Flüchtlinge nahe Idomeni | Bildquelle: AFP

UNHCR-Konferenz in Genf Die Vereinten Nationen machen Druck

Stand: 30.03.2016 10:35 Uhr

Millionen Syrer fliehen vor dem Krieg in ihrer Heimat, doch nur wenige Staaten sind bereit, sie aufzunehmen. Die Vereinten Nationen wollen auf einer Konferenz in Genf mehr Länder zu konkreten Hilfszusagen bewegen und damit Schleppern das Handwerk legen.

Von Dietrich Karl Mäurer, MDR, zzt. Genf

Fünf Jahre nach Beginn des bewaffneten Konflikts in Syrien sind Millionen Menschen auf der Flucht. Viele sind in Nachbarstaaten Syriens gestrandet - in der Türkei, im Libanon, in Jordanien oder dem Irak. In den oft provisorisch eingerichteten Lagern herrschen teils katastrophale Bedingungen. Hilfsorganisationen berichten: es mangelt an Wasser, an Toiletten. Mitunter gibt es nicht genügend zu essen.

UN-Generalsekretär Ban fordert Solidarität bei Verteilung von Flüchtlingen
tagesschau 12:00 Uhr, 30.03.2016, Daniel Hechler, ARD Genf

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Die Unterschlupf gewährenden Länder sind am Limit. Die Vereinten Nationen appellieren nun an die Staaten in der Welt, einen Teil der Last zu übernehmen - so Adrian Edwards, der Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR vor Beginn der heutigen Konferenz: "Im Kern brauchen wir ein deutlich ausgeweitetes, mehrjähriges Programm und nicht nur eine pure Umsiedlung ohne weitere Integrationsmaßnahmen. Wir müssen dafür auch Länder als Partner gewinnen, die sich bislang nicht sonderlich bei der Aufnahme von Flüchtlingen stark gemacht haben."

Platz für fast eine halbe Million Flüchtlinge gesucht

Das Ziel: Reichere Staaten sollen sich dazu bereit erklären, bis zum Ende des Jahres 2018 etwa 480.000 Menschen aufzunehmen. Im Fokus sind dabei besonders Hilfsbedürftige - Verletzte und Kranke etwa -, so Edwards: "Eine reine Umsiedlung ist dabei nicht das einzige Ziel. Wir denken auch an medizinische Behandlungen, an Familienzusammenführungen, Stipendien für Studium und Ausbildung oder auch die Einrichtung von Beschäftigungsprogrammen."

Die Vereinten Nationen wollen in Genf einen Handlungsdruck erzeugen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon persönlich eröffnete das Treffen. 92 Länder schickten teils hochrangige Vertreter. Und auch mehr als 20 Nichtregierungsorganisationen haben ihre Teilnahme zugesagt. Vor Beginn der Konferenz kritisierte die internationale Hilfsorganisation Oxfam, dass sich viele reiche Länder aus der Verantwortung stehlen - etwa Frankreich, die Niederlande und die USA. Gelobt wurden Deutschland ebenso wie Australien, Kanada und Norwegen. Sie hätten gezeigt, dass nötige Hilfe für Flüchtlinge möglich sei.

Viele Staaten drücken sich

Angesichts der dramatischen Lage müsse jedoch mehr getan werden, sagt Krisen-Experte Robert Lindner von Oxfam Deutschland mit Blick auf die heutige Konferenz: "Wir sagen - und auch die UN fordern, dass mindestens zehn Prozent der am meisten schutzbedürftigen Flüchtlinge von reichen Staaten in der Region und vor allem auch außerhalb der Region aufgenommen werden müssten. Und da spielen leider auch die Staaten in Europa aber auch außerhalb Europas, die wesentlich mehr Menschen aufnehmen könnten, keine sehr gute Rolle."

Dass sich das schnell ändern wird, darf bezweifelt werden. So dämpfen die Vereinten Nationen zu große Erwartungen an das heutige Treffen. UNHCR-Sprecher Adrian Edwards sagte am Vortag, auf der Konferenz werde man "einige Versprechen" hören. "Aber es ist nicht ein Treffen, um Versprechen einzufordern, sondern die Konferenz ist dazu gedacht, einen Prozess anzustoßen. Sehen sie die Zusammenkunft als einen Schritt auf einer langen Strecke. Dennoch wird es ganz bestimmt einige Zusagen geben. Von größerer Bedeutung ist aber, was daraus erwächst."

Weitere Treffen zur Flüchtlingsproblematik sind bereits in Planung. Im September soll sich die UN-Vollversammlung damit beschäftigen.

Aufnahme von Syrien-Flüchtlingen – UNHCR sucht auf Konferenz in Genf nach Lösungen
D. K. Mäurer, ARD Genf
29.03.2016 23:26 Uhr

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