Geflüchtete Familie auf der griechischen Insel Lesbos | Bildquelle: AFP

Flüchtlingsgipfel der UN "Solidarität, um Leben zu retten"

Stand: 01.10.2015 02:27 Uhr

Angesichts der schwersten Flüchtlingskrise seit Ende des Zweiten Weltkriegs hat UN-Generalsekretär Ban die Weltgemeinschaft zu Menschlichkeit und Solidarität aufgerufen. Es gehe darum, Leben zu retten, so Ban. Ungarns Ministerpräsident Orban blieb hingegen bei seiner harten Linie.

Von Georg Schwarte, ARD-Hörfunkstudio New York

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kann die Zahlen und grausigen Statistiken längst auswendig: 60 Millionen Flüchtlinge gibt es weltweit, die Hälfte davon sind Kinder. Zwölf Millionen Menschen in Syrien sind heimatlos. 70 Prozent der Hilfsgelder speziell für diese Region fehlen.

Auch deshalb sitzt der Generalsekretär im New Yorker UN-Hauptgebäude und begrüßt Minister, Staats-und Regierungschefs zu einem Flüchtlingsgipfel, hier in der Zentrale der Welt, um "Leben zu retten". Ban wiederholt es: "Leben retten!", sagt er. Das muss all unser Handeln in dieser Flüchtlingskrise leiten.

Acht Prinzipien hat der Generalsekretär für das künftige Handeln der Welt ausgegeben. Leben retten sei aber das Vornehmste darunter. "Es mag auch eine Krise der schieren Massen von Flüchtlingen sein." Für ihn aber sei es vor allem eine Krise der Solidarität, sagt Ban. Solidarität fordert er. Im Konferenzsaal nicken viele der Zuhörer.

Ban fordert mehr Engagament zur Lösung der Flüchtlingskrise
tagesschau24 09:15 Uhr, 01.10.2015, T. Ziegler, ARD-aktuell

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Orban fordert Quotensystem

Viktor Orban, Ungarns Ministerpräsident, sieht die Sache aber anders. Fünf Minuten darf jeder Teilnehmer hier sprechen. Orban nutzt das, um der Welt zu erklären, dass die Welt schon deshalb handlungsunfähig sei, weil sie nicht verstehe, mit was sie es hier zu tun habe: Einer Flüchtlingskrise jedenfalls nicht, behauptet der Ungar. Vielmehr handele es sich um eine Massenmigrationsbewegung, bestehend aus Wirtschaftsmigranten, Flüchtlingen aber auch ausländischen Kämpfern. Ein unkontrollierter Prozess sei das alles.

Eben noch hatte Ban von Solidarität gesprochen - Orban aber macht die Sache auf seine Art sehr konkret. Der Ungar fordert Ban offiziell auf, die "Bürde", so nennt er das, was für ihn keine Flüchtlingskrise ist, global anzugehen: "Alle großen Staaten weltweit sollten Flüchtlinge gemäß eines Quotensystems aufnehmen." Ban sagt dazu nichts.

Flüchtlingsgipfel der UN - Ban fordert Solidarität
G. Schwarte, ARD New York
01.10.2015 03:31 Uhr

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Weiter Vorschläge sammeln

Neben dem Generalsekretär sitzt der deutsche Außenminister. Als amtierender Vorsitzender der G-7-Staaten hatte Steinmeier am Vorabend 1,8 Milliarden Dollar für die UN-Hilfsorganisationen zusammengesammelt. Jetzt zeigt er im Saal Richtung Freiheitsstatue und zitiert was dort in der Statue of Liberty geschrieben steht: "Gebt mir eure Müden, eure Armen, Eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren." Diese Freiheitsstatue stehe -  sagt Steinmeier - dieser Tage an vielen Orten: in Amman, in München, in der Türkei.

Flüchtlingslager in der Türkei | Bildquelle: Thomas Bormann
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Flüchtlingslager in der Türkei

Ungarn erwähnt der deutsche Minister nicht. Und neben Steinmeier sitzt der türkische Ministerpräsident Davutoglu. Sein Land hat mehr Flüchtlinge aufgenommen als jedes andere der Erde. In einigen türkischen Dörfern gebe es mehr Syrer als Türken. Seit die ersten Flüchtlinge ankamen, seien 66.000 Babys geboren worden, die nie ihre Heimat gesehen hätten. Und Mitte Oktober findet auf Einladung der Türkei in Istanbul das nächste Gipfeltreffen zu Flüchtlingsfragen statt. Bis dahin sammeln sie eben weiter: Vorschläge - und auch Geld. 

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