Ungarns Regierung ehrt Antisemiten mit Orden

Empörung über Preisträger

Ungarns Regierung ehrt Antisemiten mit Orden

Der ungarische Minister für menschliche Ressourcen, Zoltan Balog (Bildquelle: picture alliance / Stanislav Jen)
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Der zuständige Minister Zoltan Balog gab sich unwissend: Von den antisemitischen Äußerungen Ferenc Szaniszlos habe er nichts gewusst.

Ungarns rechtskonservative Regierung hat offenbar mehrere Personen geehrt, die für antisemitische und rechtsextreme Positionen bekannt sind. So verlieh sie ungarischen Medienberichten zufolge den Tancsics-Preis, die höchste staatliche Ehrung für Journalisten, an den Fernsehmoderator Ferenc Szaniszlo. Dieser hatte in dem Sender Echo TV antisemitische Verschwörungstheorien verbreitet und die Minderheit der Roma als "Menschenaffen" diffamiert. Die staatliche Medienaufsichtsbehörde hatte den Sender deshalb 2011 mit einer Geldstrafe belegt. Aus Protest gegen die Ehrung Szaniszlos gaben mehr als zehn frühere Preisträger die Auszeichnung zurück.

Preis auch an Archäologen Bakay

Mit Verdienstorden ausgezeichnet wurde zudem der Archäologe Kornel Bakay, der von Jesus Christus behauptet, er sei kein Jude, sondern ein Prinz aus dem - angeblich mit den Ungarn verwandten - alt-iranischen Volk der Parther gewesen. Zudem unterstellt er den Juden, im Mittelalter Sklavenhandel organisiert zu haben.

Sänger Petras ebenfalls geehrt

Ein Goldenes Verdienstkreuz ging an den Sänger der Rockband "Karpatia", Janos Petras. Die Gruppe gilt als die "Hausband" der rechtsextremen Parlamentspartei Jobbik. Sie schrieb auch den Marsch für die inzwischen verbotene, von der Jobbik ins Leben gerufenen paramilitärischen "Ungarische Garde". Die Band besingt in ihren Texten die "unbefleckte Nation" und ruft zu gewaltsamen Veränderungen der Grenzen Ungarns auf.

Der für die Entscheidungen zuständige Minister, Zoltan Balog, äußerte sich nicht zu den Preisen für Bakay und Petras. Die Auszeichnung des Fernsehmoderators Szanilos nannte er im Nachhinein "bedauerlich". Er habe von den antisemitischen Äußerungen des Fernsehmannes nicht gewusst, behauptete Balog. Für eine Aberkennung des Preises gebe es aber keine juristische Handhabe

Ungarische Regierung ehrt Antisemiten und Romahasser
S. Ozsváth, ARD Wien
17.03.2013 13:47 Uhr

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Nach Einschätzung von Beobachtern will Ministerpräsidenten Victor Orban mit den Auszeichnungen Jobbik und andere Rechtsextreme in Ungarn umgarnen. Bei der Parlamentswahl 2010 hatte Jobbik knapp 17 Prozent der Stimmen errungen. Laut einer Umfrage des Instituts Median vom Februar wollen mittlerweile 19 Prozent der ungarischen Bürger Jobbik ihre Stimme geben. Damit würde sie zweitstärkste Kraft hinter Orbans Fidesz (41 Prozent). Die linksgerichtete Opposition ist der Umfrage zufolge gespalten: Die Sozialisten kamen auf 17, das Wahlbündnis "2014 Gemeinsam" auf 15 Prozent.

Stand: 17.03.2013 15:22 Uhr

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