Seitenueberschrift
Streit um UMP-Vorsitz in Frankreich eskaliert
Sarkozys Erben lassen Vermittler keine Chance
Eine Woche nach der Abstimmung über den Parteivorsitz der französischen UMP hat Vermittler Juppé aufgegeben. Sein Treffen mit den Kontrahenten Fillon und Copé endete ergebnislos. Nun droht ein Streit vor Gericht. Viele hoffen auf eine UMP-Rettung durch Ex-Präsident Sarkozy.
Von Evi Seibert, SWR-Hörfunkstudio Paris
Normalerweise lässt sich Starkommentator Olivier Mazarolles nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Aber nun platzte ihm vor laufenden Kameras der Kragen: "Niemand versteht mehr was da abgeht", sagte er. "Ich bin Journalist und ich habe die Schnauze gestrichen voll davon, solche Albernheiten zu kommentieren."
Zwei Kandidaten, zwei selbsternannte Sieger
Das Schauspiel, das die frühere Regierungspartei UMP in den vergangenen sieben Tagen dargeboten hat, ist wahlweise zum Totlachen oder zum Weinen - je nach politischem Lager. Das Fiasko begann vor genau einer Woche. Da erklärten sich gleich zwei Kandidaten zum neuen Parteichef.
Noch vor dem Ende der Stimmenauszählung preschte Ex-Fraktionschef Jean-François Copé vor. "Die Parteianhänger haben mich zum neuen Präsidenten der UMP gewählt", sagte er. "Das ist für mich ein bewegender Moment." Sein Rivale, Ex-Premierminister François Fillon, zog prompt nach: "Die Resultate geben mir einen kleinen Vorsprung", erklärte er im Fernsehen.
Juppé gibt Vermittlungsversuche auf
E. Seibert, SWR Paris
26.11.2012 07:31 Uhr
Kleinkrieg innerhalb der Partei
Das war aber nur der Anfang der Tragikomödie, die sich zum Parteikrieg entwickeln sollte. Nach der endgültigen Auszählung lag plötzlich doch Copé knapp vorne. Aber nicht lange. Denn dann entdeckte Fillon, dass die Wahlkommission tatsächlich vergessen hatte, die Stimmen aus drei Übersee-Departements mitzuzählen. Demnach lag er wieder vorne.
Daraufhin beschuldigte ihn Copé des Wahlbetrugs in einigen Wahllokalen - und so ging das munter weiter. Der Ex-Premierminister drohte schließlich damit, seinen verlorenen Sieg vor Gericht zu bringen. "Das will ich eigentlich nicht, das hätte für meine Partei und auch für mich schwere Konsequenzen", sagte er. "Aber ich werde bis zum bitteren Ende gehen."
Juppé gibt Vermittlungsversuche auf
Das bittere Ende, das könnte auch die Implosion der Partei sein, die bis vor kurzem noch unter Nicolas Sarkozy an der Regierung war. Um das zu verhindern, sollte der frühere Außenminister Alain Juppé mit einer Art Blauhelm-Mission den Bürgerkrieg in der Partei beenden. Er hatte keinen der beiden Kandidaten unterstützt und galt deshalb als neutral. Drei Tage brauchte er, um die beiden Streithähne an einen Tisch zu bringen. Gestern Abend war es soweit. Ergebnis: Nach einer halben Stunde warf er das Handtuch - keine Vermittlung möglich.
Harte Zeiten also, für die Konservativen in Frankreich. Ein enttäuschter Parteianhänger fasst die Lage zusammen: "Das ist einfach nur zum Heulen." Nun hoffen viele auf Sarkozy, als letzten Retter in der Not.
Stand: 26.11.2012 01:45 Uhr
