Amsterdam: Haftstrafen nach tödlicher Attacke auf Schiedsrichter

Urteil gegen Fußballspieler in den Niederlanden

Haftstrafen nach tödlicher Prügelattacke

Die Tat hatte die Niederlande geschockt: Wegen einer vermeintlichen Fehlentscheidung schlug eine Gruppe junger Fußballspieler im vergangenen Dezember einen Linienrichter brutal zusammen. Der Mann starb kurz darauf. Jetzt folgten die Urteile.

Von Ludger Kazmierczak, ARD-Hörfunkstudio Kleve

Für so manchen Prozessbeobachter ist das Urteil eine Überraschung: Die Aussagen der rund 60 Zeugen waren teilweise sehr widersprüchlich, und die wenigen Fotos, die von der Prügelattacke existieren, lassen sich nicht eindeutig interpretieren. Und dennoch kamen die Richter zu dem Schluss, dass sieben der insgesamt acht Angeklagten sich des gemeinschaftlichen Totschlags schuldig gemacht haben.

Zeichen der Trauer für den verstorbenen Referee (Bildquelle: dpa)
galerie

Zeichen der Trauer stehen für den verstorbenen Linienrichter am Spielfeldrand. (Archivbild)

Der 51-jährige Betreuer des Amsterdamer Vorstadtclubs Nieuw Sloten soll deshalb für sechs Jahre ins Gefängnis. Die 16- und 17-jährigen Spieler erwartet eine ein- bis zweijährige Jugendhaftstrafe. Ein weiterer Jugendlicher kommt mit 30 Tagen Arrest davon, weil er nicht auf den Linienrichter, sondern nur auf den gegnerischen Torwart losgegangen war.

Sohn des Opfers sagte als Zeuge aus

Mykel, einer der Söhne des getöteten Richard Nieuwenhuizen, zeigte sich nach dem Urteilsspruch erleichtert. Er hatte während der fünftägigen Verhandlung als Zeuge ausgesagt und die Angeklagten schwer belastet. "Ich habe ja alles mit eigenen Augen gesehen. Ich weiß, was passiert ist. Und deshalb bin ich froh über die Urteile. Ich hoffe, dass davon ein Signal ausgeht. Das wird hoffentlich abschreckende Wirkung haben."

Richter folgten der Anklage

Die Richter in Lelystad folgten mit ihren Entscheidungen exakt den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Nach Überzeugung des Gerichts starb der Hobby-Linienrichter an den Folgen seiner schweren Verletzungen durch die Prügelattacke. Die Angeklagten hätten den am Boden liegenden 41-Jährigen getreten, als sei dieser ein Fußball und kein Mensch, so die Juristen. Die Theorie eines Verteidigers, wonach Nieuwenhuizen aufgrund eines Defekts in der Halsschlagader gestorben sei, fand das Gericht nicht besonders glaubwürdig.

Jamie Nieuwenhuizen, der älteste Sohn des Opfers, hofft, dass der tragische Fall seines Vaters nun zu einem Umdenken in der Gesellschaft führt: "Ich glaube, dass wir heute alle gemeinsam damit beginnen, Stellung zu beziehen. Es ist noch viel zu tun, weil es in unserer Gesellschaft immer noch zu wenig Respekt gibt. Daran müssen wir arbeiten. Und dieses Urteil kann dazu beitragen."

Haftstrafen wegen Tod eines Linienrichters
L. Kazmierczak, ARD Den Haag
17.06.2013 16:59 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Verteidiger wollen Berufung einlegen

Die Anwälte der Verurteilten reagierten mit Unverständnis auf die Schuldsprüche. Das Gericht stütze sich auf Aussagen von Zeugen, die nicht objektiv gewesen seien, erklärte einer der Verteidiger. Und auch ein wissenschaftliches Gutachten aus Großbritannien über die gesundheitlichen Probleme des Opfers hätten die Richter ignoriert, so der Jurist. Wie die meisten seiner Kollegen in dem Fall will er in Berufung gehen.

Nieuwenhuizen war Anfang Dezember auf dem Sportplatz von Almere mehrfach geschlagen und getreten worden. Der ehrenamtliche Schiedsrichterassistent hatte sich zwar zunächst aufraffen können, war aber wenige Stunden später zusammengebrochen und einen Tag später im Krankenhaus gestorben.

Stand: 17.06.2013 17:03 Uhr

Darstellung: