Kraftwerke sollen bis spätestens 2100 arbeiten, ohne CO2 auszustoßen | Bildquelle: dpa

Vorbereitungen auf UN-Klimakonferenz Grundlage legen oder scheitern

Stand: 19.10.2015 14:49 Uhr

In Paris will die Staatengemeinschaft in sechs Wochen ein neues Klimaschutzabkommen beschließen, in Bonn wird seit heute noch einmal an den Details gefeilt. Doch ob eine Einigung zustande kommt, ist offen. Umweltgruppen fordern schon jetzt Nachbesserungen.

Von Werner Eckert, SWR

Die spannende Frage ist: Akzeptieren mehr als 190 Staaten heute einen 20-seitigen Textentwurf als Basis für ein neues globales Klimaschutzabkommen - oder verwerfen sie ihn? Die beiden Vorsitzenden der Konferenz haben dieses "non paper" zusammen mit einer kleinen Gruppe von Delegierten aus 23 Staaten ausgearbeitet. Weil die große Runde bislang zu geringe Fortschritte gemacht hatte, weil alles bisher zu langsam ging.

Letzte Vorbereitungsrunde für Klimakonferenz
tagesschau 12:00 Uhr, 19.10.2015, Marion Schmickler, WDR

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Indiens Regierung ist skeptisch

Die Versammlung hatte sie beim letzten Treffen vor sechs Wochen damit beauftragt. Aber das heißt noch lange nicht, dass sie auch das Ergebnis akzeptiert. Indien hat schon große Vorbehalte geäußert.

Es wird sich relativ schnell zeigen, ob auf der Basis dieses Textes weiter verhandelt werden kann. Nur dann, so sagen viele Beobachter, gibt es eine Chance, den Zeitplan einzuhalten. Die Alternative wäre wohl die Rückkehr zu einem unstrukturierten Papier mit 80 Seiten, das die gesamte Konferenz bislang zu Stande gebracht hat.

Umweltgruppen setzen auf das neue Papier, fordern aber auch Nachbesserungen. Das Ziel, den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen, sei nur in einer sehr vagen Form enthalten, moniert Sven Harmeling von CARE international. Es fehle eine klare Vorgabe für den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas - wie viel Prozent bis wann?, so Greenpeace. Und die Denkfabrik Germanwatch macht darauf aufmerksam, dass nach dem derzeitigen Text erst in zehn Jahren über weiter Anstrengungen beim Klimaschutz geredet werden könne. Das sei zu spät.

Die Bonner Konferenz dauert bis Freitag. Im Idealfall würden die Verhandlungsleiter erneut den Auftrag bekommen, den Vertragsentwurf zu überarbeiten und die Ergebnisse zusammenzufassen. Nicht ausgeschlossen ist aber, dass der Text durch immer neue Einwände wieder anschwillt und unhandlicher wird. Und dass dann vor dem Klimagipfel in Paris - Anfang Dezember - noch eine weitere Vorbereitungsrunde eingeschoben wird.

Keine Vorgaben an einzelne Staaten

Grundsätzlich gibt es Einigkeit, dass den einzelnen Staaten keine Vorgaben durch die UN oder die Konferenz gemacht werden. Jedes Land teilt mit, was es in Sachen Klimaschutz zu tun gedenkt. Diese INDCs (Intended nationally determined contributions) liegen zum großen Teil schon vor. Sie sollen aber jetzt in einen internationalen Rahmen eingebunden werden.

Vor allem muss darin geregelt werden, wie die Zusagen gemessen, geprüft und überwacht werden. Wichtiger noch: Alle wissen, dass diese freiwilligen Zusagen nicht ausreichen, um den Klimawandel wirksam zu begrenzen. Deshalb ist entscheidend, wie verbindlich ein gemeinsames Ziel formuliert wird. Wie und in welchen Abständen man die Staaten dazu bringen will, ihre Maßnahmen "nachzuschärfen". Das alles soll in Paris in einen rechtsverbindlichen Vertrag gegossen werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. November 2015 um 12:00 Uhr.

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