Warten auf Nahrung, diese Menschen warten darauf, dass Helfer Nahrung verteilen.  | Bildquelle: dpa

UN-Nothelfer zur Situation in Syrien Ein winziger Hoffnungsschimmer

Stand: 30.03.2016 21:35 Uhr

Vor dem UN-Sicherheitsrat hat ein Nothelfer das Elend der Menschen in Syrien deutlich gemacht. Jahre internationalen Versagens hätten Tod und Zerstörung gebracht. Doch mit der Waffenruhe gebe es Hoffnung für die Syrer.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Fünf Jahre brutaler und sinnloser Kampf habe in Syrien geherrscht, so UN-Nothelfer Stephen O'Brien vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Nun gibt es endlich einen ersten Hoffnungsschimmer, von dem berichten kann: "Deutlich weniger Zivilisten werden seit Beginn der Waffenruhe vor einem Monat getötet oder verwundet - wenigstens in manchen Landesteilen hat das den Menschen eine Atempause gegeben."

Es ist eine Atempause, die erst nach Jahren internationalen Versagens kam, eine Atempause, die den Vereinten Nationen und anderen Hilfsorganisationen nun unmittelbar deutlich mehr Hilfe ermöglicht: Essen, Wasser, Medikamente.

Hilfskonvois sind endlich möglich

Die UN und andere Hilfsorganisationen hätten seit Jahresanfang über 400 000 Menschen zusätzlich erreicht - manche das erste Mal in Jahren, erklärt der Nothelfer dem Sicherheitsrat. Bis Ende April könne diese Zahl auf 800 000 ansteigen. Er würdigte auch, dass die syrische Regierung Hilfstransporte nun bereits binnen Tagen genehmige - damit sei wenigstens eine Voraussetzung, für sichere Lastwagenkonvois gegeben. "Ganz ausdrücklich begrüße ich das Engagement der syrischen Regierung die Abläufe für solche Transporte zu vereinfachen", so O'Brien.

Ein Konvoi des Roten Kreuzes wird in Damaskus vorbereitet | Bildquelle: AFP
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Der Rote Halbmond bringt mit Hilfskonvois Nahrung des UN Welternährungsprogramms.

Vergangenes Jahr dagegen habe das Assad Regime drei Viertel der UN-Anfrage komplett unbeantwortet gelassen, setzt O'Brien noch hinzu. Während die Vereinten Nationen in Genf dringend vor allem an reichere Länder appellieren, angesichts der größten Flüchtlingskrise unserer Zeit, wie UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sie nennt, mehr Menschen aufzunehmen, kann O'Brien in New York seinen guten Botschaften noch eine weitere hinzufügen: "Das Kinderhilfswerk und die Weltgesundheitsorganisation planen eine syrienweite Impfaktion für eine Million Kinder. "

Eine stabile Waffenruhe ist wichtig

All die guten Botschaften aber haben eines gemeinsam: Sie brauchen eine stabile Waffenruhe und ungehinderten Zugang auch zu belagerten und schwer erreichbaren Gebieten. Beides aber ist dem Bericht zufolge nach wie vor nicht uneingeschränkt gegeben - ein Beispiel: Daraa, nur 100 Kilometer südlich der Hauptstadt Damaskus, die Wiege des syrischen Aufstands gegen Assad: "Ganz besonders dort ist die Lage schrecklich," erzählt der Nothelfer. "Wir bekommen Berichte, wonach es an Essen fehlt, an sauberem Wasser, Medikamenten, Strom. Berichte, wonach die Leute sogar gezwungen sind, Gras zu essen."

Daraa wurde Ende Januar von der syrischen Armee eingenommen | Bildquelle: dpa
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Daraa wurde Ende Januar von der syrischen Armee eingenommen.

Außerdem leben zwei Millionen Menschen in Gebieten, die die Terrorgruppe Islamischer Staat kontrolliert. Zu ihnen habe man so gut wie keinen oder gar keinen Zugang, sagt der Nothelfer. Stattdessen immer wieder Berichte, von weitreichenden Menschenrechtsverletzungen.

Erster Schritt, die Not zu lindern

Ein erster Schritt ist gemacht, um die seit fünf Jahren andauernde Not in Syrien zu lindern - das ist die Bilanz von O'Brien. Aber eben nur ein erster Schritt - viel müsse noch geschehen, um die insgesamt 13,5 Millionen Hilfsbedürftigen im Land zu erreichen. "Die Wahrheit ist: Wir sind noch weit entfernt von einem nachhaltigen, bedingungslosen und ungehinderten Zugang, wie das Völkerrecht ihn vorsieht."

Hoffnungsschimmer aus Syrien: UN-Nothilfekoordinator berichtet von Fortschritt
K. Clement, ARD New York
30.03.2016 21:16 Uhr

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