Syrer beerdigen Opfer der Giftgasattacke in Chan Scheichun | Bildquelle: AFP

UN-Bericht Syrien erneut für Giftgasangriff verurteilt

Stand: 27.10.2017 08:40 Uhr

Auch ein vom UN-Sicherheitsrat eingesetztes Expertengremium ist sich sicher: Für den Giftgasangriff auf Chan Scheichun im April ist die syrische Regierung verantwortlich. Eine "relativ große Bombe" habe große Mengen Sarin freigesetzt.

Experten der Vereinten Nationen und der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) haben die syrische Regierung abermals für einen Angriff mit dem Nervengas Sarin in Chan Scheichun verantwortlich gemacht. Die Ermittler übergaben in New York einen Untersuchungsbericht an den UN-Sicherheitsrat. Darin äußerten sie sich "überzeugt", dass Truppen der syrischen Regierung für die Freisetzung des Nervengiftes Sarin in dem Ort am 4. April verantwortlich waren.

Auswertungen von Foto- und Videoaufnahmen eines Kraters hätten ergeben, dass dieser von einer "relativ großen Bombe" verursacht worden sei. Diese sei "aus mittlerer oder großer Höhe" abgeworfen worden. Die Zahl der betroffenen Menschen und der Nachweise von Sarin an dem Krater zehn Tage später deuten darauf hin, dass eine große Menge des Giftgases freigesetzt wurde.

Überreste einer Bombe im syrischen Chan Scheichun | Bildquelle: REUTERS
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Überreste einer Bombe im syrischen Chan Scheichun.

Der Angriff auf Chan Scheichun mit mehr als 80 Toten hatte weltweit für Empörung gesorgt. Im September kam bereits die UN-Untersuchungskommission zur Lage der Menschenrechte in Syrien zu dem Schluss, dass die Streitkräfte von Staatschef Bashar al Assad verantwortlich seien. Die vom UN-Sicherheitsrat eingesetzten Ermittler erklärten das Assad-Regime nunmehr zum vierten Mal in diesem Fall für verantwortlich.

Haley sieht die US-Regierung durch Ergebnis bestätigt

Aus den zunächst nur den Sicherheitsratsmitgliedern vorliegenden Unterlagen hatte zuerst die amerikanische UN-Botschafterin Nikki Haley zitiert. Die USA sehen sich durch das Ergebnis der Ermittler bestätigt. Schließlich hatte die Trump-Regierung damals schon als Reaktion auf den Sarin-Angriff eine Raketenattacke auf eine syrische Luftwaffenbasis angeordnet.

Länder, die die Arbeit der unabhängigen Ermittler nicht unterstützten, so Haley, seien nicht besser als die "Diktatoren oder die Terroristen, die diese schrecklichen Waffen" einsetzten.

Britischer Außenminister kritisiert Russland

Boris Johnson | Bildquelle: REUTERS
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Britischer Außenminister Boris Johnson kritisiert Russland.

Der britische Außenminister Boris Johnson rief dazu auf, dass die internationale Gemeinschaft nun das Assad-Regime zur Rechenschaft ziehen müsse. Russland müsse aufhören, seinen "abscheulichen Verbündeten" Syrien weiter zu decken.

Die syrische Regierung bestreitet jegliche Verwicklung in den Angriff und gibt an, sie verfüge seit einem Abkommen von 2013 über keine Chemiewaffen mehr. Russland hatte sich gerade erst am Dienstag geweigert, die Untersuchungsgruppe zu verlängern, die den Bericht nun vorgelegt hat.

Es war bereits das neunte Veto Russlands zu einer Syrien-Resolution des Sicherheitsrates. Man wolle erst den Bericht abwarten und dann entscheiden, hieß es zur Begründung. Der Sicherheitsrat wird über die Gräueltaten nun voraussichtlich am 7. November beraten.

Mit Informationen von Kai Clement, ARD-Studio New York

Assad-Regime für Giftgasangriff von Chan Scheichun verantwortlich
Kai Clement, ARD New York
27.10.2017 08:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Oktober 2017 um 06:00 Uhr.

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