Viktor Orban bei einer Rede in Budapest: Er kommt mit seiner Politik im eigenen Land gut an | Bildquelle: REUTERS

Stimmung in Ungarn Wie sehen die Ungarn Orbans Flüchtlingspolitik?

Stand: 07.09.2015 11:14 Uhr

Grenzzaun, Chaos am Bahnhof, harter Kurs: Das unbarmherzige Vorgehen des ungarischen Regierungschefs Viktor Orban wird von außen kritisiert. Doch wie sehen die Ungarn seine Flüchtlingspolitik? Auch wenn es Hilfsbereitschaft gibt - die Angst beschert Orbans Partei regen Zulauf.

Von Ralf Borchard, ARD-Hörfunkstudio Wien

Nach außen mag Viktor Orbans Flüchtlingspolitik unbarmherzig hart und widersprüchlich wirken, innenpolitisch kann sie der ungarische Regierungschef aber als Erfolg verbuchen. Wohlkalkuliert ist auch sein jüngstes Interview im Österreichischen Fernsehen. Deutschland und Österreich müssten die Grenzen umgehend wieder schließen und klar sagen, dass sie keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen: "Solange Österreich und Deutschland nicht klar sagen, dass sie keine weiteren Migranten mehr aufnehmen, solange werden mehrere Millionen neuer Einwanderer nach Europa kommen", sagte Orban.

So versucht er, die Verantwortung von sich selbst weg- und vor allem Angela Merkel zuzuschieben. Nicht Ungarns Behandlung der Flüchtlinge sei das Problem, sondern Deutschlands Bereitschaft, sie aufzunehmen, so Orbans Tenor. In anderen Interviews warnte er auch schon vor "zehn Millionen" weiteren Flüchtlingen. Er sagte pauschal, Ungarn wolle "keine Muslime", und kündigte an, am Grenzzaun zu Serbien künftig Militär zu stationieren.

"Die Migranten sind schrecklich und hartnäckig"

In den jüngsten Umfragen legte Orbans Fidesz-Partei zu. Monatelang hatte sie an Zustimmung verloren, aber nun ist der Abwärtstrend gestoppt, konstatiert das Institut Republikon. Fidesz liegt demnach bei 38 Prozent, die rechtsradiale Jobbik-Partei bei 25, die Sozialisten liegen bei 21 Prozent.

Was die Umfrage auch ergab: 66 Prozent der Ungarn glauben, Flüchtlinge stellten eine Gefahr für das Land dar, nur 19 Prozent sehen es als Pflicht, Flüchtlinge aufzunehmen. Eine Rentnerin in Budapest sagt: "Ich bin empört, dass so viele Menschen zu uns kommen. Die Lage ist grauenhaft, chaotisch. Ich finde, die Regierung hat richtig gehandelt. Die Migranten sind schrecklich und hartnäckig. Sie weigern sich, in Aufnahmelager zu gehen. Sie wollen gar nichts, nur weiter nach Deutschland und Österreich."

Was die Ungarn über Orbans Flüchtlingspolitik denken
R. Borchard, ARD Wien
07.09.2015 09:53 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Zwischen Abwehr und Hilfe

Eine junge Frau formuliert ihre Ängste so: "Als ich das letzte Mal mit dem Zug nach Budapest gefahren bin, haben etwa zehn Polizisten den Zug kontrolliert, und alle Flüchtlinge mitgenommen. Ich habe einfach Angst gekriegt. Angst vor Krankheiten der Flüchtlinge. Und Angst davor, dass die Flüchtlinge selbst Angst haben, um ihre Kinder und Wertsachen. Wie werden sie sich dann gegenüber uns verhalten?"

Ganz anderer Meinung ist ein ungarischer Student: "Die Regierung sollte mehr für die Flüchtlingen tun. Ich denke, diese vielen Menschen, Zehntausende, haben sie überrascht. Trotzdem merkwürdig, dass so viele in der Unterführung am Ostbahnhof hausen mussten. Da hätte man sicherlich mehr tun können. Auch wenn es schwer ist, von einer Woche auf die andere Tausenden eine Unterkunft zu sichern."

Dass es in Ungarn auch Hilfsbereitschaft gibt, zeigte sich gerade am Budapester Ostbahnhof. Den dort lagernden Flüchtlingen wurde vor allem privat geholfen. Doch eine Änderung von Orbans Flüchtlingspolitik ist auf absehbare Zeit nicht in Sicht.

Kritik an EU-Flüchtlingspolitik: Ungarns Regierungschef Orban fordert Abschottung
07.09.2015

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Darstellung: