Ein Kämpfer der prorussischen Rebellen vor einem zerstörten Denkmal nahe Donezk | Bildquelle: REUTERS

Neuer UN-Bericht zum Ukraine-Konflikt Zahlreiche Tote trotz Waffenruhe

Stand: 03.03.2016 13:42 Uhr

Seit fast zwei Jahren dauert der Konflikt in der Ostukraine an - und trotz vereinbarter Waffenruhe kommen noch immer zahlreiche Menschen ums Leben oder werden Opfer von Gewalt. Die Vereinten Nationen zählten seit April 2014 bereits mehr als 9000 Todesopfer.

Im Osten der Ukraine dauern die Spannungen zwischen prorussischen Rebellen und den Regierungstruppen weiter an. Und trotz der im Februar durch das Minsker Friedensabkommen vereinbarten Waffenruhe wird noch immer geschossen, noch immer kommt es zu Gewalt an Zivilisten. Das geht aus dem neuesten Bericht der Hochkommissariats der Vereinten Nationen hervor. Erstellt wurde er von einem Team, das die Lage direkt vor Ort in der Konfliktzone zwischen Donezk und Luhansk untersucht.

Insgesamt zählten die UN durch die Auseinandersetzungen seit dem Beginn des Konflikts im April 2014 mehr als 9160 getötete Menschen und mehr als 21.000 Verletzte. Damals hatten von Russland unterstützte Separatisten die Abspaltung der östlichen Gebiete von der Ukraine erklärt. Die tatsächliche Opferzahl könne sogar noch höher sein.

Und auch nach dem offiziellen Beginn der Waffenruhe kommen noch immer Menschen durch wahllosen Beschuss oder Landminen ums Leben. In der Zeit vom vergangenen November bis Mitte Februar wurden dem Bericht zufolge 21 Zivilisten getötet und 57 weitere verletzt.

Karte: Ukraine mit Pufferzone
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Vereinbarte Pufferzone in der Ostukraine: Mariupol, die Rebellenhochburgen Donezk und Lugansk und die hart umkämpfte Stadt Debalzewe liegen mitten in dem Gebiert.

Menschen "kämpfen ums tägliche Überleben"

Die Folgen des mittlerweile fast zwei Jahre andauernden Konflikts bekämen jedoch alle der rund drei Millionen Menschen zu spüren, die in der Ostukraine leben, sagte Said Raad al-Hussein, der UN-Hochkommissar für Menschenrechte. Sie kämpften um das tägliche Überleben im beständigen Gefühl der "politischen, sozialen und wirtschaftlichen Isolation". Die Versorgung mit Lebensmitteln und Trinkwasser sei schwer, wodurch die Preise für das, was da ist, für viele Menschen zu teuer seien. Die Verwaltung in den betroffenen Gebieten funktioniere nicht und den Bewohnern drohten "willkürliche Verhaftungen und Folter".

Said forderte daher "dringend mehr Schutz und Unterstützung" für die Bevölkerung. Auch der Friedensprozess soll neu angekurbelt werden - dafür will noch in diesem Jahr die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit unter deutscher Präsidentschaft die Initiative ergreifen.

Neue Vorwürfe über Einsatz großkalibriger Waffen

In dem Minsker Abkommen war ebenfalls der Abzug von groß- und mittelkalibrigen Waffen aus der Konfliktzone vereinbart worden. Doch die ukrainische Regierung erhob nun neue Vorwürfe, die Rebellen hätten nahe Donezk einen Grad-Raketenwerfer eingesetzt, der zu den großkalibrigen Geschützen zählt.

Von Seiten der Separatisten hieß es der Donezker Nachrichtenagentur zufolge, die Regierungstruppen hätten die Vororte der Stadt beschossen. Einer ihrer Kämpfer sei dabei getötet worden, zudem hätte der Beschuss mehrere Gebäude beschädigt. Die Nachrichtenagentur gilt als Sprachrohr der prorussischen Rebellen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. März 2016 um 15:30 Uhr.

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