Wahl der Generalsekretärin

Französin Azoulay soll UNESCO führen

Stand: 13.10.2017 21:35 Uhr

Die UNESCO steckt in der Krise - nun soll eine Frau die UN-Kulturorganisation führen und sie neu ausrichten. Die ehemalige französische Ministerin Azoulay ist als Generalsekretärin gewählt worden. Nun muss noch die Generalkonferenz im November zustimmen.

Die frühere französische Ministerin Audrey Azoulay soll künftig die UN-Kulturorganisation UNESCO führen. Die 45-Jährige habe sich im Exekutivrat gegen den katarischen Kandidaten Hamad bin Abdulasis al-Kawari mit 30 Stimmen zu 28 Stimmen durchgesetzt, teilte die UNESCO in Paris mit. Die Organisation steckt in der Krise, da die USA und Israel am Donnerstag überraschend ihren Austritt angekündigt hatten.

Es geht um die Nachfolge der aktuellen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokowa aus Bulgarien. Das Wahlverfahren hatte am Montag mit Kandidaten aus sieben Ländern begonnen. Der Exekutivrat hat 58 Mitglieder. Die nun nominierte Azoulay braucht noch die Zustimmung der Generalkonferenz am 10. November.

Frankreich fordert schon seit längerem ein neues Konzept für die UNESCO, um tiefe politische Gräben zu überwinden und Vertrauen zu schaffen. Die Zukunft der UNESCO hat für Frankreich als Sitzland eine besondere Bedeutung.

Nominierung ist Erfolg für Macron

Die Nominierung Azoulays ist auch ein diplomatischer Erfolg für den seit Mai amtierenden Staatspräsidenten Emmanuel Macron. Azoulay war 2014 zur Kulturberaterin von Macrons Amtsvorgänger François Hollande aufgestiegen. 2016 übernahm die Absolventin der Elitehochschule ENA dann für etwa ein Jahr lang das französische Kulturressort.

Azoulay selbst nennt sich eine "Weltbürgerin mit familiären Bindungen nach Marokko". Ihr Vater ist der einflussreiche marokkanische Bankier und Politiker André Azoulay, der König Mohammed von Marokko berät wie zuvor dessen Vater Hassan. Azoulays Mutter ist die Schriftstellerin Katia Brami.

Im Schatten des Nahost-Konflikts

In den vergangenen Jahren stand die Arbeit der UNESCO immer wieder im Schatten von Streit um den Nahostkonflikt. Nach der Aufnahme Palästinas hatten die USA bereits 2011 ihre Zahlungen an die UNESCO gestoppt - dabei wären sie eigentlich der größte Beitragszahler. Die UNESCO ist vor allem für die Listen des Weltkulturerbes bekannt. Doch die Organisation mit 2100 Mitarbeitern und einem dreistelligen Millionen-Etat ist in vielen weiteren Feldern aktiv - von Bildung über Biosphärenreservate bis Gleichberechtigung.

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Französin Azoulay soll neue UNESCO-Generaldirektorin werden
Kerstin Gallmeyer, ARD Paris
13.10.2017 23:20 Uhr