Der russische Außenminister Lawrow spricht am Rednerpult vor der UN-Vollversammlung. | Bildquelle: dpa

Konflikt zwischen USA und Nordkorea Russland mahnt "Hitzköpfe" zur Besonnenheit

Stand: 23.09.2017 08:46 Uhr

Der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea artete zuletzt in wüsten Beleidigungen aus: Keine Seite will einlenken, stattdessen folgten neue Drohungen. Am Rande der UN-Vollversammlung hat Russlands Außenminister Lawrow zu gemäßigteren Tönen aufgerufen.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Gedränge im Presseraum der Vereinten Nationen - Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat eingeladen und alle sind gekommen. Fast eine Stunde lang wird er Fragen von Journalisten beantworten. Gleich die erste zielt auf ein Hauptthema der UN-Generaldebatte ab: Nordkorea.

Man müsse jetzt die "Hitzköpfe" in diesem Konflikt beruhigen, sagt Lawrow und meint neben dem nordkoreanischen Regime auch die USA.

Verbale Eskalation erreicht neuen Höhepunkt

Lawrows Worte klingen fast so wie die von UN-Generalsekretär Antonio Guterres. Der hatte zum Auftakt des Redenmarathons von Staats- und Regierungschefs bei der UN-Vollversammlung gewarnt, feurige Reden würden lediglich zu Missverständnissen führen.

Zwei aber haben sich daran so gar nicht gehalten: US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un haben sich stattdessen mit Beleidigungen überzogen. Trump spricht von einem Irren, einem "Raketenmann", der auf den Selbstmord zusteuere. Kim nennt das ein Hundegebell und bezeichnet Trump als "geisteskranken, dementen Greis". Sein Außenminister droht gar mit dem Test einer Wasserstoffbombe als Reaktion.

EU-Staat als Vermittler?

Diesen beständigen Austausch von Drohungen bezeichnete Lawrow als schlechten Weg. Eine neue Vermittlungsinitiative im Nordkorea-Konflikt legt der russische Außenminister aber nicht vor: "Für das nukleare Problem auf der koreanischen Halbinsel haben wir keine neuen Vorschläge. Denn wir sind überzeugt, dass das Potenzial des russisch-chinesischen Fahrplans noch nicht ausgereizt ist."

Dieser "Fahrplan" besagt, dass die USA und Südkorea ihre Militärmanöver in der Region einstellen. Nordkorea müsste dafür im Gegenzug seine Atom- und Raketentests beenden. Dafür, so Lawrow, würde er die Vermittlung durch einen neutralen europäischen Staat begrüßen. Den nordkoreanischen Außenminister Ri Yong Ho, der noch bei der UN-Generaldebatte sprechen wird, werde er aber in New York nicht treffen.

Lawrow stellt sich hinter Atomabkommen mit Iran

Auch zu einem weiteren Streitthema äußerte sich Lawrow: Dem von den USA scharf kritisierten Atomabkommen mit dem Iran. Das Abkommen, das die USA womöglich aufkündigen wollen, sei abgeschlossen und vom UN-Sicherheitsrat angenommen, bekräftigt Lawrow. Eine Wiedereröffnung der Gespräche wolle Russland genauso wenig wie die anderen beteiligten Partner - außer den USA. Das würde auch für andere Atomkonflikte - etwa den mit Nordkorea - das falsche Signal senden. Der deutsche Außenminister habe das in New York sehr überzeugend erklärt, so Sergej Lawrow.

„Die Hitzköpfe beruhigen” – Russischer Außenminister zu Trump und Kim Jong Un
Kai Clement, ARD New York
22.09.2017 23:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. September 2017 um 05:03 Uhr.

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