Rechtsstreit in der Türkei Gericht hebt Urteil gegen Selek auf
Stand: 11.06.2014 11:17 Uhr
Das oberste Gericht in Ankara hat der Berufung der zu lebenslanger Haft verurteilten Schriftstellerin Pinar Selek stattgegeben. Der Fall werde nun neu verhandelt, berichten türkische Medien.
Die Staatsanwaltschaft wirft Selek vor, als Mitglied der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Jahr 1998 im Ägyptischen Basar in der Istanbuler Innenstadt eine Bombe gezündet zu haben. Sie wies den Vorwurf zurück, wurde aber angeklagt und zweieinhalb Jahre inhaftiert. Nach eigenen Angaben wurde sie damals schwer misshandelt. Im Jahr 2000 kam Selek frei; seitdem lebt sie in Westeuropa. Trotz mehr als einem Dutzend Gutachten ist bis heute ungeklärt, ob es sich überhaupt um eine Bombe handelte oder um einen Unfall durch die Explosion eines Gasbehälters im Basar.
Gericht hebt Urteil gegen Publizistin Pinar Selek auf
C. Buttkereit, ARD Istanbul
11.06.2014 11:48 Uhr
Mehrere Urteile wieder aufgehoben
Im Verlauf des Rechtsstreits wurde Selek mehrmals freigesprochen, doch wurden die Freisprüche immer wieder von übergeordneten Gerichten kassiert. Zuletzt war sie im Januar 2013 von einem Istanbuler Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden; dieser Schuldspruch wurde nun von den Berufungsrichtern in Ankara aufgrund von Formfehlern aufgehoben.
"Wir sind erleichtert. Das ist ein unerhörter Justizskandal, der sich über 16 Jahre hingezogen hat", sagte die Generalsekretärin von PEN-Deutschland, Regula Venske, der Nachrichtenagentur dpa.
