkeit gekommen, sie hätten es unter den Teppich gekehrt wie so viele andere Fälle auch. Ich danke Gott, dass dieser junge Mann das Video hatte."

US-Polizist wegen Mordes angeklagt
tagesschau 20:00 Uhr, 08.04.2015, Stefan Niemann, ARD Washington

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Auf dem Film, der offenbar mit einem Handy gedreht wurde, ist zu sehen, wie der Polizist den 50-jährigen Afroamerikaner acht Mal in den Rücken schießt. Als der Mann fällt, geht der Polizist hin und legt ihm noch Handschellen an.

Es ist ein neuer Fall nach einem alten Muster. Ein weißer Polizist erschießt einen Schwarzen, der offensichtlich unbewaffnet war. Doch im Gegensatz zu Ferguson sitzt der Polizist bereits im Gefängnis und ist des Mordes angeklagt. Im Gegensatz zu Ferguson haben Politiker in den USA die Tat verurteilt.

Die Bundespolizei FBI hat sich inzwischen in die Ermittlungen eingeschaltet und das US-Justizministerium untersucht, ob der Polizist geschossen hat, weil Scott Walker schwarz war. Der Vater des Toten sagt dazu: "Ich weiß nicht, was der Mann fühlte, aber auf dem Video sieht es aus, als ob er ein Wild im Wald erschießt."

Politiker positionieren sich klar

Nikki Haley, die Gouverneurin des Bundesstaates, sagte, dies sei nicht akzeptabel und "kein Hinweis, wie sich die Polizei in South Carolina verhält." Der Bürgermeister der Stadt erklärte: "Was er tat, war falsch."

Polizisten sollen Kameras

Proteste in Charleston | Bildquelle: dpa
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Eine Freundin des Opfers weint um den Toten.

Scott Walker, der Mann, der erschossen wurde, ist Vater von vier Kindern. Er wurde angehalten, weil sein Rücklicht kaputt war. Walker saß schon einmal im Gefängnis, weil er den Unterhalt an seine Kinder nicht zahlte. Seine Familie glaubt, er hatte Angst, erneut von der Polizei gefasst zu werden und versuchte deshalb wegzulaufen. Der Polizist behauptet, Walker hätte ihm seinen Elektroschocker weggenommen und deshalb habe er sich bedroht gefühlt. Doch das Video zeigt, als der Polizist schoss, lag der Elektroschocker auf dem Boden.

Der Fall hat wieder die Diskussion belebt, dass alle Polizisten Kameras am Hemd tragen sollen, damit solche Fälle regelmäßig aufgezeichnet werden und nicht nur durch einen Zufall.

Die Verantwortlichen hoffen nun, dass die Demonstrationen friedlich bleiben. "Ich kann ihnen versichern, bislang gibt es keine Unruhen in der Gemeinde", so Justin Bamberger, Abgeordneter in South Carolina, einem Bundesstaat im Süden der USA.

Reaktionen auf tödliche Schüsse in South Carolina
S. Fritz, SWR Washington
08.04.2015 17:54 Uhr

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