Auto rast in Charlottesville in eine Menschenmenge. | Bildquelle: AP

Nach Google-Blockade US-Neonazi-Webseite offline

Stand: 15.08.2017 17:26 Uhr

Die US-Neonazi-Webseite "The Daily Stormer" ist nicht mehr erreichbar. Die rechte Homepage hatte ein Opfer vom Auto-Anschlag in Charlottesville verhöhnt. Daraufhin blockierten die Internetkonzerne Google und GoDaddy die Seite.

Nach einem Boykott durch die Internetanbieter Google und GoDaddy ist die rechte Webseite "The Daily Stormer" offline. Nutzer aus Nordamerika, Europa und Asien konnten die Seite nicht mehr erreichen -stattdessen erscheint eine Fehlermeldung. Google und GoDaddy hatten am Montag und Sonntagabend angekündigt, die Seite müsse ihren Domainnamen beziehungsweise ihren Anbieter wechseln. Anlass war ein Artikel, in dem das Todesopfer des mutmaßlichen Hassverbrechens in der US-Kleinstadt Charlottesville verspottet wurde.

Verstoß gegen Geschäftsbedingungen

Der Schritt erfolgte inmitten mehrerer Reaktionen aus der US-Wirtschaftswelt auf die eskalierte Gewalt bei den Protesten von Ultrarechten. Google und GoDaddy erklärten jeweils, der "Daily Stormer" habe gegen ihre Geschäftsbedingungen verstoßen. Google gab an, die Internetseite zu blockieren und aus dem Register zu nehmen. Der auf die Registrierung von Domains spezialisierte Konzern GoDaddy teilte in einer Stellungnahme mit, dass der jüngste Artikel auf der Internetseite zusätzlich für Gewalt sorgen könne - und dies sei nicht mit den Richtlinien des Unternehmens zu vereinbaren.

Polizeiabsperrband am Tatort in Charlottesville | Bildquelle: AP
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Nach der Gewalt von Charlottesville ziehen auch US-Unternehmen Konsequenzen.

Spott und Häme für Opfer

Der Artikel auf der Neonazi-Seite hatte das Erscheinungsbild der 32-jährigen Frau verhöhnt, die am Samstag beim Angriff eines Autofahrers getötet worden war. Sie wurde in dem Text verspottet, weil sie keine Kinder hatte - zudem wurde erklärt, sie habe sich nicht schnell genug bewegt, um dem Auto auszuweichen. Zusammen mit anderen Gegendemonstranten hatte die Frau gegen den Aufmarsch von Ultrarechten in der Stadt Charlottesville protestiert. Die Polizei hält den 20-jährigen Fahrer seither unter anderem wegen des Verdachts des Totschlags und des Hassverbrechens fest.

In der US-Wirtschaftswelt regte sich angesichts der Vorkommnisse vom Wochenende Kritik gegen US-Präsident Donald Trump. Von Politikern und Vertretern der Zivilgesellschaft war bereits beklagt worden, dass Trump nach Charlottesville erst spät Stellung gegen Rechtsextremisten bezogen hatte. Als Konsequenz verließen Businessgrößen Beratergremien des Präsidenten. Bereits am Montag war der Merck-Chef Kenneth Frazier zurückgetreten, nun folgten die Unternehmenslenker von Intel und Under Armour, Brian Krzanich und Kevin Plank.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. August 2017 um 15:36 Uhr.

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