Rex Tillerson | Bildquelle: REUTERS

UN-Sicherheitsrat zu Nordkorea Schauspiel der Zerstrittenheit

Stand: 15.12.2017 21:44 Uhr

Statt geeint im Konflikt mit Nordkorea präsentiert sich der UN-Sicherheitsrat wieder nur zerstritten: US-Außenminister Tillerson nutzt die Gelegenheit zur Kritik an Russland und China - die keilen zurück. Das nutzt vor allem Nordkorea.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Das Treffen hätte ein Zeichen der Stärke sein können: Einigkeit im Sicherheitsrat nicht nur darin, Nordkoreas Raketen- und Atomtests zu verurteilen. Einigkeit auch darin, wie dagegen vorzugehen ist. Dementsprechend klingt auch der Appell von UN-Generalsekretär Antonio Guterres in seinen Eröffnungsworten: "Die Einigkeit des Sicherheitsrates ist bei diesen Bemühungen essentiell", sagte er.

Demonstrative Uneinigkeit

Doch stattdessen bekommt der nordkoreanische UN-Botschafter auf der Bühne des Sicherheitsrates ein Schauspiel der Zerstrittenheit geboten - und das in hochkarätiger Besetzung. US-Außenminister Rex Tillerson greift besonders China und Russland scharf an: "Weiterhin nordkoreanischen Arbeitern zu erlauben, unter sklavenähnlichen Bedingungen in Russland zu schuften und mit den Löhnen Nordkoreas Nuklearprogramm zu finanzieren, das stellt Russlands Rolle als Partner für den Frieden in Frage." Auch China behindere mit seinen Rohöl-Lieferungen eine Lösung, sagt er.

Beide Mächte wehren sich gegen die Kritik. Russlands UN-Botschafter Wassilij Nebentsja erteilt dem US-Außenminister zudem noch eine kleine Schulstunde: "Diplomatie heißt nicht einfach nur Sanktionen. Sanktionen sind keine Diplomatie, wie uns einige Partner weismachen wollen."

US-Außenminister Tillerson hatte noch am Dienstag Nordkorea für den Fall einer Raketentest-Pause bedingungslose Gespräche angeboten - und wurde daraufhin vom Weißen Haus zurückgepfiffen. US-Präsident Donald Trump fährt eine Strategie von "maximum pressure", höchstem Druck also.

"Türen stehen Nordkorea offen"

So formuliert Tillerson - kurz nach dem Treffen des Sicherheitsrats - diesmal vorsichtiger: "Wir werden unsere Kampagne des Drucks fortsetzen und wollen deren Effektivität noch erhöhen." Aber die Kommunikationskanäle blieben offen. Nordkorea wisse das. "Sie wissen, wo die Tür ist. Sie wissen, wo sie durchgehen müssen, wenn sie mit uns reden wollen."

Über den höchst umfangreichen Sanktionskatalog der Vereinten Nationen hinaus kündigt Japan weitere separate Maßnahmen seines Landes an. Die Gelder von zusätzlich 19 nordkoreanischen Organisationen würden eingefroren. Solche einseitigen Maßnahmen würden nur das gemeinsame Vorgehen des Gremiums unterminieren, heißt es dagegen von Russland.

Nordkorea setzt auf "Weiter so"

Und Guterres, der Chefdiplomat der UN, wirbt einmal mehr für Gespräche und bietet sich erneut als Vermittler an. Japans Außenminister wehrt ab - Gespräche habe der gefährliche Nachbar zuletzt immer nur ausgenutzt, um seine Position zu stärken. Dialog des Dialogs zuliebe sei ein Fehler gewesen, den man nicht wiederholen dürfe.

Nordkoreas Antwort auf diese Gezerre scheint vor allem ein "Weiter so" zu sein - mit einer ganz eigenen Sicht auf die Welt: "Das heutige Treffen ist nichts als ein verächtliches Mittel geplant von den USA, die verängstigt sind angesichts der unglaublichen Macht unserer Republik", lautet die Replik.

Nordkorea-Konflikt im Sicherheitsrat
Kai Clement, ARD New York
15.12.2017 21:15 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. Dezember 2017 um 06:08 Uhr.

Darstellung: