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UN-Generaldebatte in New York
Ahmadinedschad fast zahm - Mursi setzt Akzente
Es war seine vorerst letzte Rede vor der UN-Vollversammlung. Irans Präsident Ahmadinedschad hat zwar ausgeteilt, auf Provokationen aber verzichtet. Erstmals meldete sich Ägyptens neuer Präsident Mursi in der Generaldebatte zu Wort - und setzte deutliche Akzente.
Von Claudia Sarre, ARD-Hörfunkstudio New York
Für den einen war es voraussichtlich seine letzte, für den anderen seine erste Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad gab sich ungewöhnlich zahm. Auf Provokationen zum Holocaust und auf anti-westliche Beschimpfungen verzichtete er diesmal. In den vergangenen Jahren hatten seine Auftritte vor der UN regelmäßig zu Eklats geführt.
Ahmadinedschad und Mursi vor UNO
C. Sarre, NDR New York
26.09.2012 23:04 Uhr
Moralischer Zeigefinger
In seiner Abschiedsrede hob der iranische Präsident mahnend den moralischen Zeigefinger: Er beklagte die Armut auf der Welt, für die er "den Kapitalismus" und "bestimmte Nationen" verantwortlich machte. Den Streit über das iranische Atomprogramm sprach er zwar nicht direkt an, jedoch warf er Israel vor, sein Land mit Atomwaffen zu bedrohen.
"Die andauernde Bedrohung durch die unzivilisierten Zionisten, militärisch gegen unsere große Nation vorzugehen", sei ein "klares Zeichen dieser bitteren Realität", sagte Ahmadinedschad.
Die USA boykottierten die Rede. Es sei besonders unschön, dass Ahmadinedschad ausgerechnet am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur spreche, hieß es. Auch die Sessel der israelischen UN-Delegation blieben leer.
Palästinenserfrage im Blickpunkt
Der neue ägyptische Präsident Mohammed Mursi setzte dagegen in seiner Antrittsrede vor der UNO andere Akzente. Dringlichstes Problem der Weltpolitik ist nach Mursis Ansicht die Palästinenserfrage. Das palästinensische Volk müsse die Früchte von Freiheit und Frieden kosten können, sagte der Ägypter. Es sei eine Schande, dass die freie Welt einem Mitglied der internationalen Gemeinschaft das Rechte auf einen unabhängigen Staat verweigere, fügte er hinzu.
Den Syrienkonflikt bezeichnete Mursi als die "Tragödie unserer Ära". Er gelobte, nicht zu ruhen, bis der Bürgerkrieg in Syrien beendet sei. Dabei sprach er sich deutlich gegen eine militärische Lösung aus. Es gehe darum, die Einheit Syriens zu erhalten, alle Volksgruppen ohne Diskriminierung mit einzubeziehen und somit Syrien vor den Gefahren einer ausländischen Militär-Intervention zu bewahren.
Mursi hatte Anfang September mit dem Iran, der Türkei und Saudi-Arabien ein islamisches Quartett gegründet, um eine Lösung in der Syrienkrise zu finden.
Auch der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al Arabi, machte bei einem Treffen mit Bundesaußenminister Guido Westerwelle klar, dass er ein militärisches Eingreifen in Syrien ablehne. Gleichzeitig rief er den UN-Sicherheitsrat nochmals zur Geschlossenheit auf. Ohne eine klare Strategie, so al Arabi, drohe in Syrien Chaos.
Stand: 27.09.2012 00:12 Uhr
