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"Sicherheitsakademie" im Westjordanland
Feuer frei zum Urlaubsspaß
"Aggressivität üben im Urlaub" - für 100 Dollar können Touristen im Westjordanland trainieren, wie man eine Waffe benutzt. Auf dem Schießplatz in Sichtweite des Siedlungsblocks Gush Etzion lehrt ein ehemaliger Oberstleutnant der israelischen Armee, wie sich die Teilnehmer selbst verteidigen können.
Von Sebastian Engelbrecht, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv
25 Männer, Frauen und Kinder haben sich auf einem Schießplatz versammelt - im Westjordanland, am Rande des israelischen Siedlungsblocks Gush Etzion, zwischen Bethlehem und Hebron. Die Ziele hängen an der Leine, vor einer Felswand: Weiße rechteckige Blätter mit einem schwarzen Punkt in der Mitte - und drei Fotos von Terroristen. Einer trägt ein rot-weißes Palästinensertuch um den Kopf und eine Pistole in der Hand, ein anderer, im schwarzen T-Shirt, zielt mit der Waffe auf die Familien, die hier gerade lernen, sich selbst zu verteidigen.
"Ich bin ein lieber Kerl"
Schai Isch Schalom, der Ausbilder, ist 57 Jahre alt. Er hat graue kurze Haare, einen durchtrainierten Körper. Bei der israelischen Armee war er Oberstleutnant. "Ich bin ein lieber Kerl", sagt er seinen Zuhörern und lacht. Er will ihnen beibringen, bereit zu sein, wenn sie sich selbst verteidigen müssen. Sie sollen "Aggressivität üben".
Der Touristenkurs dauert drei Stunden. Die Teilnahme kostet 100 Dollar pro Person. Im Sommer findet er drei Mal in der Woche statt. Gekommen sind vor allem US-amerikanisch-jüdische Familien. Ein etwa fünfjähriges Mädchen ist dabei, ein sechsjähriges und ein achtjähriges Mädchen, zwölfjährige und 18-jährige Jungen. Sie rennen mit Holzgewehren über den Platz, stoppen, legen die Waffe an. Dann bekommen sie echte kleinkalibrige Gewehre in die Hand. Mit so einem sei John F. Kennedy ermordet worden, sagt Schai Isch Schalom und fordert alle auf, keine Dummheiten zu machen.
Walter ist zwölf Jahre alt und kommt aus New York. Wenn er lächelt, wird seine Zahnspange sichtbar. Auf dem Kopf ruht ein schwarzes Käppi. "Ich habe gelernt, wie man eine Waffe benutzt. Als ich das das erste mal gemacht habe, ist mein ganzer Körper gesprungen. Das war ein Spaß." Ja, es habe ihm gefallen. "Wenn jetzt jemand in mein Haus einbricht und alle bedroht, dann werde ich einfach auf ihn zielen und ihn töten."
Urlaubsvergnügen auf dem Schießplatz
S. Engelbrecht, ARD Tel Aviv
29.08.2012 19:48 Uhr
Walters Mutter, eine 40-Jährige in blütenweißer Bluse und mit riesiger Sonnenbrille auf der Nase, ist begeistert. "Das war phantastisch. Wirklich toll. Eine sehr gute Lernerfahrung. Es ist ein sehr mächtiges Gefühl, einfach eine gute Erfahrung. Es ist sehr interessant zu erfahren, wie das israelische Militär arbeitet."
Frage nach dem Sinn
Avi Kapun, einer der Leiter der Sicherheitsakademie, nimmt sich noch Zeit für ein Interview. Was ist eigentlich der Sinn des Kurses, wo doch die meisten Teilnehmer gar keine Waffe zu Hause haben? "Israel und vor allem die Juden, deren Blut vor 70 Jahren wie Wasser vergossen wurde - sie sind heute in der Lage, nicht nur sich selbst zu verteidigen, sondern sie gründen sogar so eine Akademie zur Selbstverteidigung. Und sie lehren Leute aus der ganzen Welt, wie sie sich schützen können."
Stand: 30.08.2012 02:16 Uhr
