Französische Soldaten in Zentralafrika | Bildquelle: dpa

Missbrauchsvorwürfe gegen UN-Soldaten Sex gegen Kekse und Wasser

Stand: 30.01.2016 05:04 Uhr

Sie sollten für Sicherheit sorgen und vergehen sich an den Schutzbedürftigen: Französische und georgische Soldaten sollen in der Zentralafrikanischen Republik Kinder sexuell missbraucht haben. Nun ergreifen die UN Maßnahmen.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Die Pressekonferenz beginnt, wie schon so viele zuvor. Es geht um Missbrauchsvorwürfe gegen Blauhelme und andere Soldaten in der Zentralafrikanischen Republik. Diesmal kommen die Hinweise aus Genf, vom UN-Hochkommissar für Menschenrechte. Sie betreffen georgische und französische Soldaten, nicht unter UN-Befehl.

Es scheint wie eine düstere Wiederholung so vieler vorangegangener Berichte, die bis ins Jahr 2014 zurückgehen. Doch dann kommt alles anders.

Tränen für die missbrauchten Kinder

In New York haben die Vereinten Nationen Anthony Banbury vorgeschickt. Bewährt im Kampf gegen Ebola kümmert er sich nun um die laufenden UN-Einsätze - auch um dort begangene sexuelle Übergriffe. Banburys Verzweiflung unterbricht den sachlichen Ablauf der Konferenz. Seine Tränen geben dem Leid der Kinder Ausdruck. Sieben Jahre alt, neun Jahre alt. Sex gegen Kekse, gegen eine Flasche Wasser. All das sei so schwer zu verstehen, kann er gerade noch sagen. "Es ist schwer, sich das Entsetzen derjenigen vorzustellen, die für die UN, Frieden und Sicherheit arbeiten, wenn diese Vorwürfe ans Licht kommen."

Die Vereinten Nationen täten alles - dann muss der hochrangige UN-Vertreter eine kurze Pause machen. Erst danach kann er den jüngsten, neuen Maßnahmenkatalog erläutern.

Kinder stehen in einem Flüchtlingslager in Bangui, Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik. | Bildquelle: dpa
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Als Gegenleistung für Wasser oder Kekse sollen Blauhelm-Soldaten Kinder in der Zentralafrikanischen Republik missbraucht haben.

Maßnahmenkatalog gegen Missbrauch

Jeder einzelne Polizist oder Soldat für eine Friedensmission wird genau überprüft. Das hat es so noch nicht gegeben. So soll verhindert werden, dass Länder schwarze Schafe überhaupt erst in UN-Truppen entsenden. Zudem sollen sich die Einheiten vor Ort besser mit Einheimischen austauschen, so dass Vorwürfe schneller bekannt werden. Neue Teams würden aufgebaut, um binnen 24 Stunden Beweise zu sammeln.

Es sei ein polizeiähnliches Vorgehen entwickelt worden, um mit speziell ausgebildeten Ermittlern DNA zu sammeln. Bei "glaubhaften Vorwürfen", so die etwas vage Formulierung, zahlten die UN keinen Sold mehr, auch wenn es deswegen bereits Kritik wegen Vorverurteilung von Soldaten gegeben habe.

Und im Februar, so Banbury, werde UN-Generalsekretär Ban Ki Moon einen neuen Report zu sexuellem Missbrauch vorstellen. Man wolle wirklich alles tun, um dieser "Plage", so Banbury wörtlich, entgegenzutreten.

Haben die UN versagt?

Lange hatten Kritiker den UN vorgeworfen, Informationen zu verschleppen. Im Dezember hatte eine Kommission den UN gar "gravierendes Versagen" vorgeworfen. Einem UN-eigenen Bericht vom Mai zufolge gab es von 2008 bis 2014 in 532 Fällen Missbrauchsvorwürfe gegen Blauhelme.

Falsch sei es auch, so Menschenrechtsexperten, die Länder nicht zu benennen, aus deren Einheiten die Täter kommen. Das soll nun anders werden. Zum ersten Mal wird der Generalsekretär in einem solchen Bericht die Länder nennen, die in diese Vorwürfe verwickelt sind. "Name and shame" - benennen und beschämen - so könnte man diese Strategie wohl nennen.

Soldaten sollen in Herkunftsländern juristisch verfolgt werden

Die beschuldigten Soldaten kämen aus Bangladesch, Kongo, Marokko, Niger und dem Senegal, erklärt Banbury. Und die komplizierte Rechtslage sieht vor, dass diese Länder für die Verfolgung der Taten zuständig sind. Regelmäßige Nachkontrollen sollen verhindern, dass Verfahren einfach versickern.

Das sind viele Versprechen, nachdem UN-Generalsekretär Ban im August vergangenen Jahres schon den Chef der UN-Blauhelmmission für die Zentralafrikanischen Republik gefeuert hatte. Null Toleranz lautet seine Strategie. Doch die "Plage" ist damit nicht zu Ende gegangen. "Wir werden nicht ruhen, bis es keine Fälle, keine Opfer mehr gibt", verspricht Banbury.

Emotionaler UN-Bericht zu Missbrauchsvorwürfen
Kai Clement, ARD New York
30.01.2016 02:52 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 30. Januar 2016 um 16:03 Uhr auf NDR Info.

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