Ungarn: Antisemitischer TV-Moderator gibt Preis zurück

Nach Protesten an Ungarns Regierung

Antisemitischer TV-Moderator gibt Staatspreis zurück

Es war eine für viele unfassbare Überraschung, als der ungarische TV-Moderator Szaniszló den höchsten staatlichen Journalistenpreis des Landes erhielt. Minister Balog löste damit eine Protestwelle aus. Nun hat Szaniszló den Preis zurückgegeben. Und Balog wurde zum Rücktritt aufgefordert.

Von Stephan Ozsvath, ARD-Hörfunkstudio Südosteuropa

Der Auftritt war voller Pathos. In seinem Stammsender "Echo TV" trat Ferenc Szaniszló auf. In einer Sondersendung erklärte er, warum er den Táncsics-Preis, die wichtigste Auszeichnung für Publizisten in Ungarn, zurückgibt.

Der Verschwörungstheoretiker blieb sich auch an diesem Abend treu: "Weil ich den Táncsics-Preis bekommen habe, den ich nicht erwartet und gewollt hatte, wird beispielloser Druck auf unsere Heimat ausgeübt. Nicht einmal vor Sanktionen würden die USA, Israel, Frankreich, Deutschland und ihre hiesigen Verbündeten zurückschrecken. Ich kann nicht zulassen, dass Ungarn mit diesen infamen Begründungen gewürgt wird. Sollen sie doch alle feiern. Zum Preis der Erpressung meiner Nation - des Würgens unserer Heimat - brauche ich den Preis nicht."

Rechtsextremer Moderator gibt ungarischen Publizistikpreis zurück
S. Ozsváth, ARD-Hörfunkstudio Südosteuropa
21.03.2013 13:34 Uhr

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Seine Worte seien aus dem Zusammenhang gerissen worden, beklagt sich der Journalist. Gegen ihn werde eine Verleumdungskampagne geführt, so Szaniszló.

Minister gesteht Fehler ein

Der ungarische Minister für menschliche Ressourcen, Zoltan Balog (Bildquelle: picture alliance / Stanislav Jen)
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Gestand reumütig seinen Fehler ein: Minister Balog.

Nach internationaler Kritik hatte der zuständige Minister für Humanressourcen, Zoltan Balog, den umstrittenen Moderator am Mittwoch aufgefordert, den Preis zurückzugeben. Im Parlament gab er sich reumütig: "Ich habe einen Fehler begangen. Ich wollte die Arbeit anerkennen, die ich kannte. Etwa die Arbeit für das außenpolitische Magazin Panorama. Er [Szaniszló; Anm. d. Red.] spielte eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Ceacescu-Diktatur. In den 90er-Jahren während der Balkan-Kriege hat er unter Lebensgefahr aus kroatischen Städten wie Vukovar berichtet. Das kannte ich und wollte ich auszeichnen. Ich kannte die späteren Äußerungen nicht, die in die irrationale Kategorie gehören und die inakzeptabel sind."

"Ich möchte nicht im gleichen Klub sein"

Die Verschwörungstheorien Szaniszlós nicht zu kennen, ist zumindest ungewöhnlich. Denn der Journalist hetzt regelmäßig in "Echo TV" gegen Juden und Roma und gegen das böse Ausland. Weil er Roma als "Menschenaffen" bezeichnete, hatte die staatliche Medienbehörde 2011 sogar eine Geldstrafe verhängt.

Ein Dutzend ehemaliger Preisträger gab die Auszeichung aus Protest gegen die Szaniszló-Ehrung zurück, darunter auch György Nej. "Ich möchte nicht im gleichen Klub wie dieser Herr sein", sagte er. Und die Journalistin Katalin Rangos begründete ihre Entscheidung so: "Es ist empörend, dass er das ganz normal tun konnte. Dass ein Medium das zulässt, und sie haben den Sender ja auch schon einmal bestraft."

Internationale Proteste setzen Regierung unter Druck

Minister Balog ruderte scheibchenweise und nur nach massivem Druck zurück. Erst ließ er verlauten: Der Preis sei vergeben, das sei nicht mehr rückgängig zu machen. Dann hatten sich die Botschafter der USA und Israels bei der Regierung Orbán beschwert. Und das machte offenbar Eindruck.

Erst gestern legte Balog Szaniszló dann nahe, den Táncsics-Preis wieder zurückzugeben. Der Abgeordnete István Nyakó von den oppositionellen Sozialisten vermutet politisches Kalkül hinter der umstrittenen Ehrung: "Was passiert in diesem Land, in dem sie einen Szaniszló auszeichnen? Dachten Sie, die Hassreden gehen unbemerkt durch oder wollten Sie den Applaus der Rechtsextremen?"

Opposition fordert Balogs Rücktritt

Die beiden anderen Geehrten - der Sänger der Rechtsrock-Band "Kárpátia" und der rechtsextreme Archäologe, Kornél Bakay, - dürfen den höchsten ungarischen Staatspreis für Publizisten offenbar behalten.

Aufgrund des Zick-Zack-Kurses des Ministers forderte die gewerkschaftsnahe Oppositionsbewegung "Szolidaritás" Balog in einem offenen Brief auf, zurückzutreten.

Dieser Beitrag lief am 21. März 2013 um 12:51 Uhr auf NDR Info.

Stand: 21.03.2013 14:09 Uhr

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