Lebenslange Haft für Polizist in der Ukraine Urteil gefällt, Journalistenmord dennoch ungeklärt

Stand: 29.01.2013 19:39 Uhr

In einem der Aufsehen erregendsten Mordfälle der postsowjetischen Ukraine ist ein Polizist zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Der Fall geht auf den September 2000 zurück. Damals wurde der für Berichte über Korruption bekannte Journalist Georgi Gongadse enthauptet in einem Wald bei Kiew aufgefunden.

Nun wurde der ehemalige Polizeigeneral Olexej Pukatsch in Kiew wegen des Mordes an Gongadse zu lebenslanger Haft verurteilt. Pukatsch leitete zur Tatzeit die Kriminalabteilung des Innenministeriums. Er wohnte der Verlesung des Urteils in einem Eisenkäfig umgeben von vier vermummten Polizisten bei.

Olexej Pukatsch, verurteilt im Fall Gongadse | Bildquelle: REUTERS
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Pukatsch gestand, für den Tod Gongadses verantwortlich zu sein.

Der Journalist Giorgi Gongadse | Bildquelle: AFP
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Gongadse hatte über Korruption auf den höchsten Ebenen berichtet.

Nach seiner Festnahme 2009 gab Pukatsch zu, den Gründer der oppositionellen Online-Zeitung "Ukrainska Prawda" erdrosselt zu haben. Pukatsch bestritt jedoch eine vorsätzliche Tat. Er habe den Reporter nur einschüchtern wollen. Als er ihn mit einem Gürtel würgte, sei versehentlich der Halswirbel gebrochen, sagte Pukatsch Medien zufolge. Dem Gericht sagte er zudem, er werde das Urteil erst akzeptieren können, wenn Ex-Präsident Leonid Kutschma ebenfalls für die Tat verurteilt worden sei.

Pukatsch gab dem Urteil zufolge zu, den Auftrag vom damaligen Innenminister Juri Krawtschenko erhalten zu haben. Dieser war später erschossen aufgefunden worden. In einem Abschiedsbrief hatte Krawtschenko seine Unschuld versichert und erklärt, dass er ein "Opfer der politischen Intrigen" von Ex-Präsident Leonid Kutschma und dessen Umgebung geworden sei. Der Justiz wurde vorgeworfen, die gesamte Verantwortung auf den toten Krawtschenko abwälzen zu wollen.

Ex-Präsident Kutschma unter Verdacht

Ex-Präsident Kutschma | Bildquelle: REUTERS
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Ex-Präsident Kutschma behauptet, nicht in Gongadses Mord verwickelt zu sein.

Der Name Kutschma taucht immer wieder in Zusammenhang mit dem Fall des ermordeten Journalisten auf. Gongadses Angehörige gehen davon aus, dass Pukatsch nur ein Tatbeteiligter war, der oder die Auftraggeber aber in den höchsten Kreisen zu finden sind. Gongadse hatte die Führung mit kritischen Berichten über Korruption und Amtsmissbrauch gegen sich aufgebracht. Sein Tod war einer der Auslöser für die Proteste, die 2004 schließlich zur Orangenen Revolution führte.

Gegen Ex-Präsident Kutschma wurden denn auch im März 2011 Ermittlungen aufgenommen. Direkt in Verbindung mit dem Fall geriet er durch eine heimlich vorgenommene Tonbandaufzeichnung. Zu hören ist darauf, wie über Pläne für einen Mord an Gongadse gesprochen wird. Eine Stimme wird Kutschma zugeordnet. Die Aufnahme soll einer seiner Bodyguards gemacht haben, ein Oppositionspolitiker hatte sie veröffentlicht.

Kutschma bestritt die Vorwürfe. Nach acht Monaten wurde das Verfahren aber eingestellt, weil die Beweismittel illegal beschafft worden seien, urteilte das Gericht. Kutschma war Präsident der Ukraine von 1994 bis nach der "Orangenen Revolution" 2005.

In dem Fall waren bereits drei Urteile gesprochen worden: 2008 wurden drei ehemalige Polizisten des Auftragsmords für schuldig befunden und zu Haftstrafen verurteilt.

Das Urteil gegen den Ex-Polizeigeneral ist noch nicht rechtskräftig. Die Anwälte von Pukatsch kündigten Berufung an. Auch Gongadses Witwe Miroslawa will sich mit dem Urteil nicht abfinden. Sie fordert weitere Schritte gegen mögliche Hintermänner und die Aufklärung der eigentlichen Motive für den Mord an ihrem Mann.

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