Brennendes Gebäude in Odessa | Bildquelle: REUTERS

Gewalt im ukrainischen Odessa Feuer nach Kämpfen - Mehr als 30 Tote

Stand: 02.05.2014 23:48 Uhr

In der Ukraine haben sich die Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der Kiewer Zentralregierung und pro-russischen Separatisten abermals verschärft - und auf die Schwarzmeerstadt Odessa ausgeweitet. Dort kam es zu blutigen Unruhen.

Bei einem Feuer, das bei Kämpfen zwischen pro-russischen Kräften und ukrainischen Regierungsanhängern in einem Gewerkschaftsgebäude ausgebrochen war, kamen nach jüngsten Angaben der Polizei mindestens 31 Menschen ums Leben. Einige Menschen seien vom Rauch erstickt worden, andere seien aus dem Fenster gesprungen und dadurch gestorben. Das Feuer sei auf "kriminelle Brandstiftung" zurückzuführen, so die Polizei. Zunächst hatten die Behörden von 38 Toten gesprochen.

Bereits am Nachmittag waren bei Ausschreitungen in Odessa vier Menschen getötet worden. Bislang war die Schwarzmeerstadt im Süden des Landes von Unruhen weitgehend verschont geblieben.

Militäroffensive im Osten des Landes

Im Osten der Ukraine setzte die Armee der Zentralregierung ihren Einsatz gegen die Separatisten inzwischen fort. Nachrichtenagenturen melden, dass Truppen mit schweren Waffen ins Zentrum Slawjansks vorgerückt seien. Zwei Soldaten seien bei einem Feuergefecht am Abend getötet worden, teilte das Verteidigungsministerium in Kiew mit. Die russische Staatsagentur Itar-Tass meldete, das Hauptquartier der pro-russischen Aktivisten liege unter Beschuss.

Am Morgen hatte die Regierung mit Hubschraubern und Militärfahrzeugen eine Offensive gegen die Separatisten in den Städten Slawjansk und Kramatorsk begonnen. Dabei kamen mindestens zwei ukrainische Soldaten und mehrere Separatisten ums Leben.

In der 130.000 Einwohner zählenden Stadt Slawjansk befinden sich auch die festgesetzten OSZE-Militärbeobachter.

Slawjansk wird seit mehr als zwei Wochen von pro-russischen Gegnern der Übergangsregierung kontrolliert. Bereits vor Tagen hatte die pro-westliche Führung in Kiew in der russisch geprägten Region einen sogenannten Anti-Terror-Einsatz gegen die Separatisten angeordnet. Dennoch verlor sie immer weiter an Einfluss und Kontrolle. Inzwischen kontrollieren die Milizen mehr als ein Dutzend Städte in der östlichen Region.

Scharfe Kritik aus dem Kreml

Die russische Regierung kritisierte den Angriff der ukrainischen Armee in scharfer Form. Präsident Wladimir Putin ließ durch seinen Sprecher mitteilen, die Offensive sei ein Verstoß gegen das Genfer Abkommen, das Mitte April zwischen Russland, der Ukraine, der EU und den USA geschlossen worden war, um den Konflikt zu entschärfen.

Auf Antrag Moskaus befasste sich der UN-Sicherheitsrat in einer erneuten Sondersitzung mit der Lage in der Ukraine. Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin forderte angesichts der Offensive im Osten des Landes einen "umgehenden Stopp aller Gewalt".

Der französische UN-Botschafter Gerard Araud entgegnete in Anspielung auf die pro-russischen Kräfte: "Russland hat Banden von Schurken in der Ukraine losgelassen - und entdeckt nun plötzlich, dass diese Mischung seiner Kontrolle entgleiten könnte."

Pro russische Separatisten am Checkpoint bei Slaviansk. | Bildquelle: REUTERS
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Prorussische Separatisten an einem Checkpoint bei Slawjansk.

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