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London wirbt mit grünsten Spielen aller Zeiten
Olympia mit Öko-Siegel
Zwei Millionen Tonnen vergifteter Boden wurden gereinigt, 300.000 Setzlinge neu angepflanzt: Bei den Olympischen Spielen in London steht nicht nur das Sportliche im Mittelpunkt, sondern auch die Nachhaltigkeit. Sogar das Olympia-Stadion besteht aus recycleten Stoffen: Aus alten Wasserrohren.
Von Stephan Lochner, SWR-Hörfunkstudio London
Sauberer, ökologischer, nachhaltiger - Olympia-Macher und britische Regierung wollen alle Rekorde brechen und beteuern: Die Sommerspiele 2012 in London werden die grünsten aller Zeiten!
Und Umweltverbände geben ihnen weitgehend recht. So viel Energieeffizienz und Klimaschutz war noch nie bei einem Sportereignis dieser Größenordnung, schwärmt etwa die britische Umweltministerin Caroline Spelman: "Wir hoffen, dass unsere Besucher und natürlich auch die Athleten persönlich die Chance erkennen, Verhaltensweisen zu ändern - und dass sie diese Botschaft in ihre Heimatländer mitnehmen. Die Botschaft, was man tun kann, um einen umweltfreundlicheren Lebensstil zu entwickeln."
Olympia-Macher versprechen grünste Spiele aller Zeiten
S. Lochner, SWR London
19.07.2012 13:30 Uhr
"Der Park ist ein ökologisches Musterbeispiel"
Olympia mit Öko-Siegel: Die Besucher kommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Olympia-Gelände, Sportler und Funktionäre fahren in vergleichsweise klimafreundlichen Autos und die Toiletten werden mit Brauchwasser gespült.
Die Organisatoren haben viel Wert auf Details gelegt, schon beim Bau. Der Olympia-Park ist auf einem heruntergekommenen Industriegelände entstanden. Zwei Millionen Tonnen vergifteter Boden wurden vor Ort in einem Spezialverfahren gereinigt und wiederverwendet, 300.000 Pflanzen und 2000 Bäume wurden gepflanzt.
Der Park ist ein ökologisches Musterbeispiel, meint Simon Wright von der Olympic Delivering Authority, einer staatlichen Gesellschaft, die für den Bau der olympischen Infrastruktur zuständig ist: "Uns ist sehr daran gelegen, den CO2-Ausstoß zu verringern. Dieses Bauprojekt ist 50 Prozent energieeffizienter als ein durchschnittliches Gebäude in Großbritannien, das nach den Vorgaben der Energiesparverordnung von 2006 gebaut wurde. Den Wasserverbrauch haben wir um 40 Prozent gesenkt, dadurch, dass wir Abwasser aufbereiten. Und was die Baumaterialien betrifft: Wir haben 98 Prozent der Abfallprodukte der Gebäude, die hier früher standen, beim Bau des Projekts wieder verwendet." Die Stahlträger für das Olympia-Stadion etwa sind aus alten Gas- und Wasserleitungsrohren gemacht.
"Man hätte es noch besser machen können"
Organisationskomitee und britische Regierung wollen Maßstäbe setzen. Künftige Olympische Spiele müssten sich an dem messen lassen, was London 2012 vorgelegt habe, heißt es. Doch Shaun McCarthey, Chef einer unabhängigen Kommission, die die Nachhaltigkeit der Spiele überwacht, findet: Es wäre noch mehr drin gewesen: "Die Infrastruktur, die zurückgelassen wird, vor allem die Energie-Infrastruktur hätte noch umweltverträglicher sein können, wenn die Olympia-Macher da ambitionierter rangegangen wären. Wir haben zum Beispiel am Olympia-Park ein wirklich großartiges, effizientes Kraftwerk. Aber es wird größtenteils mit Gas betrieben. Ich denke, man hätte da noch einen drauflegen können und komplett auf wirklich umweltverträgliche Brennmaterialien setzen können, um den CO2-Aussstoß zu senken. Also, es gibt durchaus ein paar Kleinigkeiten, die man hätte noch besser machen können."
Olympisches Feuer wird durch London getragen
tagesthemen 22:50 Uhr, 21.07.2012, Peter Carstens, ARD London
Britische Umweltverbände bescheinigen den Olympia-Machern zwar, unterm Strich ziemlich grüne Spiele auf die Beine gestellt zu haben. Sie erinnern aber daran, dass London außerhalb des Olympia-Parks alles andere als vorbildlich ist. Die Luft ist so schmutzig wie in keiner anderen europäischen Großstadt, das Gros der Häuser ist grottenschlecht isoliert. Und im maroden Wasserleitungsnetz Londons versickern jeden Tag geschätzte 750 Millionen Liter Trinkwasser.
Stand: 21.07.2012 14:48 Uhr
