Zwei US-Marines beobachten ein V-22 "Osprey" Flugzeug bei der Landung in der afghanischen Provinz Helmand. | Bildquelle: REUTERS

US-Marines Nacktfoto-Skandal um Elite-Soldaten

Stand: 11.03.2017 13:54 Uhr

Die US-Marines sind stolz auf ihren Zusammenhalt und begreifen sich selbst als die Elite unter den Soldaten. Doch nun wird die Truppe von einem Skandal erschüttert: In einer Facebook-Gruppe sind anzügliche Fotos von weiblichen Marines aufgetaucht.

Von Rolf Büllmann, ARD-Studio Washington

Die US-Marines, die Marineinfanteristen der USA, sind etwas Besonderes. Sie sind mit rund 180.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten und knapp 40.000 Reservisten zwar die kleinste Teilstreitkraft der USA, doch sie haben einen Ruf wie Donnerhall: Marines kämpfen zu Lande, zu Wasser und in der Luft, und das - weil sie schnell verlegt werden können - oft an vorderster Front. Sie sehen sich als Elite, sie sind stolz auf ihre Hymne und ihr berühmtes Motto: "semper fidelis", immer treu.

Es gebe keine ehemaligen Marines, hört man in den USA oft - so stolz sind Marines auf ihren Zusammenhalt, ein Leben lang. Doch jetzt erschüttert ein Skandal die Marines. "Zu tun, was diese Marines getan haben - das rührt an den Kern dessen, was einen Marine ausmacht, an den heiligen Eid: 'semper fidelis' - immer treu. Sie waren ihren Marines-Kameraden eben nicht treu", sagt Ray Mabus, bis Ende Januar noch Secretary of the Navy, der im Verteidigungsministerium zuständig ist für die Marine und die Marines. 

Ex-Marine Erika Butner (rechts) bei einer Pressekonferenz | Bildquelle: AP
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Ex-Marine Erika Butner (rechts) ist eine der betroffenen Frauen.

"Beschämend für das Marine Corps"

Mabus spricht von einem Nacktfotoskandal, der die Marines erschüttert. In einer Facebook-Gruppe mit dem Namen "MarinesUnited" waren anzügliche Fotos von weiblichen Marines aufgetaucht, teilweise Nacktbilder, viele versehen mit Namen, Rang und Einsatzort der Soldatinnen. Rund 30.000 Mitglieder hatte diese Gruppe, die sich nur an aktive und ehemalige Marines richtet, und es gab Tausende herabwürdigende, sexistische Kommentare zu den Fotos, in denen auch immer wieder von sexueller Gewalt und Vergewaltigung die Rede war.

Das sei beschämend für das Marine Corps, für die Familien und die ganze Nation, sagt General Robert B. Neller, der Kommandeur der Marines. Für die Betroffenen aber ist es mehr als nur beschämend.

Opfer zeigt sich "entmutigt"

Eine von ihnen, Erika Butner, sagt, als Marine-Corps-Veteranin sei sie entmutigt und angewidert von diesem Skandal. "Entmutigt" ist dabei das Wort, das bei den Verantwortlichen im Militär alle Alarmglocken schrillen lässt. Denn jenseits des ungeheuren Skandals, den eine derartige Missachtung der Privatsphähre sowieso schon ist, hat der Vertrauensbruch Auswirkungen auf den Zusammenhalt, auf den die Marines so stolz sind.

Marines müssten sich doch gegenseitig den Rücken freihalten, klagt Mabus, der ehemalige Secretary of the Navy. Durch den Skandal würden die Marines aber zu einer schlechteren Kampfeinheit.

alt US-Verteidigungsminister Mattis | Bildquelle: AFP

US-Verteidigungsminister will ermitteln

US-Verteidigungsminister James Mattis hat ein hartes Durchgreifen in der Affäre um erotische Bilder weiblicher US-Marines angekündigt. "Die angeblichen Handlungen von Zivilisten und Militärangehörigen auf sozialen Netzwerken stellen eine empörende Verletzung der fundamentalen Werte dar, die wir beim Verteidigungsministerium hochhalten", teilte Mattis in einer Stellungnahme mit.

Neue Facebook-Seite gegründet

Die Facebook-Seite "MarinesUnited" gibt es mittlerweile nicht mehr, das Militär hat Ermittlungen aufgenommen - die nicht nur den Marines, sondern auch Army, Navy und Air Force gelten. Auch die Politik macht Druck, wie Senatorin Kirstin Gillibrand: "Wir reden von Frauen, die bereit sind, unserem Land zu dienen und sogar dafür zu sterben. Mit soviel Geringschätzung und Missachtung behandelt zu werden, das ist empörend."

Doch all das beeindruckt diejenigen, die den Skandal verursacht haben, offenbar nicht. Es gibt eine neue Facebook-Seite, mit dem Titel "marines united 2.0", kurz MU2, und dort werden wieder anzügliche Fotos hochgeladen - und schon wieder gibt es Tausende Nutzer.

Nacktfotoskandal erschüttert das US-Militär
R. Büllmann, ARD Washington
11.03.2017 00:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. März 2017 um 08:51 Uhr

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