Klimagipfel - Demonstranten vor dem Louvre | Bildquelle: REUTERS

Endspurt beim UN-Klimagipfel Eine bemerkenswerte Allianz

Stand: 10.12.2015 02:34 Uhr

Es ist eine bemerkenswerte Allianz: Die USA, die EU und etliche Staaten aus Afrika, dem Pazifikraum, der Karibik und Lateinamerika bilden die "Koalition der Ehrgeizigen" beim Klimagipfel. Ihnen bleibt aber nur noch wenig Zeit, andere zu überzeugen.

Von Jakob Mayr, BR, zurzeit Paris

Nur noch wenig Zeit bis zum Ende, kaum noch Schlaf für die Unterhändler aus 195 Staaten: Sie haben in der vergangenen Nacht den neuen Vertragsentwurf diskutiert. Er ist mit 29 Seiten kürzer als frühere Vorschläge, lässt aber wichtige Fragen offen.

"Eine gute Basis"

Umweltministerin Hendricks bei der Anreise zum Klimagipfel | Bildquelle: dpa
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Ministerin Hendricks - hier bei der Anreise nach Paris - sieht den Entwurf als gute Basis.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks formuliert es so: "Der Textentwurf, der jetzt auf dem Tisch liegt, ist auch aus unserer Sicht noch nicht ambitioniert genug, aber er ist eine gute Basis, auf der wir in den nächsten 36 bis 42 Stunden arbeiten werden."

Dann will die Staatengemeinschaft den großen Vertrag beschließen, der ab 2020 gelten und alle zum Klimaschutz verpflichten soll. Das Ziel: Die Erderwärmung unter 2 Grad und damit die Folgen des Klimawandels beherrschbar halten. Unklar ist, welches Ziel die Staaten konkret festschreiben und wie und wann überprüft wird, dass sich alle an ihre Vorgaben halten.

Die wichtige Gruppe der Entwicklungs- und Schwellenländer G77 und China vermisst Finanzzusagen der Industriestaaten. Ihre südafrikanische Sprecherin Edna Bomo Molewa, moniert: "Da tauchen weder langfristige Unterstützung noch verbindliche Verpflichtungen für Industriestaaten auf, um Technologietransfer und Wissensvermittlung zu leisten."

"Große und kleine Länder, reiche und arme"

Saudi-Arabien, das sich selbst als Entwicklungsland begreift, wehrt sich dagegen, dass auch Entwicklungsländer andere unterstützen, wenn sie dazu fähig sind. Malaysia, Russland und Indien gelten ebenfalls als Bremser. Dagegen steht eine selbst ernannte Allianz der Ehrgeizigen: rund 90 Staaten, also die Hälfte der Delegationen, darunter EU und USA sowie Länder aus dem Pazifik, der Karibik, Afrika und Lateinamerika. Sie fordern ein Ergebnis, das dem Weltklima wirklich hilft.

Wortführer ist der Außenminister der Marshallinseln Tony de Brum. "Um das ganz klar zu machen: Das ist keine Verhandlungsgruppe", sagt er. "Wir wollen die Stimmen all derer einen, die ein ehrgeiziges Abkommen und ein sicheres Klima wollen - große und kleine Länder, reiche und arme."

Und genau zwischen denen, zwischen Industrie- und Entwicklungsländern, ist auf dem Gipfel der alte Streit wieder aufgeflammt. Ärmere Länder fordern die reichen auf, sich zu ihrer Verantwortung als Hauptverursacher des Klimawandels zu bekennen und zu zahlen. Das verlangen auch Schwellenländer wie Indien; sie wollen außerdem ihr Wirtschaftswachstum nicht durch strenge Vorgaben gefährden.

Überarbeiteter Entwurf zu Klimaabkommen vorgestellt
tagesthemen 22:15 Uhr, 09.12.2015, Mathias Werth, ARD Paris

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"Wir müssen kämpfen für mehr Anspruch"

Umso bemerkenswerter das Bündnis der Ehrgeizigen, das reiche und arme Länder vereint. Auch Gambia ist dabei. "Ein weiteres Paris wird es nicht geben. Wir haben nur diese eine Gelegenheit von jetzt ab bis Freitag", sagt dessen Unterhändler Pa Ousman.

Todd Stern | Bildquelle: AP
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US-Unterhändler Stern kritisiert die Bremser beim Klimagipfel.

Und neben Gambias Vertreter sitzt US-Unterhändler Todd Stern auf dem Podium. "Diese Koalition mit vielen Ländern kommt genau zur richtigen Zeit. Einige sind nicht vertreten und wollen tatsächlich ein mageres Ergebnis. Aber wir müssen kämpfen für mehr Anspruch."

In dem neuen Vertragsentwurf wird neben dem Zwei-Grad-Ziel die Möglichkeit erwähnt, die Erderwärmung auf nur 1,5 Grad steigen zu lassen. Auch der Schlüsselbegriff Dekarbonisierung taucht als Option im Entwurf auf, also die Abkehr von Kohle, Öl und Gas. Was davon gilt, entscheidet sich erst, wenn im Schluss-Plenum der Hammer fällt - vielleicht morgen Abend, vielleicht auch später.

Nachtsitzung in Paris: Wichtige Punkte strittig
J. Mayr, BR Brüssel
10.12.2015 02:07 Uhr

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Korrespondent

Jakob Mayr | Bildquelle: Ralf Wilschewski Logo BR

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