Arizona Border Recon-Gruppe auf Patrouille

US-Bürgerwehr in Arizona Sie glauben, dass es auf sie ankommt

Stand: 30.10.2017 06:40 Uhr

Sie könnten an einem Pool liegen. Stattdessen verbringen diese Männer ihren Urlaub in einem improvisierten Wüstencamp mit geheimen Koordinaten. Sie glauben, dass es auf sie ankommt, um die US-Grenze nach Mexiko zu sichern.  

Eine Reportage von Verena Bünten, ARD-Studio Washington

14 Männer in Ganzkörper-Camouflage beugen sich über eine Landkarte, die sie mit Magneten auf der Motorhaube des staubigen Pickups befestigt haben. Es ist früher Morgen und doch schon 38 Grad heiß in der Wüste von Arizona im Grenzgebiet zu Mexiko. Nachdem sie die Route bestimmt haben, zieht der Trupp schweigend und mit Maschinengewehren schwer bewaffnet los zum Patrouillengang. Bei der Gruppe handelt es sich nicht um eine Spezialeinheit der US-Armee oder um den offiziellen Grenzschutz. Es sind Freiwillige, die mehrmals im Jahr wochenweise ein Zeltcamp in der Wüste aufschlagen - in der festen Überzeugung, Amerikas Grenze verteidigen zu müssen. Dafür nehmen viele von ihnen extra Urlaub.

Arizona Border Recon-Gruppe bei der Lagebesprechung
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Die selbsternannten Verteidiger der US-Grenze irgendwo in Arizona.

"Lügen aus Washington"

Tim Foley macht hier die Ansagen. Vor sieben Jahren hat er die "Arizona Border Recon" gegründet. Die 200 Mitglieder der Gruppe kommen aus unterschiedlichsten Bundesstaaten, Alters- und Berufsgruppen, vereint durch die Idee, Amerika müsse sich besser abschotten. "Die USA geben Millionen aus, um irgendwo auf der Welt Konflikte zu lösen, aber unsere eigene Grenze ist nicht besser als ein Kuhzaun", empört sich Foley. In der gebirgigen Wüstenlandschaft des Altar Valleys markieren ein halbhoher Stacheldrahtzaun und eine rostige Durchfahrsperre die Grenzlinie zu Mexiko. "Seit Jahren behaupten die Politiker und Bürokraten in Washington, die Grenze sei sicher. Die sind auf einem anderen Planeten", schimpft Foley.

Tim
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Tim Foley: arbeitslos, jetzt im Kampf gegen Drogenschmuggler

Für Foley ist das ein persönlicher Kampf: Nach 30 Jahren als Vorarbeiter auf dem Bau wurde er arbeitslos, die billigeren illegalen Arbeiter aber wurden weiter beschäftigt, sagt er. Sein eigentlicher Feind seien jedoch die Drogenschmuggler der mexikanischen Kartelle, die das abgelegene Gebiet auf einer ihrer Hauptrouten mit schweren Rucksäcken passieren. Wen auch immer die selbstberufenen Grenzschützer bei ihren Wachgängen aufspüren, sie versorgen sie mit Wasser und übergeben sie dann den offiziellen Grenzbeamten.

Beobachtungen
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Die Grenze fest im Blick: ein Mitglied der "Arizona Border Recon"

US-Grenzschutz zwischen Distanz und Zusammenarbeit

Diesmal sucht Foleys Miliz zwei vermeintliche Späher der Drogenkartelle, die sie in den Bergen gesehen haben. Nach stundenlangem versteckten Anmarsch im Gebirge finden sie nur deren leeren Schlafplätze und Schuhüberzieher aus Teppich, die die Fußspuren verwischen sollen. Es ist ein Katz-und Maus-Spiel und heute haben die anderen gewonnen. Ihre Waffen hätten sie noch nie benutzen müssen - alles angeblich nur Abschreckung. "Wir unterstützen solche privaten Gruppen nicht", heißt es offiziell vom US-Grenzschutz. "Ihre Aktivitäten können ernste Konsequenzen für die öffentliche Sicherheit haben." Doch die weißen Pickup-Trucks der Grenzschützer kreuzen immer wieder den Weg von Foleys Truppe. Zumindest auf der unteren Arbeitsebene kennt und verständigt man sich offensichtlich.

Arizona Border Recon-Gruppe beim Lagerfeuer
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Sie glauben, dass es auf sie ankommt. "Wir verstehen das als unsere Pflicht, die Leute zu stoppen, die meinen, sie könnten über die Hintertür hereinkommen. Es stoppt sie ja sonst keiner."

Kein Vertrauen in Trumps Mauer

Entlang der Grenze zu Mexiko gibt es diverse US-Bürgerwehren und Milizen. Das Southern Poverty Law Center, eine amerikanischen Bürgerrechtsorganisation, nennt Foleys Gruppe extremistisch. Sie selbst sehen sich als Patrioten. "Wir verstehen das als unsere Pflicht, die Leute zu stoppen, die meinen, sie könnten über die Hintertür hereinkommen. Es stoppt sie ja sonst keiner", sagt Lorenzo, der mehrfach im Jahr aus Kalifornien anreist. Die meisten der Männer haben Trump gewählt, auch wegen seines Versprechens "Amerika zuerst". Seine Mauer aber könne hier nicht helfen: "Schau dich in dem Gelände um, soll die Mauer hier die Berge raufgehen?", fragt Tim. "Vielleicht kann sie im Flachland helfen", ergänzt Randon, ein junger Veteran. "Aber du brauchst trotzdem Wachleute wie uns im Gelände. Wenn du eine sieben Meter hohe Mauer baust, dann kommen sie eben mit einer acht Meter hohen Leiter." Die selbsternannten Wächter der US-Grenze im Altar Valley halten sich noch lange für unentbehrlich.

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USA - Mexiko: Reise entlang beider Seiten der Grenzlinie (Februar 2017)

Grenze USA Mexiko: Zaun bei Dunes

3144 Kilometer lang ist die Grenze zwischen Mexiko und den USA. Weite Teile sind bereits mit einem Grenzzaun, hier bei Nogales/Arizona, gesichert. "Borderproject2017" ist eine Initiative der Nachrichtenagentur AFP. Die Fotografen Jim Watson, Guillermo Arias und Yuri Cortez reisten auf beiden Seiten des Zauns vom Pazifik bis nach Texas. (Foto: Jim Watson) | Bildquelle: AFP

Über dieses Thema berichtete am 30. Oktober 2017 das ARD-Morgenmagazin um 07:39 Uhr und tagesschau24 um 09:00 Uhr.

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